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Lübeck Mord an Lübecker Autohändler: Fall nach 21 Jahren gelöst
Lokales Lübeck Mord an Lübecker Autohändler: Fall nach 21 Jahren gelöst
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11:20 28.05.2016
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Lübeck

Spektakuläre Aufklärung eines brutalen Gewaltverbrechens: Fast 21 Jahre nachdem der tunesische Autohändler Hamadi K. in der Nacht zum 3. Juli 1995 in seiner Lübecker Wohnung erstochen worden war, sind jetzt die mutmaßlichen Täter gefasst worden. Die litauische Polizei hat in Klaipeda einen 42 Jahre alten Verdächtigen gefasst. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Danach gab es auch in Irland die Festnahme eines weiteren Tatverdächtigen.

„Es ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Lübeck“, sagte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst gestern den LN. „Im Wege der internationalen Rechtshilfe werden wir jetzt die Auslieferung der beiden Beschuldigten beantragen.“ Nun müssten Obergerichte in Litauen und Irland entscheiden, ob dem Auslieferungsantrag aus Lübeck stattgegeben wird. „Wir hoffen, dass in einigen Wochen darüber entschieden ist“, so Hingst, aber zur genauen Dauer des Verfahrens könne man natürlich keine Angaben machen. Kommt es zur Auslieferung der beiden Tatverdächtigen, würden sie in die Justizvollzugsanstalt Lübeck in Untersuchungshaft gebracht, dann würde ihnen in Lübeck der Prozess gemacht.

Ein elektronischer DNA- Abgleich brachte die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Täters aus Litauen. Die dortige Polizei hatte bei dem 42-Jährigen eine DNA-Probe entnommen. Beim Abgleich mit den internationalen Datenbanken wurde die Übereinstimmung mit dem in Lübeck Gesuchten festgestellt.
Der Autohändler Hamadi K. war am 3. Juli 1995 in seiner Erdgeschoss-Wohnung in der Lübecker Schützenstraße, Ecke Töpferweg, tot aufgefunden worden. Die gerichtsmedizinische Untersuchung in der Medizinischen Universität Lübeck hatte ergeben, dass der damals 43-jährige Tunesier infolge zahlreicher Einstiche in den Oberkörper verblutet war. Kurz nach Mitternacht waren Mitbewohner Hamadi K.s von einem lautstarken Streit geweckt worden.
Kurz danach soll ein Motorrad davongefahren sein. Gegen 9 Uhr morgens habe dann ein Freund des Getöteten die Leiche entdeckt. Als die Polizei eintraf, fand sie verwüstete Wohnung vor, Schränke und Schubladen standen offen. Auch eine große Geldmenge soll damals gestohlen worden sein. Die Ermittler gingen von zwei Tätern aus. Hamadi K. hatte sich kurze Zeit vorher als Autohändler in Pönitz am See (Kreis Ostholstein) selbstständig gemacht. Die Frau und die beiden Söhne des Getöteten waren zum Zeitpunkt der Tat in Tunesien im Urlaub gewesen, Hamadi K. hatte nachkommen wollen.
Nun scheint der Fall endlich aufgeklärt zu sein. Der in Klaipeda Festgenommene sei früher bereits wegen eines kleineren Vergehens verurteilt worden und zwischenzeitlich rund zwölf Jahre lang in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden, teilten die litauischen Behörden mit. Der zweite Verdächtige soll seit längerer Zeit in Irland leben, hieß es.

„Es ist nicht der erste Altfall, der auf diese Weise geklärt werden konnte“, sagte Oberstaatsanwältin Hingst. Vor Jahren habe auch ein Tötungsdelikt in Ahrensburg aufgeklärt werden können. Dennoch sei dieser Fall schon „sehr ungewöhnlich“, sagte sie.

Christian Risch

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