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Lübeck Mit dem Auto zur Schule: Wer stoppt die Elterntaxis?
Lokales Lübeck Mit dem Auto zur Schule: Wer stoppt die Elterntaxis?
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21:21 25.10.2012
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Lübeck

Morgens 7.30 Uhr, Stadtparkschule in St. Gertrud. Gleicht die Straße in einem Moment noch einer idyllischen Spielstraße in einem ruhigen Wohngebiet, verwandelt sie sich im nächsten Augenblick in einen vielbefahrenen Platz.

Zahlreiche Autos nähern sich aus allen Richtungen, parken am Straßenrand, halten in der zweiten Reihe und überholen sich gegenseitig. Autotüren fliegen auf, Eltern steigen aus und bringen ihren Nachwuchs zum Schulhof. Mittendrin – kleine Kinder mit großen Ranzen, die teilweise allein zu Fuß oder auf dem Fahrrad ihren Schulweg bestreiten.

Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zu Schule bringen, steigt – Pädagogen, Polizei und Verbände warnen vor den Risiken des privaten Schülertransports. „Die sogenannten Elterntaxis sind ein zunehmendes Problem, das für enormes Gefahrenpotenzial vor den Schulen sorgt“, sagt Elisabeth Pier von der Verkehrswacht Schleswig-Holstein. Viele Eltern würden zwar nur das Beste für ihr Kind wollen, würden dabei jedoch vergessen, dass sie dadurch andere Kinder gefährden.

„Der Verkehr vor den Schulen nimmt immer mehr zu“, sagt auch Ralf Esemann, Verkehrslehrer der Lübecker Polizei. „Es ist schon fast ein Wunder, dass nicht viel mehr Unfälle passieren.“ Mit ihren Verkehrsschulungen würden sie zwar die Kinder auf die Gefahren hinweisen, die Eltern seien für die Polizisten jedoch nur schwer zu erreichen und oft auch nicht belehrbar.

Auch die Pädagogen sind wegen der Verkehrssituation vor ihren Schulen zunehmend besorgt. „Das sind keine Zustände hier“, sagt etwa Dieter Brauer, Leiter der Luther-Schule in St. Lorenz Süd. „Die Eltern fahren teilweise bis auf den Schulhof, nur um ihre Kinder möglichst nah am Eingang abzusetzen.“ Andere Kinder müssten aufpassen, nicht von den Autos erwischt zu werden. „Teilweise fahren die Eltern so nah an den Eingang heran, als wären sie an einem McDrive-Schalter“, ergänzt Polizist Esemann, der an den Grundschulen regelmäßig Verkehrsunterricht gibt. Selbst Strafen und Verwarnungen würden nur wenige abschrecken. Zu Beginn eines neues Schuljahrs und im Winter sei die Problematik besonders schlimm.

Auch Ulf-Michael Cosmus, Leiter der Kalandschule, ist um die Sicherheit seiner Schulkinder besorgt. „Die Schulwegsicherung ist ein Dauerthema bei uns“, sagt der Pädagoge. Auch er sieht Gefahren eher durch die autofahrenden Eltern als durch den geringen Anliegerverkehr. In Gesprächen bittet er die Eltern daher regelmäßig, ihre Kinder nur mit dem Auto zur Schule zu fahren, sofern es unbedingt notwendig sei. Mit mehr oder weniger großem Erfolg. Auch an der Kalandschule ist die Verkehrssituation zu den Stoßzeiten morgens und mittags teilweise chaotisch.

Bei den Eltern gehen die Meinungen über das Problem auseinander. „Ich komme von weiter weg und fahre meinen Sohn auch regelmäßig mit dem Auto“, sagt etwa Mutter Andrea Gehlsdorf. Sie sieht aber keine Gefahren durch die Autos. „Ich fahre sehr vorsichtig und achtsam. Ich denke, das machen die anderen Eltern auch.“ Vater Kai Westphal sieht das etwas anders. Er begleitet seine sechsjährige Tochter Louisa jeden Morgen zur Schule. Zwar unterstellt er anderen Eltern keine böse Absicht, „die erhöhte Gefahr für die Kinder, die zu Fuß gehen, ist durch die vielen Autos aber in jedem Fall da“, sagt er. Andere Eltern sehen die Stadt in der Pflicht, etwas gegen die Gefahren zu unternehmen.

Die Lübecker Stadtverwaltung aber gibt die Verantwortung zurück. „Die Eltern sind selbst Teil des Problems. Sie müssen umdenken und weniger mit dem Auto fahren“, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe. Und würden die Eltern ihre Kinder auch dort zur Schule schicken, wo sie wohnen, gäbe es auch keine Notwendigkeit, das Auto zu nutzen.

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