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Lübeck Missbrauchsprozess: 42-Jähriger gesteht zahlreiche Vorwürfe
Lokales Lübeck Missbrauchsprozess: 42-Jähriger gesteht zahlreiche Vorwürfe
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11:17 26.10.2017
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-Jährigen insgesamt acht Sexualstraftaten vor.  Quelle: Markus Scholz/dpa
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Lübeck

Den Kopf gesenkt, die Stimme leise: Der Angeklagte Peter N. (Name geändert) suchte beim Prozessauftakt vor dem Lübecker Landgericht immer wieder nach Worten für die Taten, die ihm vorgeworfen werden.

Urteil im November

Das Gericht hat bislang 16 Zeugen und eine Sachverständige geladen. Der Prozess wird am 28. September fortgesetzt, ein Urteil wird Anfang November erwartet. Der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern wird gemäß Paragraph 176a des Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von zwei bis 15 Jahren bestraft.

Stockend, mit langen Pausen und mit einigen Widersprüchen in seinen Aussagen äußert er sich zu den Vorwürfen. „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“, sagte er.

Insgesamt acht Sexualstraftaten wirft die Staatsanwaltschaft Lübeck dem Angeklagten vor, die er zwischen Mai 2016 und Februar 2017 begangen haben soll. Die Opfer sind zwischen sieben und 25 Jahre alt.

So soll er im Mai 2016 in seiner damaligen Wohnung in Herrnburg (Nordwest-Mecklenburg) ein sieben Jahre altes Mädchen – eine Freundin seiner Tochter – zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Seine Tochter soll sich zum Tatzeitpunkt in einem anderen Zimmer aufgehalten haben. Die Tat hat er dann mit seinem Smartphone gefilmt. Im November 2016 soll der Angeklagte eine Neunjährige in den Keller eines Mehrfamilienhauses gelockt und zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Im Januar 2017 soll er dann die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin missbraucht haben.

Neben den sexuellen Missbrauchsfällen an den drei kleinen Mädchen wirft das Gericht dem Familienvater auch die Übergriffe auf drei junge Frauen in Lübeck vor, die er im Dezember 2016 und Januar 2017 begangen haben soll. So griff er jeweils im Schutz der Dunkelheit die Frauen von hinten an, riss sie zu Boden und berührte sie im Intimbereich. Als sich die Opfer wehrten, ließ er von ihnen ab und lief davon. „Ich will nur anfassen“, soll er dabei einem der Opfer gesagt haben. Die Vergewaltigung einer jungen Frau in Lüdersdorf (Nordwest-Mecklenburg) stritt N. allerdings ab. Mit ihr will der 42-Jährige einvernehmlichen Sex gehabt haben.

Im Prozess kamen auch sieben nicht angeklagte Fälle zur Sprache, bei denen es zu keiner Straftat gekommen war. In allen Fällen sprach der Angeklagte kleine Mädchen an und versuchte, sie in Keller zu locken. Eines der Mädchen merkte sich die Autonummer des Angeklagten, seine Mutter informierte die Polizei. So konnte der 42-Jährige im Februar festgenommen werden (die LN berichtete). Die meisten Mädchen sprach er an, als er auf dem Weg war, seine Kinder von der Schule abzuholen.

Warum er immer wieder Mädchen und Frauen angesprochen habe, wollte die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz von Peter N. wissen. „Ich wollte den Mädchen nichts tun, sondern ihnen nur Angst machen. Das gab mir das Gefühl, wieder die Oberhand zu haben“, sagte der Angeklagte und verwies auf sein zerrüttetes Familienleben. Nach der Trennung von seiner Frau sei er nach eigenen Angaben erst in eine Depression gerutscht und habe seinen Groll auf Frauen mit Tabletten und Alkohol bekämpft.

Immer wieder rang Peter N. mit den Tränen. Er habe Taten begangen, die er selbst verurteile, sagte der Angeklagte. Er sei als Kind ebenfalls missbraucht worden. Eine Entschuldigung in Richtung der Opfer gab es nicht.

 Majka Gerke

 

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