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Lübeck Mövenstein-Bergung teurer als erwartet
Lokales Lübeck Mövenstein-Bergung teurer als erwartet
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22:46 11.02.2014
Die Baustoffprüfer Michael Meier (l.) und Nikoden Misiuda des Ingenieurbüros Reinberg entnehmen Bodenproben auf der Wiese des Lübecker Yacht-Clubs. Im Hintergrund (v. l.) Siegfried Austel, Horst Eichner und Jürgen Berthold. Quelle: Fotos: Karl Erhard Vögele, Wolfgang Maxwitat
Travemünde

Laut knattert der Motor des Wackerhammers, als er das stählerne Sondiergestänge für die Bodenproben in die Erde treibt. Fünf Meter tief gehen die Bohrungen des Ingenieurbüros Reinberg. Der Stahlstab windet sich durch Mutterboden, aufgespülten Sand — und dann ist plötzlich Schluss. „Jetzt sind wir auf Geschiebemergel eiszeitlichen Ursprungs gestoßen“, sagt Jürgen Berthold, Ingenieur für Grundbau und Bodenmechanik. „Das sind gute Nachrichten, denn das Sediment ist steinhart und sehr tragfähig.“

Die Vorbereitungen zur Mövenstein-Bergung in Travemünde sind in vollem Gange: Insgesamt sechs Sondierungsbohrungen auf dem Gelände des Lübecker Yacht- Clubs und am Ende des Grünstrandes auf der Höhe des Piratennestes brachten gestern für die Initiatoren gute und schlechte Neuigkeiten. Die gute Nachricht: Der 600 Tonnen schwere Teleskop-Kran mit einem 25-Meter-Ausleger hat am Bergungs- und Ablageort genug Standfestigkeit. „Wir mussten sichergehen, dass die Pratzen des Krans bei der Bergung nicht einsinken können“, sagt Berthold. Schon bei wenigen Zentimetern würde die Hydraulik des Kranes streiken — oder er könne umkippen.

Die schlechte Nachricht an diesem Vormittag: Die Kosten für die Bergung des sagenumwobenen Travemünder Mövensteins werden sich voraussichtlich verdoppeln.

Willi Altenburg von der Initiative „Rettet den Mövenstein“ des Heimatvereins Travemünde hatte vor knapp drei Jahren die Idee, den Eiszeit-Findling aus der Versenkung zu holen. „Die Pläne für die neue Strandpromenade berücksichtigten ihn nicht“, erzählt der 71-Jährige. „Wir müssen handeln, wenn der Findling in 30 bis 40 Jahren nicht ganz verschwunden sein soll.“ Der Steinriese aus Hammergranit ist derzeit Teil eines Wellenbrecher-Dammes am Übergang der Strandpromenade zum Brodtener Ufer. Mittlerweile ist er so weit im Sand versunken, dass er bei normalem Wasserstand nur noch zu zwei Fünfteln aus der Ostsee ragt. Auf mehr als 100 Jahre alten Postkarten hingegen liegt er frei am Ufer. Die Pläne des Heimatvereins sehen nun vor, dass das deklarierte lübsche Naturdenkmal aus dem Wasser an Land gehoben und auf einen Tieflader verladen wird. Schließlich soll er zum Ausgangspunkt eines Geo-Lehrpfades am Grünstrand werden.

Die Kosten dafür sollten ursprünglich zwischen 40 000 und 50 000 Euro betragen. Rund 30 000 Euro an Spenden kamen schon zusammen — darunter 20 000 Euro von der Possehl-Stiftung. Doch nun wird die Bergung wahrscheinlich teurer als gedacht. Denn der 1,3 Milliarden Jahre alte Koloss ist mit rund 80 Tonnen schwerer als angenommen. Er hat einen Durchmesser von fünf Metern und ist bis zu drei Metern dick. Laut Bauingenieur Berthold liegt der Stein im wassergesättigten Sand — und man habe die Saugwirkung unterschätzt, so dass ihn der Kran vielleicht gar nicht herausheben könne.

„Deshalb müssen wir um den Stein herum Spundwände errichten, das Wasser abpumpen und den Sand entfernen, um den Findling freizulegen“, sagt er. Unterhalb des Steines würde dann ein Netzkorsett gespannt, mit dem der Koloss gehoben werden kann.

Anfang März werden die Mövenstein-Freunde sich mit Ingenieuren und Statikern zusammensetzen, um die Gutachten zu besprechen und neu zu kalkulieren. Doch dass die Bergung teurer wird als erwartet, ist nahezu sicher. „Ich habe viele Personen erneut angesprochen, doch bisher sind keine weiteren Spenden in Sicht“, erzählt Altenburg besorgt. „Doch wir bleiben zuversichtlich, dass das Vorhaben bis Herbst 2014 gelingt.“

Spender gesucht
Der Findling ist nach dem Riesen Möves benannt, der einer Sage nach vor Travemünde Steine ins Meer warf. Ein literarisches Denkmal wurde dem Stein in Thomas Manns „Buddenbrooks“
gesetzt.



Geld für die Bergung können auf das Konto des Heimatvereins Travemünde bei der Volksbank Travemünde, Spendenkonto 32 44 47 10, BLZ 23 09 01 42 (Verwendungszweck „Mövenstein“) überwiesen werden.

Janine Richter

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