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Lübeck Mit Glatze Richtung Finale: Anuthida gilt als Spitzenreiterin
Lokales Lübeck Mit Glatze Richtung Finale: Anuthida gilt als Spitzenreiterin
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10:52 12.06.2015

Anuthida liegt in einem hautfarbenen Body, eingeschnürt und mit Glatze in einer Holzkiste. Diese wird auf den Kopf gestellt. Derweil baumelt Jüli ebenfalls halbnackt, verschnürt und hilflos an einem Gabelstapler und wird mit Wasser bespritzt. Ein quälender Anblick, der sich gestern Abend den Zuschauern der Fernseh-Castingshow Germany's next Topmodel auf der gemütlichen, heimischen Couch bot.

Die verbliebenen acht Kandidatinnen mussten beim Fotoshooting mit Kristian Schuller als Schaufensterpuppen posieren, die gerade verpackt und verfrachtet werden. Dabei noch cool und lässig zu bleiben, fiel nicht allen so leicht wie der Lübecker Schülerin Anuthida (Anu). "Sie ist hier mittlerweile eine kleine Spitzenreiterin geworden“, resümierte Heidi Klum am Ende des Shootings der 17-Jährigen anerkennend. Hingegen It-Dauerzicke Darya wetterte weinend in die Kamera: "Können wir nicht mal etwas normales machen. Wir sind doch Menschen und keine Kunstwerke." Als Zuschauer möchte man sie an dieser Stelle am liebsten in den Arm nehmen und mütterlich fragen, ob sie das Format noch nie gesehen hat – ein Format, in dem der Mensch nicht zählt, sondern seine Maße, seine Leidens- und Anpassungsfähigkeit. Wie sagte einst Jurymitglied Wolfgang Joop an anderer Stelle so schön: Die Models seien nun einmal Schaufensterpuppen ohne eigene Meinung.

Heidi Klum verpasste den acht Kandidatinnen Glatze.


Anuthida (v.l.), Jüli und Katharina posen mit Glatze.


Vater Terry platzte fast vor Stolz, als er beim Werbespotdreh seiner Tochter zusehen durfte. Anuthida hatte nämlich den begehrten Opel-Werbespotdreh mit Zach King ergattet - einem Youtube- und Vine-Star, der im Internet durch seine professionellen, illusorisch-bearbeiteten Bewegtbilder bekannt wurde.

Schon beim Casting für die Werbung hatte Anuthida alle anderen Kandidatinnen mit ihrer Natürlichkeit und Lockerheit ausgestochen, als sie sich im Opel Adam während einer Waschstraßenfahrt hektisch umziehen musste. Sie sei einfach ein "sehr sympathisches und hübsches Mädchen" und habe mit ihrer Wärme bestochen, erklärte die Casting-Direktorin die Entscheidung für Anu.

Während des Drehs für die Online-Werbeclips musste Anu in verschiedenste Rollen schlüpfen. Alles unter den leuchtenden Augen ihres Vaters. "Ich bin sehr stolz auf sie. Sie sieht wunderschön aus. Das ist meine Tochter, ich bin ihr Vater", sagt er sichtlich ergriffen und rührt damit auch jedes Mutter- und Vaterherz vor dem Fernseher. Doch nicht nur er, auch der Kunde und die Jury zeigen sich nach dem Dreh zufrieden mit dem Lübecker Modeltalent: "Sie ist wunderschön, hat das Selbstbewusstsein und die Charakterstärke", resümierte Jury Mitglied Thomas Hayo. "Anu hat das ganz ganz toll gemacht und alles mit Ehrgeiz und Kampfgeist umgesetzt", bescheinigte die Castingchefin.

Doch eigentlich ist es mal zur Abwechslung egal, was sie sagen und beurteilen, denn die privaten Einspieler von Anu und ihrem Vater und die tränenreichen, ungestellten Statements sind die ECHTEN Momente in einer lebensfernen, künstlichen Modelwelt. Vielleicht sogar der echteste Moment in zehn Jahren Topmodelsgeschichte. "Ich hoffe, dass wir wieder die Gelegenheit bekommen, uns zu sehen. Es ist halt sehr traurig, wenn man wieder Tschüss sagen muss", sagt Anu weinend in die Kamera. Der Vater schwört in einem Gefühlsausbruch alles zu tun und einen Weg zu finden.

Nach einer "Wahnsinnswoche", die emotionaler und erfolgreicher nicht für Anuthida hätte verlaufen können, bekommt sie natürlich das begehrte Foto und ist eine Runde weiter (wie alle anderen Kandidatinnen auch). Wahrscheinlich steht sie sogar schon mit einem Bein im Finale der Show, denn in den vergangenen Topmodel-Staffeln gewannen meist diejenigen, die auch zuvor den Werbespot-Job bekamen. Ein Kind Lübecks bald Topmodel? Es darf geträumt werden!

Zwar ist jetzt bewiesen, dass das Fernsehformat Germany's next Topmodel Magersucht begünstigt (siehe: Studie: Klums „Topmodel“-Show verführt Mädchen zu Magersucht), dennoch gab es wenigstens einen pädagogisch-wertvollen Moment in der gestrigen Folge. Heidi Klum besprach nämlich mit den angehenden Topmodels ihre Social Media-Auftritte und vor allem die Fotos und Informationen, die die jungen Frauen bei Instagram oder Facebook von sich preisgeben. Von protzigen, luxuriösen Champagner-Partybildern bis lasziven Penis-Lutscher-Fotos war alles dabei. "Ihr solltet keinen Quatsch in soziale Netzwerke stellen. Sind die Fotos einmal da drin, kriegt man sie nie wieder heraus", rät ihnen die selbsternannte Modelmama weise. Gestern haben die Sendung wieder Millionen junge Zuschauer gesehen. Vielleicht hat der Appell ja den ein oder anderen erreicht.

Von Janine Richter

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