Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Mindestens zehn EHEC-Tote - Erstes EHEC-Opfer in Lübeck
Lokales Lübeck Mindestens zehn EHEC-Tote - Erstes EHEC-Opfer in Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:57 28.05.2011
Eine Laborantin vergleicht im Robert Koch Institut(Außenstelle Wernigerode) im Landkreis Harz EHEC-Kolonien aufNährboden. Quelle: dpa
Lübeck

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck berichtete am Samstagabend, dass auf seinem Campus Lübeck eine 86-jährige Patientin an den HUS-Folgen gestorben sei. Tragisch ist, das auch der Ehemann mit gesicherter EHEC-Infektion aufgenommen werden musste“, sagte UKSH-Sprecher Oliver Grieve.

Die EHEC-Welle rollt unvermindert vor allem durch

den Norden Deutschlands. Bis zum Samstag sind dem gefährlichen

Darmkeim neun Menschen zum Opfer gefallen. Auch die Zahl der

Krankheits- und Verdachtsfälle steigt. Nach offizieller Schätzung ist

der Höhepunkt noch nicht erreicht. Wo die Ursache liegt, ist weiter

unklar. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger verzichtet auf rohe

Tomaten, Gurken und Salat. Betroffene Bauern beklagen Riesenschäden.

In einem Krankenhaus in Schleswig-Holstein starb am Samstag eine

84 Jahre alte Frau an der schweren Komplikation HUS. HUS steht für

hämolytisch-urämisches Syndrom. Im Hamburger Uniklinikum Eppendorf

(UKE) starb daran in der Nacht zu Samstag eine 87-jährige Frau. Eine

38 Jahre alte Frau aus Schleswig-Holstein war bereits am

Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus am HUS gestorben.

Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr.

Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1000 bestätigte und

EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr

etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Von den neun Toten

waren acht Opfer Frauen. Bislang stammen alle Todesopfer aus

Norddeutschland.

Allein in Niedersachsen wurden bis Samstag 141 bestätigte

Erkrankungen, 48 EHEC-Verdachtsfälle und 42 HUS-Fälle registriert.

„Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schwererkrankten noch

weiter steigt“, sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Wegen

Überlastungen verlegen Hamburger Kliniken Erkrankte derzeit nach

Niedersachsen. In Hamburg liegt die Zahl bei etwa 400 Patienten.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich weitere EHEC-Patienten in

Behandlung begeben. Bei einer 58-jährigen EHEC-Patientin im

Karlsruher Klinikum bestand keine akute Lebensgefahr mehr. „Aber die

Patientin wird nach wie vor beatmet“, sagte eine Kliniksprecherin.

Sie hatte zuvor nach Angaben der Klinik viel Rohkost gegessen. Aus

Nordrhein-Westfalen wurden am Samstag keine neuen EHEC-Fälle

gemeldet, hier erkrankten 48 Menschen.

Am UKSH und am Hamburger UKE setzen die Mediziner inzwischen auf eine neue

Behandlung. Sechs EHEC-Infizierte mit Komplikationen bekämen einen

speziellen Antikörper, sagte Prof. Rolf Stahl am Samstag. Der

Antikörper Eculizumab soll gegen das akute Nierenversagen bei HUS

wirken, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete. Ärzte und

Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellten im

Fachblatt „New England Journal of Medicine“ die erfolgreiche

Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper vor.

Nach Einschätzung von Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister

Heiner Garg (FDP) ist der Höhepunkt der Krankheitswelle noch nicht

erreicht. Denn zwischen einer Ansteckung und dem Ausbruch der

Krankheit könnten bis zu zehn Tage liegen. Er gehe außerdem davon

aus, dass es außer den identifizierten spanischen Salatgurken vom

Hamburger Großmarkt noch weitere Ansteckungsquellen geben müsse.

Spanische Behörden wiesen Informationen der EU-Kommission zurück,

wonach zwei Agrarbetriebe in Südspanien wegen EHEC-Verdachts

vorübergehend geschlossen worden seien. In den beiden Betrieben in

den Provinzen Almería und Málaga seien lediglich abgeerntete Gurken

vorsichtshalber sichergestellt worden, teilte das andalusische

Gesundheitsministerium in Sevilla mit. Sie könnten womöglich mit den

in Deutschland aufgetretenen EHEC-Infektionen in Verbindung stehen.

Experten entnahmen Boden-, Wasser und Produktproben.

Mehr als jeder zweite Bundesbürger verzichtet jetzt auf ungekochte

Tomaten, rohe Gurken und Salat. 58 Prozent gaben in einer Umfrage im

Auftrag der „Bild am Sonntag“ an, auf diese Rohkost zu verzichten. 41

Prozent würden dagegen weiterhin rohes Gemüse essen. Das Institut

Emnid hatte 500 Menschen ab 14 Jahren repräsentativ befragt.

Deutschlands Bauern klagen über starke Absatzeinbrüche. Der

Vizechef des schleswig-holsteinischen Bauernverbands, Hans-Peter

Witt, sieht „irrsinnige Schäden“. Salat sei praktisch nicht zu

verkaufen, sogar bei Erdbeeren sei der Verkauf mancherorts um 50

Prozent zurückgegangen. Dies sei für viele Bauern existenzgefährdend.

Schweden hatte 25 nachgewiesene EHEC-Erkrankungen, Dänemark

sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Sonnabend, 12. März, entkam eine 30-jährige Lübeckerin nur knapp einer Vergewaltigung in der Nähe des Bahnhofs. Jetzt sucht die Polizei mit einem Phantombild nach dem Täter.

27.05.2011

Zielfahnder der Polizei haben gestern in Lübeck nach monatelanger Jagd den mutmaßlichen Betreiber der Mobbing-Webseite „Isharegossip“ festgenommen.

27.05.2011

Kräftige Böenen schüttelten am Donnerstagnachmittag die Bäume rund um Lübeck durch. Einige hielten dem Sturm nicht stand.

26.05.2011