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Lübeck Mit dem Kaffeekorb durchs Viertel
Lokales Lübeck Mit dem Kaffeekorb durchs Viertel
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19:12 26.08.2016
Mobile Nachbarschaftspflege: Heidrun Arfmann (54) und Jörg Bertram (45) haben immer Kaffee und Kuchen dabei. Quelle: Fotos: Felix König, Privat

Ein Bollerwagen voller Herzlichkeit: Selbstgebackener Kuchen in einer Tupperdose, frisch gebrühter Kaffee in der Thermoskanne – und Lollis in einer Tüte.

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Seit einem Jahr hat die Gegend um den Brolingplatz eine Quartiersmanagerin. Frieda Stahmers Ziel: Das Miteinander in der Nachbarschaft stärken.

Obendrauf ein geflochtener Korb mit zwei hochklappbaren Deckeln und rot-weißem Futter. Diesen mobilen Kaffeekorb ziehen Heidrun Arfmann (54) und Jörg Bertram (45) hinter sich her. Es geht über den holprigen Bürgersteig aus roten Ziegeln in der Brolingstraße. Die Sonne scheint, aber die Vorgärten sind leer. Die meisten reagieren zurückhaltend, wenn die beiden Ehrenamtlichen von der Initiative Brolingplatz den Kuchen anbieten – und über das Wohnen in dem Quartier klönen wollen.

„Viele sind erst einmal skeptisch“, hat Jörg Bertram erfahren. Man sei es nicht mehr gewohnt, in der Nachbarschaft einfach angesprochen zu werden. Auf dem Spielplatz ist dann die erste Scheu überwunden. Das kleine, weinende Mädchen hält einen Lolli in der Hand und versteckt sich hinter seiner Mama. Der Vater berichtet, dass ihn die neue Jet-Tankstelle ärgert, die jetzt plötzlich am Warendorpplatz entsteht – dort, wo es früher schon einmal eine gab. „Da hätte ich lieber Grün gehabt.“

Es sind diese kleinen Begegnungen, die die Menschen im Wohnviertel einander wieder näherbringen sollen. Seit einem Jahr kümmert sich Frieda Stahmer darum. Sie ist die neue Quartiersmanagerin und hat den mobilen Kaffeekorb ins Leben gerufen. „Im Rheinland gibt es das viel häufiger als im Norden“, sagt die 54-Jährige, die früher in Köln als Quartiersmanagerin gearbeitet hat. Sie ist Sozialpädagogin und hat bereits etliche Angebote für die Menschen im Viertel initiiert. Es liegt in dem Dreieck zwischen Schwartauer Allee, Fackenburger Allee und Bei der Lohmühle. 5700 Menschen leben dort. „Aber es gibt wenig Infrastruktur“, sagt Stahmer. Supermärkte, Ärzte, Apotheken gibt es nicht. Dort treffen sich aber die Menschen und reden. Das fehlt in dem Viertel – und das will Stahmer ändern.

„Wir nehmen alte Ideen auf – und versuchen, sie neu umzusetzen“, erklärt Stahmer. So habe es dort früher eine Kneipe gegeben, in der sich die Nachbarschaft einmal im Jahr zum großen Essen getroffen hat. „Das haben wir aufgenommen“, so Stahmer. Und daraus ist dann die Kochgruppe entstanden. Drei bis vier Mal im Jahr kochen sie zusammen – und laden dann zu einem gemeinsamen Mahl ein. Es gibt nun auch eine Nähgruppe sowie eine Truppe, die gern Gesellschaftsspiele spielt. Zudem werden Filmnachmittage angeboten, es gibt einen großen Flohmarkt im September, das Adventssingen – und im nächsten Jahr das große Sommerfest. All das hat Stahmer mit auf die Beine gestellt. Sie verbindet Angebote, die es gibt – und setzt dann noch etwas obendrauf.

Eine Quartiersmanagerin ist in Lübeck eine Seltenheit. Rund um den Brolingplatz hat die Sache vor zwei Jahren Fahrt aufgenommen. „Da sind zwei Dinge zusammengekommen“, sagt Kerstin Behrendt, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Ihre Organisation kümmere sich vor allem um ältere Menschen, damit sie möglichst lange zu Hause leben können. Dann hat das Quartier einen großen Schub erhalten durch die Initiative Brolingplatz: 20 engagierte Bürger, die für die Umgestaltung des Platzes gekämpft haben. Die Stadt hat ihn 2015 für 1,2 Millionen Euro umgestaltet. Nun erhält das Viertel dort auch ein Quartiershäuschen für 127000 Euro, bezahlt von der Possehl-Stiftung.

Beides zusammen hat dazu geführt, dass das Viertel jetzt eine Quartiersmanagerin hat. „Ein gutes Beispiel, was bürgerschaftliches Engagement in einer Gegend bewirken kann – und wie man es hauptamtlich unterstützen kann“, sagt Behrendt. Drei Jahre bezahlt die Fernsehlotterie die halbe Stelle von Stahmer bei der Awo. Behrendt: „Wir wünschen uns, dass viele Menschen im Quartier genauso fühlen, wie auch der Titel unseres Projektes ist: ,Zu Hause ist es immer noch am schönsten‘.“

Sprechzeiten

Am 6. September um 17.30 Uhr wird die Veranstaltung „Gut, dass Sie einen Rat für mich haben“ im Awo-Treff in der Brolingstraße 16 angeboten. Dabei wird eine Vertreterin der Stadt erklären, wo man Hilfe bei Problemen im Alltag finden kann.

Die Sprechzeiten von Quartiersmanagerin Frieda Stahmer starten wieder ab 8. September. Sie sind dienstags von 17 bis 19 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr (außer jeden ersten Donnerstag im Monat). Per E-Mail ist sie unter quartierbrolinglatz@awo- kreisverband-luebeck.de zu erreichen.

Josephine von Zastrow

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