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Lübeck Millionengeschäft Altkleidung: Klamotten-Krieg im Norden
Lokales Lübeck Millionengeschäft Altkleidung: Klamotten-Krieg im Norden
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21:31 20.08.2013
Aufpassen bei der Kleiderspende. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Im Norden ist ein regelrechter Kampf um alte Klamotten entbrannt. Viele wollen an dem Millionengeschäft mit Altkleidung mitverdienen. Firmen, Geschäftemacher und zunehmend auch Kommunen machen den karitativen Kleidersammlern das Leben schwer. Nach Angaben von Fairwertung e.V. in Essen, dem Dachverband gemeinnütziger Altkleidersammlungen in Deutschland, bringt eine Tonne Altkleidung zurzeit bis zu 450 Euro. Die Ware wird von Textilunternehmen aufgekauft, sortiert und nach Osteuropa, Afrika und Asien verschifft. Dort landet die westliche Mode zum Wiederverkauf auf Kleiderbasaren.Allein in Lübeck sind derzeit Hunderte Altkleidercontainer aufgestellt, manche von fragwürdiger Herkunft. Viele tragen zwar Schlagworte wie „Umweltschutz“ und „Nothilfe“.

„Dahinter steckt aber meistens nur Geschäftemacherei“, sagt Fairwertung-Geschäftsführer Andreas Voget. Da es sich häufig um ungenehmigte Sammlungen handelt, würden die Container meist auf Privatgrundstücken aufgestellt, um sich den Behörden zu entziehen. Per se illegal ist das nicht. Jede Sammlung muss aber drei Monate im Voraus beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume angemeldet werden, erklärt Behördensprecher Martin Schmidt. Ob das immer passiere, sei oft schwer nachzuprüfen. Gemeinnützigkeit sei aber keine Voraussetzung, um Altkleider sammeln zu dürfen. Wie inzwischen viele Kommunen in Schleswig-Holstein wollen auch die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) in das Geschäft einsteigen: Ab Herbst sollen 25 Container testweise im Stadtteil St. Jürgen aufgestellt werden, sagt EBL-Sprecherin Cornelia Tews.

„Die Erlöse tragen dazu bei, den Gebührenhaushalt zu stabilisieren.“ Auch in den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Rendsburg-Eckernförde werden bereits von kommunaler Seite Altkleider eingesammelt. Für die karitativen Organisationen wird die Arbeit dadurch schwieriger. Sowohl das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Schleswig-Holstein als auch Fairwertung e.V. schätzen den Rückgang bei den Karitativen durch die private und die kommunale Konkurrenz auf 20 Prozent. Zwar sammelt auch das DRK für den Export. „Wir finanzieren mit dem Geld aber gemeinnützige Projekte“, sagt Sprecher Paul Herholz. In Rendsburg-Eckernförde sei der Streit um die Altkleider sogar schon eskaliert. Die örtliche Entsorgungsbehörde wollte den DRK- Sammlungen die Gemeinnützigkeit absprechen und verbieten. Das Gerichtsverfahren läuft noch.„Derzeit ist der Altkleider-Markt überhitzt“, sagt Andreas Voget. „Wenn die Blase aber platzt, werden sich viele Kommunen noch wundern.“ Oliver Vogt

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