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Lübeck Mission Pink: Wird sie es wirklich tun?
Lokales Lübeck Mission Pink: Wird sie es wirklich tun?
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16:11 12.04.2017
Katjana Zunft ist vorbereitet: Am Gründonnerstag protestiert sie mit pinker Farbe gegen den Krieg. Quelle: Foto: Malzahn
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Lübeck/

Laboe. Es ist ihr Ernst. Zumindest die Idee. Da aber Ideenwelt und reale Welt oft weit auseinanderklaffen, reisen Katjana Zunft, Vorsitzende der Lübecker Linken, ihre Parteikollegen und Unterstützer morgen nicht nur mit Farbeimern und Farbrollen nach Laboe, sondern auch mit einem Alternativplan.

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Als Zeichen für den Frieden wollen Katjana Zunft und ihre Parteikollegen das U-Boot in Laboe neu anstreichen.

Am Montag hatte die Linke angekündigt, am Gründonnerstag das U-Boot „U 995“ vor dem Marine- Ehrenmal Laboe bei Kiel pink anzumalen. „Um zu unterstreichen, dass das Kriegs- und Krisengeschäft ernsthaft beendet werden muss“, so die Initiatorin und Landtagskandidatin Zunft. Und die Aktion steht noch immer. Etwa 50 Personen erwartet Zunft morgen gegen 17 Uhr zur Kundgebung an der Promenade in Laboe. Danach soll es weiter zu dem 1943 in Dienst gestellten U-Boot gehen.

„Das Laboer Ehrendenkmal zur Erinnerung an die auf See gestorbenen Seeleute aller Nationen lassen wir unangetastet“, versichert Zunft. Zumal es eine friedliche Seefahrt auf allen Meeren anmahne.

„Dieses U-Boot aber ist ein Museumsstück und als Kriegsgerät gebaut worden“, erklärt sie das Vorhaben. Es pink anzumalen, sei für sie keine Entweihung, sondern als Weckruf gedacht. Zunft: „Es werden immer noch U-Boote zu Militärzwecken gebaut, auch hier in Schleswig-Holstein.“ Zudem wollen die Aktivisten den Blick auf das andauernde Sterben im Mittelmeer lenken. „Und auf den Krieg und die Krisenherde im Nahen Osten“, sagt Zunft. „Krieg ist meist ein männliches Geschäft – und wir als Frauen wollen Frieden, Abrüstung und ein Ende der Waffenproduktion“, so die Vorsitzende der Lübecker Linken weiter. Die Aktivistinnen wollen bei ihrem Vorgehen Petticoats und pinke Wollmützen (sogenannte Pussyhats) tragen. Diese Mützen sind zum Symbol gegen US-Präsident Donald Trump und für eine neue Frauenbewegung geworden. „Es ist eine feministische Aktion, dennoch wird das morgen eine gemischte Gruppe sein“, kündigt Zunft an.

Was diese Gruppe dann genau tun wird, lässt die Initiatorin noch offen. Sie sagt:„Wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass wir dieses U-Boot nicht anmalen können.“ Sollte uns der Deutsche Marinebund mit offenen Armen empfangen und sagen ,toll, wir wollten immer schon, dass es pink wird‘, dann machen wir das.“ Andernfalls habe man einen Alternativplan. „Ein symbolisches Farbspektakel, das die Menschen wieder wachrütteln soll.“

Für Dr. Jann Markus Witt, Historiker des Deutschen Marinebunds ist der Plan eine typische Wahlkampfidee. „Und das Boot ist ein internationales Mahnmal gegen den Krieg“, so der Historiker. Er könne nicht verstehen, warum das jetzt beschmiert werden soll. „Gegen eine Kundgebung auf öffentlichem Raum haben wir natürlich nichts einzuwenden“, betont Witt. Sollte die Gruppe aber tatsächlich Anstalten machen, das Boot anzumalen, werde der Deutsche Marinebund von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Kritik hat Zunft auch schon in den sozialen Medien erfahren. Sie zeige sich respektlos gegenüber den Veteranen, schreibt ein Facebook-User als Reaktion im Netz. Dazu sagt sie: „Mich wundert, dass Menschen offenbar mehr Angst davor haben, dass ein altes U-Boot pink wird, als dass woanders U-Boote im Krieg eingesetzt werden.“

 Luisa Jacobsen

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