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Lübeck Modellprojekt: Kita-Kinder lernen die Schule kennen
Lokales Lübeck Modellprojekt: Kita-Kinder lernen die Schule kennen
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00:00 12.11.2011
Efecan (6) und Angelina (5) und die anderen Kita-Kinder haben Spaß am Schulunterricht. Im Hintergrund Bildungsminster Ekkehard Klug; Schulsenatorin Annette Borns und Renate Menken, Vorsitzende der Possehl-Stiftung. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Heinrich-Mann-Schule in Moisling: Lehrerin Ann-Kristin Lorenz (28) hat eine sehr anspruchsvolle pädagogische Aufgabe. Sie unterrichtet gleichzeitig 19 Erst- und Zweitklässler im Alter von sechs bis acht Jahren und sieben Kindergartenkinder im Alter von fünf Jahren, die erst im kommenden Jahr eingeschult werden. Auf den Stundenplan steht Verkehrserziehung. „Wie viele Ecken hat dieses Schild“, fragt die Lehrerin ein Mädchen aus dem Kindergarten am Brüder-Grimm-Ring und deutet auf eines der zahlreichen Verkehrsschilder an der Tafel. „Drei“, antwortet die Fünfjährige schüchtern, aber völlig korrekt.

Das vom Land geförderte Vorschulprojekt mit Kindergartenkindern, die liebevoll „Schulminis“ genannt werden, findet außer in Lübeck nur noch im Kreis Dithmarschen statt. Der Modellversuch „Gemeinsam ankommen“ soll Schwellenängste abbauen und den Übergang vom Kindergarten zur Schule fließend gestalten. Schule soll Spaß machen und nicht Angst wecken. In Lübeck beteiligen sich 16 Grundschulen und 48 Kindertagesstätten an dem zunächst dreijährigen Modellversuch. Damit können 40 Prozent aller Vorschulkinder in Lübeck ein Jahr vor dem „Ernst des Lebens“ Schulluft schnuppern.

Lübeck erhält vom Land jährlich 100 000 Euro für das Projekt, die Lübecker Possehl-Stiftung unterstützt „Gemeinsam ankommen“ in den nächsten zwei Jahren mit jährlich 180 000 Euro.

Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) zeigte sich gestern bei Gesprächen mit Kindergarten-Erzieherinnen und Grundschullehrern in der Heinrich-Mann-Schule begeistert von dem Modellversuch. Er hob hervor, wie wichtig „der Übergang von der Kita zur Grundschule für die Bildungsbiografie von Kindern ist“. Die Zusammenarbeit mit der Possehl-Stiftung und deren finanzielles Engagement würden es ermöglichen, „wesentlich mehr Kitas und Schulen zu fördern als ursprünglich gedacht“. Das Projekt greife die „Sorgen und Ängste der Kinder auf und führe sie an die Schule heran. Klug: „Außerdem erhalten die Kindergartenkinder eine vertiefte Förderung in den Schwerpunkten Sprache, Motorik, Sozialverhalten und Lernverhalten.“

In Moisling kooperieren die Heinrich-Mann-Schule mit den Kindertagesstätten Moislinger Berg, Brüder-Grimm-Ring und der Kita „Irgendwie anders“ am Andersenring, die Mühlenweg-Schule arbeitet mit den evangelischen Kitas Wichern I und II und der katholischen Kita St. Franziskus zusammen und die Schule Niendorf hat eine Partnerschaft mit der Kita Niendorf. Insgesamt 100 Kinder erhalten in dem Stadtteil einen Vorgeschmack auf die Schule. Einmal im Jahr werden die Ergebnisse des Modellversuchs von Schulrat Gustav Dreier und Beatrix Hahner („Lernen vor Ort“) unter die Lupe genommen.

„Wir wünschen uns, dass der Vorschulunterricht zum Bestandteil der Grundschulen wird“, sagte Nathalie Brüggen von der Possehl-Stiftung. „Wir müssen die Grenzen zwischen Kitas und Schulen aufbrechen“, unterstrich Schulsenatorin Annette Borns (SPD), und Renate Menken, Vorstandsvorsitzende der Possehl-Stiftung betonte, ihre Stiftung unterstütze Projekte „die Menschen voranbringen“. Die Stiftung sei „von der Hoffnung getragen, dass der Modellversuch ins Schulsystem überführt wird“.

Hannelore Martin, Leiterin der Kindertagesstätte Moislinger Berg, sieht erste Erfolge. Seit April gehen ihre Kindergartenkinder einmal in der Woche zur Schule: „Die Kinder sind jetzt mutiger und selbstbewusster.“ Petra Nittscher, Leiterin der Kita am Brüder-Grimm-Ring, sieht das genauso: „Das Selbstwertgefühl der Kinder ist deutlich gestärkt worden“. Die Kinder ihrer Kita besuchen schon seit Oktober 2010 einmal wöchentlich die Heinrich-Mann-Schule.

Torsten Teichmann

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