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Lübeck Mit dem Handy zum richtigen Bussteig
Lokales Lübeck Mit dem Handy zum richtigen Bussteig
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11:47 10.01.2018
Alexander Wowczuk (vorne) ist einer von 1300 sehbehinderten Menschen, die in Lübeck wohnen. Um Fahrpläne zugänglich zu machen, haben Lukas und David Jardin (Mitte) einen barrierefreien Internetauftritt für Stadtverkehr-Geschäftsführer Andreas Ortz (rechts) entwickelt. Quelle: Foto: Saskia Bücker
St. Lorenz Nord

Der 40-Jährige fragte bisher immer den Busfahrer, ob er in der richtigen Linie nach Hause sei. Das ist von nun an anders – mit einer Smartphone-App von Stadtverkehr und LVG. Alexander Wowczuk hält sein Smartphone in beiden Händen, streicht langsam mit einem Finger von oben nach unten über den Bildschirm. Das Visuelle auf dem Touchscreen ist für ihn unwichtig, er konzentriert sich ganz auf die Stimme, die aus dem Lautsprecher kommt. „Haltestelle Ratekauer Weg“, sagt ihm das Telefon, „Entfernung Luftlinie 237 Meter. Buslinie 7. Drei Minuten.“ Mit der speziell für Blinde entwickelten App vom Stadtverkehr kommt Wowczuk nun schnell an die Infos, die er braucht: an welchem Bussteig welche Linie wann losfährt, wohin die Reise geht und wie weit Haltestellen von seinem Standort entfernt sind. Auch Stadtkarten kann er sich vorlesen lassen und sich so auf den Straßen besser orientieren.

Neben Marburg ist das Lübecker Busunternehmen bundesweit das einzige, das spezielle Bedienhilfen in seinem Internetangebot für Sehbehinderte anbietet. Dabei verpflichtet eigentlich ein bundesweites Gesetz zur Gleichstellung von Behinderten die öffentlichen Einrichtungen dazu, Internetangebote für Menschen mit Behinderung auszubauen. Das Problem: Wer sich nicht daran hält, hat auch keine Sanktionen zu fürchten.

Der Lübecker Stadtverkehr sieht sich mit dem neuen Angebot fürs Smartphone und der besseren Bedienbarkeit der eigenen Homepage auf dem richtigen Weg. „Wir gehen mit gutem Beispiel voran und werden als Verkehrsunternehmen bei diesem Thema eine Vorreiterrolle spielen“, sagt Andreas Ortz, Geschäftsführer des Stadtverkehrs und der Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft.

Alle Fahrgäste, insbesondere die ältere Bevölkerung, könnten von der App und der Neugestaltung der Homepage profitieren, sagt Stadtverkehr-Sprecherin Gerlinde Zielke. So sei die Homepage jetzt übersichtlicher gestaltet, die Farbkontraste zum Bildhintergrund besser, die Schriftgröße variabel. Auch hier gibt es eine Vorlesefunktion, bei der die Sprechgeschwindigkeit angepasst werden könne.

Rund 20 000 Euro investierte das Verkehrsunternehmen in die App für Sehbehinderte und das barrierefreie Internet. Dafür holten sich die Stadtwerke Hilfe von Profis, einem Krefelder Technikunternehmen sowie Webentwicklern aus Köln.

Für Alexander Wowczuk wird mit der Technik von heute vieles einfacher. Den Busfahrplan, mögliche Verspätungen und Gleiswechsel vom Smartphone vorlesen lassen – all das ermöglicht die für Blinde entwickelte App und die Internetseite. Und er kennt das alles schon genau, denn für die Stadtwerke testete er die App bereits.

Es gibt die App unter dem Namen DYFIS-Talk im Apple Store für iPhones, im Google Play Store für Android-Handys.

 Von Saskia Bücker

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