Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Moorlandschaft statt Liegewiese
Lokales Lübeck Moorlandschaft statt Liegewiese
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:09 10.11.2017
Die Pfütze ist immer da: Natalie Abt kann mit ihren beiden Söhnen Fedor (im Arm) und Eduard den Park nicht durchqueren. Quelle: Fotos: Felix König
St. Jürgen

Die Erde saugt die Gummistiefel praktisch ein: Mit einem Schmatzen kann der Fuß wieder aus dem Boden gezogen werden. Die Grünfläche im Carlebach-Park im Hochschulstadtteil ist durchtränkt von Wasser – und auch die Wege sind überflutet. Da sich die Wiese zur Mitte hin absenkt, hat sich hier schon ein richtiger See gebildet. Zwar gibt es überall große Gullys, doch die können das ganze Wasser gar nicht mehr aufnehmen. Gerade noch mit Gummistiefeln kann man trockenen Fußes auf die andere Seite gelangen.

Der Carlebach-Park soll eine grüne Liegewiese im Hochschulstadtteil sein. Bei Regen verwandelt er sich allerdings in eine Moorlandschaft. Das Regenwasser soll zwar eigentlich auf den Grünflächen versickern. Parkwege und Rasenflächen sind aber regelmäßig überflutet.

„Das ist ein richtiges Moorgebiet.Uwe Marquardt, Anwohner

Uwe Marquardt steht vor der gigantischen Regenpfütze. Der 63-Jährige wohnt seit drei Jahren im Hochschulstadtteil, nur ein paar Meter vom Carlebach-Park entfernt. „Das ist schon ein richtiges Moor hier“, sagt er. Gerade der nasse Sommer habe dem Park ordentlich zugesetzt. „Er war fast sieben Monate durchgehend unter Wasser.“ Und das sieht man auch: Der Rasen an den nassen Stellen ist viel dunkler und höher gewachsen als auf der restlichen Fläche. Die Grashügel schauen wie kleine Inseln aus der überfluteten Fläche. In den Wasserpfützen auf den Wegen gammeln Blätter langsam vor sich hin. Marquardt findet das schade. Er würde den Park gerne zum Spazierengehen nutzen. Mit seiner Enkeltochter kommt er wegen der vielen Spielplätze hierher. „Aber mit trockenen Füßen kann man den Park nicht durchqueren.“ Um auf die andere Seite zu gelangen, müsse er deswegen immer einen großen Umweg machen.

Der Rentner hat sich schon bei der Stadt beschwert. Scherzhaft habe er sogar um eine Brücke gebeten. „Die haben mir nur gesagt, dass unter der Grünfläche ein Überlaufbecken ist.“ Unternommen wurde nichts weiter. Ralf Schott, Leiter vom Bereich Stadtgrün und Verkehr, kennt das Problem und weiß, warum der Park regelmäßig überflutet: „Der Carlebach-Park wurde angelegt, damit hier das Regenwasser aus dem Stadtteil versickern kann.“ Es ist sozusagen gewollt, dass sich das Wasser hier sammelt.

Bevor der Hochschulstadtteil gebaut wurde, versickerte das Wasser auf den Äckern und Wiesen. Nach der Bebauung mussten erst Gräben gebaut werden, um das Wasser abfließen zu lassen. Aber nicht das komplette Regenwasser könne in die Gräben geleitet werden, sagt Schott. „Dafür bräuchten wir größere Rückhaltebecken. Das übrige Wasser soll auf den Grünflächen versickern. Das dauert eben.“ Da könne es schon einmal passieren, dass auch der Gehweg unter Wasser steht. Im Moment gebe es keine andere Lösung.

„Das ist doch kein Zustand hier“, beschwert sich Marquardt. Und damit ist er nicht alleine: Friederike Neerdaels-Teschke leitet einen Kindergarten in der Nähe vom Park. Sie findet die Situation ärgerlich, denn eigentlich sind feste „Parktage“ mit den größeren Kindern eingeplant. „Die fallen manchmal buchstäblich ins Wasser.“ Direkt am Park steht ein Schild: „Liegewiese, Barfußlaufen erwünscht“. Das Liegen auf der Wiese endet derzeit in einem Schlammbad – und Barfußlaufen muss man sogar, wenn man seine Schuhe trocken auf die andere Seite transportieren möchte.

 Saskia Hassink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!