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Lübeck Mit dem Party-Taxi durch die Nacht
Lokales Lübeck Mit dem Party-Taxi durch die Nacht
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16:29 22.01.2017
Gute Laune im Taxi: Die Fahrgäste Katrin Equinozio und Jens Schmiedeberg (hinten) lassen es mit Christoph Haupt (v. l.), Christiane Kley und Taxi-Chef Andreas Knickrehm richtig krachen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Schlutup

Michael Fischer könnte stundenlang Geschichten über die Nächte erzählen, die er mit seinen Gästen in dem silbernen VW T5 schon erlebt hat; denn wer in das Großraumtaxi einsteigt, erlebt eine dicke Überraschung. „Ich schalte das Licht ein und die Musik, und dann geht das los“, sagt der 56-Jährige, den alle eigentlich nur „Fischi“ nennen. „Die Leute finden das richtig klasse und singen mit“, sagt er. Der Nachtfahrer ist seit 2011 mit dem Party-Bus von AK-Taxi unterwegs, nach dem sich die Leute umdrehen. Denn wenn „Fischi“ in seinem blinkenden Taxi und Feiermusik vorfährt, zieht er alle Blicke auf sich.

Bei Fahrer „Fischi“ gibt es laute Musik und eine Lichtershow.

„Wir hatten einen schwarzen VW, der von der Innenraumbeleuchtung her nicht ausreichend war“, erzählt Chef Andreas Knickrehm. Mit einer weißen LED-Leiste habe er den Wagen dann aufgerüstet. „Und Fischi, der immer einen lockeren Spruch drauf hat und Musik mag, benutzte die Leiste dann als Discolicht“, verrät Knickrehm mit einem Lachen. In den neuen Bus habe er dann einen fünf Meter langen Lichtschlauch eingebaut. Jetzt erstrahlt der Innenraum in rotem, grünen und blauen Licht; wenn „Fischi“ auf seinen Knopf drückt und das Großraumtaxi zur Partyzone macht.

Sobald die Oldies und neuen Hits durch das Taxi dröhnen, können die zugestiegenen Gäste die Füße nicht mehr stillhalten. „Wenn ich in den Rückspiegel gucke, sehe ich dann immer die Köpfe auf und ab wippen“, sagt „Fischi“ und muss lachen. Die Gäste seien manchmal völlig von der Rolle und hätten wahnsinnigen Spaß. „Aber das ist kein Wunschkonzert, die Musik suche ich aus“, sagt Fischer. Wer das Party-Taxi nicht kenne, sei im ersten Moment erstaunt. „Und dann finden es alle toll“, erzählt „Fischi“, der nur nachts fährt. Oft haben seine Gäste mit dem Aussteigen gewartet, weil sie noch ein Lied zu Ende hören wollten.

„Das ist wirklich verrückt. Die sagen dann, dass das Taxameter weiterlaufen soll“, berichtet auch Chefin Gaby Knickrehm. „Fischi“ wird auch immer wieder dazu aufgefordert, noch eine andere, längere Strecke zu nehmen. „Oder die wollen noch mal eine Runde um den Lindenteller. Das ist alles schon passiert“, erzählt der Taxifahrer. Manchmal würden auch Gäste, die das Taxi schon kennen, einfach eine Stunde lang mit dem Party-Bus durch die Stadt fahren wollen.

Auch die Polizei hat den 56-Jährigen samt Gästen schon mehrfach angehalten. Einfach, weil der Wagen auffällt. „Die Beamten hatten noch nie etwas zu beanstanden, und ich fahre natürlich auch normal“, berichtet Fischer. Die meisten Gästen würden außerdem wollen, dass „Fischi“ lieber etwas langsamer fahre, „damit es eben nicht ganz so schnell geht“, erzählt der Taxifahrer.

Vom Junggesellinnenabschied über eine sechzehnköpfige Gruppe, die sich für den gemeinsamen Urlaub an den Hamburger Flughafen fahren lässt – „Fischi“ hat schon fast alles erlebt. „Wir haben auch einmal ein Lied wahr werden lassen und Gäste nach Paris gefahren“, sagt Fischer. Der Nachtfahrer wird mittlerweile nicht nur zu Sonderanlässen gebucht. Und das, obwohl das Party-Taxi eigentlich nur ein Nebenprodukt des Unternehmens ist, das sich auf Rolli-Fahrten und Transporte spezialisiert hat. „Mit dem Party-Bus stehe ich am Wochenende auch ganz normal am Taxistand in der Beckergrube und warte auf Fahrgäste“, erzählt „Fischi“. Und wer sich auch nach einer durchfeierten Nacht ordentlich benimmt, ist in „Fischis“ Party-Bus immer willkommen. Zur Not passt auch mal ein Bollerwagen in den Kofferraum, damit der Junggesellenabschied sicher und mit Spaß nach Hause kommt.

 Tomma Petersen

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