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Lübeck Mordprozess: Verlobte hält zu Norman L.
Lokales Lübeck Mordprozess: Verlobte hält zu Norman L.
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15:51 05.11.2013
Norman L. soll die Lübeckerin Anna-Lena U. ermordet haben - er schweigt zu den Vorwürfen. Seine Verlobte hält zu ihm. Quelle: Olaf Malzahn
Schwerin

Wer ist dieser Norman L., der weiterhin so eisern schweigt? Um diese Frage geht es auch gestern im Prozess im Mordfall Anna-Lena U. vor dem Schweriner Landgericht. Als Zeugin sagt erstmals Daniela E., die Lebensgefährtin des Angeklagten und Mutter seiner vier Kinder aus.

Gleich zu Beginn ihrer Vernehmung, die den ganzen Prozesstag in Anspruch nehmen wird, macht die 35-Jährige deutlich: „Ich halte zu meinem Mann — und ich werde das auch ewig tun.“ Dass die 29-jährige Anna-Lena U. sterben musste, tue ihr leid. Sie glaube aber nicht, dass „Herr L.“, wie sie ihn während des Prozesses nennt, etwas damit zu tun habe.

Das Gespräch, das E. mit dem Angeklagten in der Untersuchungshaft darüber führte, währte aber nur kurz. „Ich habe ihn gefragt, was da passiert ist. Darauf hat er nur geantwortet, dass er es nicht weiß. Und das glaube ich ihm auch, denn er hat mir dabei in die Augen gesehen“, sagt die Lübeckerin entschieden.

Nicht nur bei dieser Aussage sprechen die Gesichter der Prozessbeteiligten und -beobachter Bände. Denn Daniela E. tritt mit einem Glaubwürdigkeitsproblem vor der Großen Strafkammer an: Bei ihrer ersten Vernehmung durch die Polizei hatte sie geleugnet, das Butterfly-Messer, mit dem Anna-Lena U. ermordet wurde, zu kennen. Eine Falschaussage, wie sie ihrer Familienhelferin im Anschluss offenbarte. „Aus Angst, ich könnte in was verwickelt werden“, erklärt E. gestern vor Gericht.

Dass Norman L. seine Kinder brutal misshandelt haben soll, wie es eine Familienhelferin und ein Freund des Angeklagten ausgesagt haben, sei „eine Lüge“, echauffiert sie sich. Bestenfalls habe es „einen normalen Arschvoll gegeben“, erklärt sie der Kammer. Zumal die Kinder auch mal „nach Schlägen geschrien“ hätten.

Überhaupt scheint Daniela E. bemüht zu sein, jedwede belastende Aussage gegen ihren Verlobten zu vermeiden, rückt ihn permanent in gutes Licht, macht für jegliche Schwierigkeiten, die es in ihrer Beziehung zu gab, alle außer ihn verantwortlich. Ihre Mutter, die sich ständig eingemischt habe, die Freunde, die mit ihm „nicht klarkamen“, die Kinder, die provoziert hätten und sogar sich selbst.

Ein Beispieldialog:

Richter Robert Piepel: „Ist Herr L. manchmal jähzornig gewesen?“

Daniela E. „Also ja, das war normal, wir waren beide manchmal sehr jähzornig.“

Richter: „Okay. Jetzt reden wir aber nur über ihn.“

E.: „Na ja eigentlich war er eher immer der Ruhige von uns beiden. . .“

Überraschend kommt auch eine weitere Aussage von Daniela E.: Am Nachmittag des 7. Juli, der Tag des Mordes, sei L. bei ihr vorbeigekommen und habe „ganz entspannt auf der Terrasse gesessen, geraucht und ein paar Bier getrunken“, schildert E.. In ihrer polizeilichen Vernehmung hatte sie hingegen noch ausgeschlossen, L. an diesem Tag gesehen zu haben.

Zu diesem Zeitpunkt waren Norman L. und Daniela E. eigentlich getrennt. Zwar lebten die beiden schon seit einem Jahr in getrennten Wohnungen. Nach „dummen Sprüchen“ von ihm habe sie am 19. Juni die Verlobung dann endgültig gelöst, ihm das aber nicht persönlich mitgeteilt, sondern die Tochter (12) als Botin beauftragt. Ob diese Nachricht damals bei ihm ankam, bleibt vorerst offen. Inzwischen sind beide wieder ein Paar.

Das Verfahren
23 Zeugen sollen in dem auf zehn Tage angesetzten Prozess gehört werden. Ein Urteil ist für den 8. Januar geplant. Die Beteiligten:
Robert Piepel, Vorsitzender Richter der 2. Großen Strafkammer Schwerin
Jörg Seifert, Staatsanwalt, Schwerin
Henning Heintzenberg, Anwalt der Opfer-Familie (Nebenklage), Lübeck
Jörn Gaebell, Verteidiger, Schwerin
Dr. Raphaela Basdekis-Jozsa, Sexualmedizinerin/Forensikerin, Hamburg
Dr. Fred Zack, Rechtsmediziner, Rostock

Oliver Vogt

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