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Lübeck Mittsommer in den Fjorden
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18:21 08.07.2017
Bodø

Es ist Mittsommer. Wenn die Sonne die Nächte in Weiß kleidet, ist die nächste Dämmerung hinter dem Polarkreis noch Wochen entfernt. Mittsommer ist die alljährliche Feier dieser weißen Nächte und der Sommersonnenwende.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Als ich in Bodø ankomme und bei Hans Petter klingle, der mich in seinem Gästezimmer schlafen lässt, ist mir gar nicht klar, dass Mittsommer ist. Mein Couchsurfing-Gastgeber klärt mich auf und lädt mich ein, mit seiner Familie und ihm Mittsommer am Meer zu feiern. Es gibt Burger und Hot Dogs, Kartoffelsalat und Melone in den Dünen des Fjords. Die Sonne scheint die ganze Nacht, keine Wolke verdunkelt den Mittsommer. Mitternacht. Mittertag.

Die kommenden Tage vergrabe ich mich im Hostel in Bodø. Ankunftsort. Abfahrtsort. Transitzone. Mein Gewissen verfolgt mich nicht, während ich den ganzen Tag schlafe, esse und lese, Filme schaue, Hörbücher höre und jegliche Art der Kommunikation, außer der Digitalen, meide.

Die Fähre bringt mich drei Tage später zu einem der schönsten Orte der Welt, zu den Lofoten. In Moskenes fahre ich zunächst in die entgegengesetzte Richtung nach Å zum Anfang oder zum Ende der Straße der Lofoten und finde den Anfang oder das Ende eines Regenbogens. Er liegt geradewegs zu meinen Füßen. Nur ein kleiner Schritt und der Goldtopf der Leprechauns gehört mir. Ich verzichte auf das Gold und entscheide mich, weiter um die Welt zu fahren.

In der Hafenstadt Svolvær wartet Ruth auf mich. Wieder vereint. Wir schlagen unsere Zelte an der Längsseite einer Klippe auf. Auf der anderen Seite der Bucht liegt der Hafen; Kreuzfahrtschiffe, die Hurtigruten und Walbeobachtungsboote legen an und wieder ab. Wir bleiben. Zwei Tage. Und angeln uns einen Fisch. Wir versuchen es zumindest – nicht dass einer von uns Ahnung hätte. Der Köder bleibt in den Algen hängen. Und nun? Rein da, sage ich. Aber ich sehe unter Wasser ja gar nichts, wendet Ruth ein. Ich hole meine Taucherbrille aus dem Zelt und sie den Köder aus dem eisigen Meer. Der zweite Versuch endet wieder in den Algen. Dann eben kein fangfrischer Fisch Die Sonne weckt uns am nächsten Tag. Der Himmel ist blau, azurblau. Wir kehren in unsere Sättel zurück, fahren die Küsten der Lofoten entlang zur nächsten Fähre, zur nächsten Insel, zum nächsten Sandstrand. Pause. Seitdem wir uns getrennt haben, hatte keiner von uns Glück beim Containern. Die meisten waren abgeschlossen, die anderen leer. Das ändert sich, als wir wieder zusammen sind. In Melbu ist uns das Glück hold, die Container voll. Alles eingeschweißte, gute Lebensmittel.

Einen Tag später, in Sortland, trennen sich die Wege schon wieder. Ruth erwartet zwei Freunde auf den Lofoten und fährt wieder zurück. Ich will weiter nach Tromsø, um von dort mit einem Schiff der Hurtigruten zum Nordkap zu fahren. Bevor wir uns trennen, werden wir noch kreativ. Weil wir beide nur ein geringes Tagesbudget haben und uns täglich Menschen bewundernd ansprechen, basteln wir Schilder: „Globetrotter happy about food, bed or shower“. Die Schilder wollen wir bei Gelegenheit an unsere Räder klemmen.

Die zweite Trennung fällt so schwer wie die erste. Ich werde noch auf viele Reisebegleiter stoßen. Doch Ruth bleibt meine erste Begegnung, die wichtigste. Sie hat mir gezeigt, dass wildes Zelten ein großer Spaß sein kann, sie hat mich gelehrt nicht am Kochen zu verzweifeln und meine Ausgaben gering zu halten. Allein breche ich zur Insel Senja auf – zukünftige Radreisen zu zweit nicht ausgeschlossen.

Luisa Rische

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