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Lübeck MuK-Desaster: Saxe spricht von Hiobsbotschaft
Lokales Lübeck MuK-Desaster: Saxe spricht von Hiobsbotschaft
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21:03 11.12.2015
Betretene Gesichter bei der Überbringung der Hiobsbotschaft: Ilona Jarabek, Bernd Saxe, Franz-Peter Boden und Dennis Blunk. Quelle: Maxwitat
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Lübeck

Was hat die Musik- und Kongresshalle (MuK) mit einem alten VW-Käfer gemeinsam? Wenn die Gummidichtungen an den Fenstern über Jahrzehnte nicht erneuert werden, läuft Wasser durch. „Die Dichtungen haben ihren Dienst quittiert“, erklärt Bausena tor Franz-Peter Boden (SPD).

Genauso wie die Platten an der Fassade, die herunterfallen, weil sich Dübel und Schrauben auflösen. Oder Haken an der Decke hängen, die viel zu große Lasten tragen. Die MuK ist ein Sanierungsfall – aber was für einer. 22,3 Millionen Euro kostet die Runderneuerung bis Ende 2018. Ob die Politiker das absegnen, steht derzeit in den Sternen.

5. Dezember 2015: Veranstalter bleiben der MuK treu

26. November 2015: Bürgerschaft legt die MuK-Millionen auf Eis - Bürgermeister soll erst alle Zahlen vorlegen

25. November 2015: CDU, FDP, BfL wollen Aus der MuK prüfen

19. November 2015: Lang Lang spielt nicht - Erste Konzertabsage in der MuK

18. November 2015: Konzertsaal bis 2017 gesperrt - Sanierung kostet sechs Millionen Euro

12. November 2015: Sorgen bei der MuK: Durch den gesperrten Konzertsaal sinken die Einnahmen

4. November 2015: Intendant des Schleswig-Holstein Musik-Festivals: Der gesperrte Muk-Saal ist eine "Katastrophe"

30. September 2015: Bautechnische Untersuchung: Konzertsaal der MuK geschlossen

„Bis Ende Januar muss der Bürgermeister ein Finanzierungskonzept vorlegen“, fordert CDU-Frak tionschef Andreas Zander. „Vage Aussagen, dass man das Land und Stiftungen um Hilfe bittet, reichen nicht.“ Sollte Saxe keine festen Finanzzusagen präsentieren, „können wir der MuK-Sanierung nicht zustimmen“, sagt Zander. Die CDU hat bereits Ende November zusammen mit Grünen, FDP, BfL und einem Politiker der Partei-Piraten die sechs Millionen Euro teure Sanierung des MuK-Konzertsaals auf Eis gelegt.
„Es war goldrichtig, die Gelder zu sperren“, fühlt sich Grünen- Fraktionschef Thorsten Fürter durch die neueste Kostenschätzung bestätigt. Der Löwenanteil der Sanierungskosten dürfe nicht bei der Stadt hängenbleiben, sieht Fürter vor allem das Land in der Pflicht. „Wenn die Mittel vom Land ausbleiben, gibt es keine Sanierung“, sagt der Grünen-Politiker. „Dann müssen wir einen anderen Saal in der Stadt mit weniger Geld entsprechend ausstatten.“
Thomas Rathcke sieht keine Chance, die 22,3 Millionen Euro über den Lübecker Haushalt abzuwickeln. Auch die Liberalen wollen bis Ende Januar vom Bürgermeister definitiv wissen, wie viel Geld es vom Land und von den Stiftungen gibt. Rathcke: „Sonst greift Plan B.“ Der hat zwei Varianten: Die Stadt verkauft die MuK für einen symbolischen Euro an einen privaten Investor, der die Instandsetzung macht und die MuK als kulturelle Spielstätte erhält. Rathcke: „Finden wir keinen Investor, müssen wir über eine Stilllegung der MuK nachdenken.“
Die Linken dagegen wollen die MuK unbedingt erhalten. „Wir stehen zu dieser für Lübeck wichtigen, kulturellen Einrichtung“, sagt Fraktionsvize Ragnar Lüttke. Allerdings wollen sich die Linken die einzelnen Sanierungsmaßnahmen noch einmal genau anschauen. „Wir werden uns auf keinen Fall von der MuK verabschieden“, erklärt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Die Kongresshalle sei wichtig für Kultur und Hotellerie in Lübeck. Die jetzige Gesamtschau aller Sanierungskosten sei ein richtiger, erster Schritt. Lindenau verweist darauf, dass die Sanierung in mehreren Abschnitten erfolgen wird. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) will die Finanzierung der MuK-Sanierung über vier Jahre strecken. Außerdem bittet die Stadt das Land um Förderung. Auch an die Stiftungen werde man herantreten, sagt der Verwaltungschef. An der Hansestadt würden dennoch deutlich über 50 Prozent der Gesamtsumme hängenbleiben. Saxe erneuerte sein Versprechen, dass keine Schule, Straße oder Brücke wegen der MuK nicht repariert würde. Die Politiker hätten die Mittel für die Bauunterhaltung aufgestockt, außerdem habe Lübeck über 15 Millionen Euro an Bundesmitteln für Schul- und Kita- Sanierungen eingeworben.
Aktuell prüft das Rechtsamt, ob der Generalunternehmer von vor 21 Jahren zur Kasse gebeten werden kann. In Kürze erwartet Saxe ein Rechtsgutachten. Bausenator Boden macht wenig Hoffnung, weil Regressansprüche nach mehr als 20 Jahren schwer durchzusetzen seien. Die Verwaltung sucht seit Wochen die über 400 Akten zum MuK-Bau zusammen. Nicht alle sind auffindbar, manche wurden schon vernichtet. Das sei nicht ungewöhnlich, so Saxe: „Wir ersaufen in alten Akten.“

Kai Dordowksy

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