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Lübeck Mit der Rauschbrille unterwegs: Vorsicht vor dem Tunnelblick
Lokales Lübeck Mit der Rauschbrille unterwegs: Vorsicht vor dem Tunnelblick
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12:09 19.05.2017
Britta Zink, Lehrerin der Baltic-Schule, wagt sich mit der Rauschbrille auf den Parcours. Ein aussichtsloses Unterfangen. Quelle: Foto: Rüdiger Jacob

„Das hätte ich nie gedacht“, sagt Lucia Loriga, als sie die spezielle Rauschbrille abnimmt. Die 17-jährige Baltic-Schülerin, die an der Aktionswoche Alkohol teilnimmt, soll mit einem Fahrrad einen kleinen Parcours bewältigen. Doch so sehr sie sich anstrengt, so wenig gelingt ihr die Aufgabe. Und dabei vermittelt die Rauschbrille erst einen Blutalkoholwert von 0,8 Promille. „Erstaunlich, dass das mal beim Autofahren zulässig war“, ist die Schülerin verwundert. Während Lucia es weiter versucht, passen Tina Knappik und Dorothee Johannsen von der Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie auf, dass sie nicht das Gleichgewicht verliert und stürzt.

Aktion gegen Alkohol

Die Aktionswoche steht unter der Schirmherrschaft von Sozialsenator Sven Schindler (SPD). Zum Abschluss gibt es heute einen Parcours mit Rauschbrille im Pressezentrum, Breite Straße 79.

Unterstützer sind unter anderem die Awo-Drogenhilfe, die Buchhandlungen Hugendubel und Langenkamp, der Fahrschulverband, Guttempler, Internationaler Bund, Marli GmbH, Stadtbibliothek, Toi Toi & Dixi, Stadtverkehr und Possehl-Stiftung.

Inga Marsch von der Stabsstelle Gesundheitsförderung der Stadt hat die alle zwei Jahre stattfindende Aktionswoche in Lübeck initiiert. „Wir können mehrere Hundert Besucher verzeichnen“, sagt Marsch.

Etwa 50 Schüler der elften Klassen sind zusammen mit den Lehrern Britta Zink und Andreas Schulze zum Volksfestplatz gekommen, um sich aus nächster Nähe und sehr praxisnah über die Auswirkungen von zu viel Alkohol schlau zu machen. Spezial bebrillt versucht eine kleine Gruppe von Schülern, sich gegenseitig einen Ball zuzuwerfen. Ein schwieriges Unterfangen, bei dem auch der Trick, nur mit einem Auge hinzusehen, immer wieder misslingt.

Peter Röhling, Geschäftsführer des Lübecker Vereins „Prävention erleben“, bittet die Schüler zu einem Test an einer kleinen Kugelbahn. Yanik Meyer setzt die Spezialbrille auf, diesmal ist es eine, die einen Promillewert von 1,3 vortäuschen soll. Auch der 17-Jährige verfehlt mit dem Becher die kleine Kugel, die über eine Spirale auf ein Holzbrett läuft. „Bei einer solchen Alkoholkonzentration ist kein gezieltes Sehen oder Greifen mehr möglich“, erklärt Röhling. Der Schüler zeigt sich beeindruckt. Sein Fazit: „Keine Sachen unter Alkoholeinfluss versuchen.“ Schon gar nicht Autofahren.

Wie sich das mit der aufgesetzten Rauschbrille anfühlt, erleben nicht nur die Schüler bei Fahrlehrer Henrik Wenskus. Auch Britta Zink setzt sich ans Steuer und versucht, durch den abgesteckten Parcours zu lenken, ohne die Hütchen umzufahren. „Aussichtslos“, sagen Cay Fischer und Ralf Esemann, die beiden Präventionsberater der Polizei, die das Geschehen betreuen. Anschaulich erklären sie den Jugendlichen die verheerende Wirkung von Alkohol im Straßenverkehr. Die Beamten zeigen auch Verhaltensänderungen nach dem Genuss von weniger als 0,2 Promille auf.

„Enthemmende Wirkung mit Steigerung der Redseligkeit“ steht auf einem Warnschild. Bereits ab einem Wert von 0,8 Promille komme es zu ersten Gleichgewichtsstörungen mit Einengung des Gesichtsfeldes, dem gefährlichen Tunnelblick.

Alkoholfrei entspannen können sich die Schüler bei fruchtigen Cocktails – und nachdenklicher Lektüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Alkohol macht unsportlich, schlapp, dick, aggressiv, dumm, unvorsichtig.“ Nicht ohne Grund heißt die lehrreiche Kampagne „Alkohol? Weniger ist besser“.

 Rüdiger Jacob

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