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Lübeck Mit der Transsib nach Ulan Bator
Lokales Lübeck Mit der Transsib nach Ulan Bator
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21:13 07.08.2017

9.09 Uhr. Der Nachtzug von Helsinki kommt im Leningrader Bahnhof in Moskau an. Als ich mit zunächst vier Taschen aus dem Zug komme, stolpere ich fast in mein eigenes Namensschild hinein. Luisa Rische. „Das bin ich“, erkläre ich dem jungen Russen mit schwarzen Stoppelhaaren, der das Schild mit beiden Händen vor der Brust hält und für meinen Transfer zum Yaroslavsky Bahnhof verantwortlich ist. Die Transsibirische Eisenbahn fährt um 23.55 Uhr ab.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Ich verbringe den Tag in Moskaus Innenstadt. Weil die Gepäckaufbewahrung des Bahnhofs pro Gepäckstück abkassiert, trage ich mein Zelt den ganzen Tag mit mir spazieren. Wir schlendern über den Roten Platz, vorbei an der Basilius-Kathedrale und am Kreml, durch das Auferstehungstor zum Alexandergarten, zur Manege und zurück zum Bolschoi-Theater. Die Polizei ist überpräsent. In allen öffentlichen Gebäuden gibt es Sicherheitskontrollen wie am Flughafen.

Mit der Metro fahre ich am Abend zurück zum Yaroslavsky Bahnhof, suche mir einen Gepäckwagen samt Fahrer und handle einen Pauschalpreis aus. Als der Zug im Bahnhof ankommt, bringen wir alles zu Waggon Nummer 7. Die Zugbegleiterin schaut mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, als sie mein Gepäck sieht. Eine zweite Zugbegleiterin kommt dazu. Sie unterhalten sich auf Russisch. Englisch kann keiner von ihnen. Ich erwarte das Schlimmste, dass sie mich in Moskau zurücklassen. Doch 15 Minuten später sitze ich in meinem Abteil, das Fahrrad über mir, Taschen und Räder unter den Liegen.

6266 Kilometer liegen vor mir. Die Eisenbahn ist ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert. Eine Zeitmaschine. Alles quietscht, klappert, ächzt, droht auseinanderzufallen. Die Klimaanlage bläst nicht stärker, als ein Kind pustet. Wenn der Zug bremst und die Waggons sich schwerfällig aufeinanderschieben, rollt ein Grollen durch den Zug, bis er steht. Dann sind die Toiletten abgeschlossen, denn die Spülung ist ein Fallrohr auf die Gleise – und wer will den ganzen Mist schon im Bahnhof haben?

Ich genieße die langen Tage im Zug. Die meiste Zeit schlafe ich. Es ist schon erstaunlich, wie der Körper innerhalb eines Tages von Iron Man auf Garfield umstellt. Wenn ich nicht schlafe, lese ich, esse, höre Hörbuch oder schaue hinaus und sehe die weite Landschaft Russlands vorbeiziehen. Nur ab und an sind dort draußen kleine Datschen zu sehen.

Mitfahrer kommen und gehen. Zuletzt, nachdem wir um den südlichen Teil des Baikalsees gefahren sind, steigen in Ulan Ude zwei Spanier und ein Brasilianer zu mir ins Abteil. José und José; den Namen des Brasilianers könnte ich nicht einmal mündlich wiedergeben. Wir tauschen uns tagsüber über unsere Reisen aus, am Abend geht es über die Grenze. So ziemlich jeder Reisende hat was anderes gehört, wie lange die Kontrollen dauern sollen. Von zwei bis zwölf Stunden ist alles mit dabei.

Die russische Kontrolle dauert 110 Minuten, die mongolische 115 Minuten. Anschließend versuchen wir, noch ein bisschen Schlaf zu finden, bevor uns die Zugbegleiterin um 5.50 Uhr Ortszeit aus den Betten holt. Aufwachen. Einpacken. Ankommen in Ulan Bator.

Luisa Rische

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