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Lübeck Neuer Versuch: Lübecker Koberg soll schöner werden
Lokales Lübeck Neuer Versuch: Lübecker Koberg soll schöner werden
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10:23 16.04.2019
Mitarbeiter der Firma Natursteinwolf luden am Montag Granitblöcke ab, die rund um den Koberg aufgestellt werden. Quelle: Holger Kröger
Innenstadt

Granitquader statt Verkehrsschilder: Am Montag wurde der Koberg umgestaltet. 28 Granitblöcke werden laut Verwaltung rund um den Platz aufgestellt, dafür werden 15 Verkehrsschilder entfernt. „Vorrangig geht es darum, die Attraktivität des Platzes zu erhöhen, da die vorhandene Beschilderung des Fußgängerbereiches optisch nicht sehr ansprechend war“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel, „das widerrechtliche Parken auf dem Platz soll damit unterbunden werden.“

Kurze Geschichte der Lichtskulptur

Die Lichtskulptur des Künstlers Peter Turpin war von Anfang an heftig umstritten. Am 8. November 2008 erstrahlte das Lichtquadrat zum ersten Mal auf dem Koberg. 225 000 Euro hatte die Possehl-Stiftung für das Kunstwerk ausgegeben. Nachdem 2009 ein Lastwagen auf dem Platz rangiert hatte, fiel die Beleuchtung komplett aus. Das Ende der Skulptur war eingeläutet. Im Oktober 2010 wurde das Lichtquadrat abgebaut.

Die Maßnahme kam völlig überraschend. Dabei sei sie bereits vor drei Jahren, im März 2016, im Arbeitskreis Verkehr beschlossen worden, berichtet Dorel: „Die Umsetzung erfolg jedoch erst jetzt.“ Während Falschparker nachhaltig abgeschreckt werden sollen, bleiben die Zufahrten für Marktbeschicker und Schausteller erhalten. Dorel: „Zwischen den Quadern werden an drei Stellen Steckpoller installiert, so dass bei Bedarf weiterhin Zufahrtsmöglichkeiten bestehen.“

Jeder Granitblock wiegt 240 Kilogramm

Den Auftrag hat die Lübecker Firma Natursteinwolf erhalten. Firmeninhaber Stefan Wolf hat die Blöcke aus chinesischem Granit hergestellt, was ihm bereits Debatten in den sozialen Netzwerken bescherte. „Ich hätte es besser gefunden, Granit aus Europa zu nehmen, aber der wäre sehr viel teurer gewesen“, erklärt Wolf. Die Blöcke, die jeder 240 Kilogramm wiegen, sind 45 Zentimeter hoch. „Eine gute Sitzhöhe“, sagt Stefan Wolf. Die Kosten für die Baumaßnahme beziffert die Verwaltung mit 5000 bis 8000 Euro.

Diskussionen ums Parken und um Feste

Granitblöcke statt Poller und Schilder – das findet durchaus Zustimmung. „Für den Koberg als Veranstaltungsfläche bedeuten sie für den Aufbau und die Sicherheitsvorkehrungen keine Veränderungen“, sagt Doris Schütz, Sprecherin der Tourismusgesellschaft LTM. „Wir freuen uns, dass mit der Entfernung des Schilderwaldes auf dem Koberg ein Stück Absurdität entfernt wird“, sagt der Vorstand des Architekturforums. Aber das reiche noch nicht. „Es braucht auch ansprechende Angebote zum Sitzen“, sagt der Architekt Jörn Simonsen. „Beispiele für Alternativen zur Lübecker Edelstahlbank gibt es – beispielsweise stehen lose Stühle auf dem Sechseläutenplatz in Zürich oder raffinierte Bänke im Museumsquartier in Wien.“ Ohne Durchgangsverkehr und mit Tempo 20 bräuchte es keine so starke Trennung des Platzes vom Autoverkehr, sagt Simonsen: „Wir verstehen das Aufstellen der Granitquader daher als einen Startschuss von vielen weiteren Maßnahmen.“

Annegret Ølgaard vom Seniorenbeirat der Hansestadt: „Auch diese Maßnahme wird die Aufenthaltsqualität nicht verbessern.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Auch der Seniorenbeirat drängt auf weitere Maßnahmen. Die Granitquader seien gut gemeint, erklärt Annegret Ølgaard, „aber auch diese Maßnahme wird die Aufenthaltsqualität nicht verbessern.“ Senioren und Seniorinnen, die den Platz mit einem Rollator überqueren wollen, hätten wegen der Pflasterung Probleme.

Seniorenbeirat wünscht sich mehr Bäume und Bänke

Auf dem Koberg gebe es das Burrecht, einen Brunnen, drei Edelstahlbänke, die im Sommer zu heiß und im Herbst zu kalt seien, drei Elektroanschlusstonnen und einen einsamen Baum. Ølgaard: „Grüne Innenstädte erhöhen die Aufenthaltsqualität für Bürger und Touristen.“ Der Seniorenbeirat fordere genauso wie auf dem Markt ein anderes Pflaster, mehr Bäume und Bänke.

Und was sagen die Bürger? Mario Grombein findet die Quader nicht schön: „Sie sind quadratisch und praktisch.“ In seiner Kindheit sei der Platz einladender gewesen. Nicole Radovcic schlendert mit ihrer Familie über den Platz: „Die Granitblöcke finde ich schön.“ Anja Rings lobt die Maßnahme: „Ich fühle mich sicherer, wenn der Platz deutlich von der Straße abgeteilt ist.“

Friederike Grabitz und Kai Dordowsky

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