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Lübeck Neustart für Lübecks Völkerkunde-Museum
Lokales Lübeck Neustart für Lübecks Völkerkunde-Museum
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13:21 13.11.2018
Die Völkerkunde-Sammlung soll wieder ein eigenes Museum bekommen. Quelle: Tim Jelonnek
Lübeck

Historische Entscheidung: Die Völkerkunde-Sammlung soll wieder ein neues Museum bekommen – nach elf Jahren. Denn 2007 hat die Bürgerschaft das Museum im Zeughaus am Dom geschlossen. Aus Geldnot. Diesen Beschluss hat der Kulturausschuss jetzt rückgängig gemacht – mit den Stimmen aller Fraktionen. Allerdings: Die Bürgerschaft muss diese Entscheidung noch absegnen, voraussichtlich Ende des Monats.

Ein Zuhause für die Völkerkunde

„Die Bedeutung der Sammlung ist offenkundig“, macht der Vorsitzende des Kulturausschusses, Wolfgang Neskovic (Unabhängige), in der Sitzung am Montagabend klar. Gut 26 000 Objekte umfasst die Sammlung. „Die Völkerkunde war lange Zeit Stiefkind der Politik.“ Es werde Zeit, das zu ändern. Einen neuen Ort, ein neues Konzept, ein neuer Name – das fordern die Kulturpolitiker. „Das ist ein Meilenstein“, freut sich Lars Frühsorge, neuer Leiter der Sammlung. Er hofft, „dass der Beschluss auch durch die Bürgerschaft kommt“.

Wer konzipiert das neue Museum?

Dennoch wird lange im Ausschuss diskutiert: Zwar wollen alle dasselbe, aber das „Wie“ ist strittig. Soll die Verwaltung zuerst ein Konzept für das neue Völkerkunde-Museum erstellen – und die Politiker schauen es sich danach an. Oder andersherum. Dann würden erst die Politiker mithilfe von Experten ein Konzept erstellen – und die Verwaltung setzt es danach um. Das ist der Kern der Frage, über den die Kulturpolitiker länger als eine Dreiviertelstunde debattieren.

„Das geht mir etwas zu weit“, sagt Lars Rottloff, kulturpolitischer Sprecher der CDU. Ein Konzept zu erarbeiten sei Aufgabe der Verwaltung. „Dann heißt es wieder, friss oder stirb’“, kontert Neskovic. „Aber das erarbeiten eines Vorschlags ist der Job der Verwaltung“, entgegnet Rottloff. „Wir wollen aber nicht ein Konzept abnicken“, argumentiert Neskovic. Er fordert: „Wir sollten als Politik einen Vorschlag machen, die Verwaltung macht die Feinarbeit.“ Aber wenn man sich vor der Arbeit drücken wolle, dann könne man das natürlich anders sehen.

Gesamtplan für die Museen 2019

„Es geht nicht darum, dass wir uns vor der Arbeit drücken, sondern es geht um Effizienz“, entgegnet Hermann Junghans (CDU). Denn es werde sowieso ein Gesamtplan für die Entwicklung der Museen von der Verwaltung erstellt, der 2019 fertig sein soll. Da sei es nicht sinnvoll, wenn sich die Politiker mit der Entwicklung nur eines Museums beschäftigten – und am Ende passe es dann nicht zum Gesamtplan, so Junghans. „In Lübeck ticken die Uhren anders“, stellt Neskovic fest. Aber es werde wohl noch dauern, bis in Lübeck die Uhren so ticken, wie überall anders auch. Denn: Üblicherweise geben die Politiker die Richtung vor – und die Verwaltung realisiert das Vorhaben.

Unterm Strich stimmen alle Fraktionen für den Antrag von SPD und Unabhängigen, die Völkerkunde wieder in einem eigenen Museum zu eröffnen. Das Konzept dafür wird die Verwaltung auflegen mit Politikern und Experten. Dann wird es vorgestellt. Darüber entscheiden wird am Ende die Bürgerschaft.

