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Lübeck Mobilfunk verdrängt letzte Telefonzellen
Lokales Lübeck Mobilfunk verdrängt letzte Telefonzellen
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09:09 23.10.2013
In der Trendelenburgstraße wird ein ausgedientes Telefonhäuschen abtransportiert. Quelle: Fotos: Kröger (2), Schüch (3)
Lübeck

Der Hörer hängt herunter, die Scheiben sind zerkratzt, und ein Telefonbuch gibt es in dem kleinen Häuschen schon lange nicht mehr. Die Tage der Telefonzelle in der Friedrichstraße sind gezählt. Der klassische öffentliche Fernsprecher in einer Kabine mit Münzeinwurf — ein Auslaufmodell.

„Wir haben noch etwa 50 000 öffentliche Telefonstationen in Deutschland“, sagt Stefanie Halle, Sprecherin der Deutschen Telekom. Vor gerade mal acht Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele.

„Die Telekom ist ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen“, so Halle. „Da wird überprüft, ob sich einzelne Telefonzellen noch rentieren.“ Wie viele Telefonzellen noch in Lübeck stehen, weiß die Telekom zwar, will diese Information aber nicht veröffentlichen. Die Stadt kann die Zahlen der Telefonzellen in Lübeck nicht beziffern. Fest steht aber: Auch Lübeck liegt im allgemeinen Trend.

Walderseestraße, Kanalstraße, Wendische Straße, Lindenteller, Falkenstraße, Moislinger Allee: Für viele Telefonzellenstandorte ist schon Schluss. Den Apparaten wurde jetzt der Strom abgedreht, sie werden nach und nach abgebaut und entsorgt.

Durchschnittlich rund 100 Euro Unterhaltungskosten verursacht eine Telefonzelle nach Telekom-Angaben im Monat. Wenn der monatliche Umsatz aber nur noch ein paar Euro beträgt, wird geprüft, ob der öffentliche Fernsprecher entfernt werden darf. Da es nach dem Telekommunikationsgesetz jedoch Anspruch auf eine Grundversorgung im Bereich öffentliche Telefonie gibt, geschieht dies nur in Abstimmung mit der betroffenen Stadt oder Kommune unter Begleitung der Bundesnetzagentur. „Abbau und Umbau müssen immer von der Bauverwaltung geprüft und dann abgesprochen werden“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. „Es wird sehr darauf geachtet, ob die Telefonzelle an entsprechenden Standorten noch gebraucht wird. Und wenn ja, kann ein Veto gegen den Abbau eingelegt werden.“ Geschieht dies, kann die Telekom die Telefonzelle gegen ein sogenanntes Basistelefon austauschen. Das hat keine Kabine, keine Verkleidung und benötigt im Gegensatz zu den Münzapparaten keinen Stromanschluss, weil es nur mit Telefon- oder Geldkarte bedient werden kann. Es ist also wesentlich kostengünstiger im Unterhalt.

Wie der Jahresbericht der Bundesnetzagentur zeigt, ist die Gesamtanzahl der Gesprächsminuten im Festnetz in den vergangenen fünf Jahren um über zehn Prozent gesunken. Dafür hat sich die Kommunikation ins Mobilfunknetz verlagert: 90 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre besitzen inzwischen ein Handy oder Smartphone, das zeigt eine Erhebung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). „Auch Senioren haben in den vergangenen Jahren beim Handy-Besitz stark aufgeholt“, sagt Bitkom- Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Inzwischen besäßen über zwei Drittel der Bundesbürger ab 65 Jahren ein Mobiltelefon. In der jungen und mittleren Altersgruppe hätten hingegen 97 Prozent ein Handy.

„Ich habe noch nie eine Telefonzelle benutzt“, sagt Svenja Fink. Seit zwei Jahren besitzt die 15-Jährige ein Handy. Die Zeiten, in denen die Mutter ihren Kindern noch zwei Groschen oder eine Telefonkarte mitgab, damit die Heranwachsenden im Notfall vom öffentlichen Telefon aus zu Hause anrufen konnten, sind vorbei. „Manchmal braucht man noch eine Telefonzelle, wenn der Akku leer ist oder man keinen Empfang hat“, sagt Jakob Abdallah (28). „Aber die sind dann auch schwer zu finden.“

Doch an Stellen mit viel Publikumsverkehr gibt es sie noch: ein magentafarbener Hörer, daneben ein großer Touchscreen. Telefonieren, SMS und E-Mail verschicken, im Internet surfen — das kann man in dem kleinen Unterstand in der Markttwiete am Rathaus. Die moderne Telefonzelle ist längst nicht mehr zum Telefonieren da, sondern ist fast wie ein kleines Internetcafé, das sich auf den Nutzer einstellt, dessen mobiles Telefon entweder gerade keinen Empfang hat oder bei dem der Akku leer ist. Doch auch hier stellt sich die Frage, wie lange sich diese Geräte noch lohnen. „Aber es ist wichtig, dass es die noch gibt“, meint Ursula Kornitzer. Die 76-Jährige besitzt selbst kein Handy, denkt aber vor allem an Lübecks Touristen: „Die ganzen Besucher, die von weit her kommen, brauchen unterwegs doch noch eine Möglichkeit zum Kommunizieren.“

Fernsprecher im Wandel
1881 wird die weltweit erste Fernsprecheranlage in Berlin eingerichtet.

1946 wird einheitliches Gelb als Farbe für Telefonzellen vorgeschrieben. Mitte der 90er Jahre folgt die Umstellung auf die Farben Weiß und Magenta.

1983 werden Kartentelefone sowie barrierefreie Telefonzellen eingerichtet.

2007 gibt es Multimedia-Terminals, von denen auch E-Mails verschickt werden können.

Lena Schüch

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