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Lübeck Minister warnt: Hafen darf die Zukunft nicht verschlafen
Lokales Lübeck Minister warnt: Hafen darf die Zukunft nicht verschlafen
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18:25 09.04.2016
Kiel, Stadthäfen: Die „Aidacara“ liegt am Sartorikai, der sich zwischen Schweden- und Ostseekai befindet. Quelle: Kieler Hafen

. Konkurrenzkampf in Schleswig-Holstein: Die Häfen Lübeck und Kiel rangeln um dieselben Kunden. Zuletzt hatte der Kieler Seehafen die Nase vorn — und hat der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) zwei Großkunden abgeluchst. Sie werden ab Sommer ihre Routen über Kiel fahren, dabei waren sie über 20 Jahre treue Kunden an den Kaikanten in Schlutup.

Lübeck, Nordlandkai: Dort wird vor allem Papier umgeschlagen und gelagert. Der Hafen vor der Altstadt hat vier Ro-Ro-Anleger. Quelle: Maxwitat

„Der Hafen muss aufpassen, dass er sich nicht nur mit sich selbst beschäftigt.“Reinhard Meyer (SPD)

„Der Lübecker Hafen muss aufpassen, dass er sich nicht nur mit sich selbst beschäftigt und die Zukunft nicht verschläft“, warnt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Im Blick hat er dabei die zähen Tarifverhandlungen, Streiks und den gescheiterten Zukunftspakt für die LHG. „Lübeck muss auch sehen, wie das nach außen wirkt“, liest Meyer den Hanseaten die Leviten. Denn in der Außenwahrnehmung „hat der Hafen ein echtes Problem“. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) stimmt zu: „Die LHG ist tatsächlich in einer schwierigen Situation.“

Meyers Lösung: Der Minister hat eine Expertise in Auftrag gegeben, die die Häfen Lübeck und Kiel unter die Lupe nimmt. „Es geht darum, die Profile der beiden Häfen herauszuarbeiten und auch die Schnittstellen deutlich zu machen“, erklärt Meyer. Heißt: In welchen Bereichen sind die Häfen Konkurrenten? Auf welchen Feldern können sie kooperieren? Dem Vernehmen nach kostet die Studie 25000 Euro und wird vom Fraunhofer-Institut in Dortmund erstellt. Im Sommer soll sie vorliegen.

Sie könnte auch als Grundlage für die Förderpraxis des Wirtschaftsministeriums dienen. Beispiel: Will Lübeck einen Kreuzfahrtterminal für dicke Pötte bauen und dafür Geld vom Land haben, sieht es schlecht aus. Denn das ist das Geschäft der Kieler. Zuletzt hatten die Lübecker die Verteilung der Fördergelder des Ministeriums kritisiert und fühlten sich benachteiligt. Bezogen auf den Zeitraum ab 2000 sind indes gut 40 Millionen Euro in jeden der beiden Häfen geflossen. Das hat zumindest Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) beim Nautischen Essen verkündet.

Der Blick auf die Zahlen der Häfen macht klar: Kiel und Lübeck setzen im Prinzip auf unterschiedliche Geschäftsmodelle. Die Seehafen GmbH und Co. KG gibt es erst seit 1996 — und hat Kreuzfahrtschiffe im Fokus. Das braucht wenig Platz und wenig Menschen. Die Lübecker Hafen-Gesellschaft hingegen wurde schon 1934 gegründet — und ist ein alter Umschlaghafen mit Ro-Ro-Verkehr, in dem viel gearbeitet und gelagert wird. Das braucht viel Platz und viele Menschen.

Diese unterschiedlichen Hafenkonzepte spiegeln sich auch in den Zahlen wider. Beim Umschlag ist Kiel der David, Lübeck der Goliath. Der Seehafen Kiel hat 61 Hektar Fläche — und damit nicht einmal ein halb so großes Areal wie Lübeck mit 156 Hektar. An den Kieler Kaikanten arbeiten 153 Mitarbeiter (Stand 2013, neuere Zahlen nennt der Seehafen nicht), während in Lübeck 770 Menschen beschäftigt sind.

Der Umschlag in Kiel liegt bei sechs Millionen Tonnen 2015, in Lübeck sind es etwa 22 Millionen Tonnen. Ganz anders sieht das Kräfteverhältnis bei den Kreuzfahrern aus. 2015 hatte Kiel 133 Anläufe von 25 Kreuzfahrtschiffen, während Lübeck gerade auf elf kam. Somit zählt Kiel auch 2,1 Millionen Passagiere, Lübeck indes nur 406000.

Und was wird am Ende an den Kaikanten verdient? Der Seehafen Kiel mit vier Tochtergesellschaften hat 2013 ein Minus von 766000 Euro eingefahren und einen Umsatz von 21 Millionen Euro gemacht.

Neuere Zahlen hat der Seehafen bisher nicht veröffentlicht. Zum Vergleich: 2013 hat der LHG-Konzern mit seinen sechs Töchtern ein Plus von 500000 Euro erwirtschaftet und 123 Millionen Euro Umsatz. Ein Jahr später schloss der Konzern mit 1,1 Millionen Euro Minus ab, bei einem höheren Umsatz von 128,7 Millionen Euro.

Indes: Die Zahl der Kais und Terminals unterscheiden sich kaum. Der Kieler Seehafen betreibt drei Häfen (Stadthäfen, Kanalhäfen, Ostuferhafen), die LHG vier (Skandinavienkai, Nordlandkai, Schlutupkai, Seelandkai). Kiel wartet mit 21 Terminals auf, Lübeck mit 18.

Von Josephine von Zastrow

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