Dieser Artikel erschien in den LN am 12. September 2007

Die bedeutende Lübecker Völkerkundesammlung im Zeughaus kommt unter Verschluss: Das Museum öffnet am Sonntag zum letzten Mal.

Von Torsten Teichmann

"Togo direkt" ist die letzte Sonderausstellung. Mit der zeitgenössischen Kunst aus Afrika verabschiedet sich die Völkerkundesammlung von der Öffentlichkeit. Grund ist die latente Finanzkrise der Stadt.

Das Museum müsste eigentlich schon seit fünf Jahren geschlossen sein. Im Februar 2002 hatte die Bürgerschaft mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2002/2003 sein Ende verkündet. Retter waren, wie so oft in der Hansestadt, auch damals Lübecker Bürger. Im Januar 2002 schlossen sich der Freundeskreis Völkerkundesammlung und die Geographische Gesellschaft zu Lübeck zur "Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu Lübeck" zusammen und übernahmen die Trägerschaft des Völkerkundemuseum. Doch die Gesellschaft kann die Kosten jetzt nicht mehr tragen, und von der Stadt gibt es aufgrund der Finanzkrise keine Hilfe.

Professor Dr. Renate Kastorff-Viehmann, Vorsitzende der Gesellschaft, sieht für die Stadt "nur einen effektiven Spareffekt von rund 20 000 Euro im Jahr", wenn es bei dem Bürgerschaftsbeschluss bleibt, keine Finanzierungsmittel bereitzustellen. Denn die Völkerkundesammlung bleibe bestehen und werde auch weiterhin von der Kuratorin, der Ethnologin Brigitte Templin, betreut. Bei der Lübecker Völkerkundesammlung handele es sich um eine der bedeutendsten Sammlungen Deutschlands.

Das endgültige Aus für das Museum im Zeughaus wurde jetzt vom Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck, Dr. Hans Wißkirchen, im Kulturausschuss verkündet. Ab Montag sei das Haus geschlossen. Die Kulturstiftung ist die Geschäftsführerin aller städtischen Museen. Holger Pils, Sprecher der Kulturstiftung, bestätigte gestern, dass "der Schließungsbeschluss der Bürgerschaft aus dem Jahr 2002 jetzt wirksam wird". Der Trägerverein sei "nicht mehr in der Lage gewesen, den Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten". Die Sammlung werde weiter betreut, sei aber für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Man prüfe aber verschiedene Alternativen, Teile der Ausstellung auch künftig öffentlich zu präsentieren, allerdings nicht im Zeughaus.

8235 Besucher sahen im Jahr 2006 die völkerkundliche Sammlung, in diesem Jahr kamen bis Ende Juli schon 8900 Besucher. Noch Ende vergangenen Jahres hatten sich externe Gutachter nach den Worten von Renate Kastorff-Viehman für "eine aussichtsreiche Museumspädagogik" im Zeughaus ausgesprochen.

Schon 2002 hob die damalige Vorsitzende des Freundeskreises Völkerkundesammlung, Heide Otto, hervor: "Wir haben hier in Lübeck eine Sammlung von unschätzbarem kunstsammlerischen Wert." Im Zusammenschluss mit der Gesellschaft für Geographie sah sie die große Chance, die Schließung des Museums zu verhindern. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.

Die Völkerkundesammlung, die es in Lübecks seit 1893 gibt, ist seit 1984 im Zeughaus untergebracht. Wechselnde Ausstellungen präsentieren dort seither Geschichte und Gegenwart fremder, meist außerhalb Europas lebender Völker. Kunst, Kultobjekte und alltägliche Gebrauchsgegenstände aus dem Vorderen und Mittleren Orient, aus Ostasien, Afrika, Mittel- und Südamerika und aus der Südsee bilden den Schwerpunkt des umfangreichen Sammlungsbestandes. Die 30 000 Objekte nennt Kuratorin Brigitte Templin "namenlose Picassos".

Josephine von Zastrow

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