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Lübeck Missbrauch: Staatsanwältin fordert 13 und elf Jahre Haft
Lokales Lübeck Missbrauch: Staatsanwältin fordert 13 und elf Jahre Haft
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20:08 12.06.2017
Im Prozess gegen einen Vater, der mit einem Bekannten zusammen über Monate hinweg seine zweijährige Tochter vor laufender Kamera missbraucht haben soll, werden am Montag die Plädoyers erwartet.   Quelle: dpa
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Lübeck

„Diese Taten haben eindeutig sadistischen Charakter“, sagte Haage zu Beginn ihres gut einstündigen Plädoyers. Es sei äußerst selten, dass so kleine Kinder Opfer dieser Art von Verbrechen werden. „Als Folge für das Kind sind schwere Entwicklungsstörungen zu erwarten“, sagte Haage. Die schwerste aller angeklagten Taten hatte sich laut der Staatsanwältin am 2. September letzten Jahres ereignet. Bei dieser Tat hätten die Angeklagten das Mädchen in Lebensgefahr gebracht, ihren möglichen Tod während der Misshandlungen billigend in Kauf genommen. Allein für diese Tat sei eine Haftstrafe von neun Jahren für beide Angeklagte angemessen, so Haage.

Zwar hatte ein Gutachter dem Vater Philipp F. (Name geändert) am vorausgehenden Verhandlungstag verminderte Schuldfähigkeit infolge einer „lebensprägenden dissozialen Persönlichkeitsstörung in Verbindung mit seiner sexuellen Devianz“ bescheinigt, laut Haage erhöhe sich bei F. das Strafmaß aber dadurch, dass er der Vater der Zweijährigen ist. Außerdem werden ihm mehr Einzeltaten vorgeworfen. Neben dem schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes und der gemeinschaftlichen Vergewaltigung und sexuellen Nötigung wird ihm auch der Missbrauch einer Schutzbefohlenen und die Erstellung und Verbreitung pornografischer Schriften vorgeworfen.

Diese Videos, die Philipp F. während der Taten aufgenommen und später in Chats weitergeben hat, hatten im November 2016 zur Aufdeckung der Taten geführt. F. hatte ein Video an einen ihm persönlich nicht bekannten Chatpartner geschickt, der sich daraufhin an die Behörden wandte. Die Anwältin der Nebenklage, Franziska Hammer, dankte diesem Zeugen in ihrem Plädoyer noch einmal ausdrücklich. Das Mädchen sei erheblich verletzt worden in ihrem Recht auf ein unversehrtes Leben und sie wage nicht, sich vorzustellen, was es für das Kind bedeutet hätte, wenn die Taten nicht offenbart worden wären. Das Mädchen und ihre Mutter befinden sich derzeit in psychiatrischer Behandlung. Hammer: „Die Familie kümmert sich liebevoll um das Kind und tut alles Menschenmögliche, um die Folgen dieser Taten zu mindern.

Die Verteidiger verzichteten jeweils auf eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Einzeltaten. Beide äußerten aber die Ansicht, dass es keine vorsätzliche Billigung des Todes der Zweijährigen gegeben habe. Ihre Mandanten seien im Gegenteil darauf bedacht gewesen, keine Misshandlungsspuren zu hinterlassen.

Der Verteidiger von Philipp F. sprach sich außerdem gegen eine psychiatrische Unterbringung und für eine Haftstrafe im einstelligen Bereich aus. Die verminderte Schuldfähigkeit müsse sich bei der Strafe niederschlagen, was bei der Forderung der Staatsanwältin nicht der Fall sei. Das letzte Wort hatten die Angeklagten: Stefan G. tue es „unendlich unglaublich leid“, Philipp F sagte: „Ich bin regelrecht froh, dass alles aufgeflogen ist und auch wenn es nicht so rüberkommt, tut es mir leid.“ Am Donnerstag wird das Urteil gesprochen.

lj

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