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Lübeck Muskeln aus der Spritze: Der Anabolika-Handel boomt
Lokales Lübeck Muskeln aus der Spritze: Der Anabolika-Handel boomt
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22:00 29.06.2013
Von Oliver Vogt
Lübeck

– Adonis-Körper aus der Giftküche: In Schleswig-Holstein sind nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) immer mehr illegale Arzneimittel zum Muskel-Doping im Umlauf. Auch Jugendliche schrecken für den schönen Körper nicht vor den zum Teil gepanschten Präparaten zurück – und nehmen schwerwiegende Langzeitwirkungen in Kauf.

„Wir stellen eindeutig fest, dass der illegale Handel mit diesen Substanzen und der Verbreitung in Schleswig-Holstein zunimmt“, sagt LKA-Sprecher Stefan Jung. Wie viel der besonders bei Bodybuildern geschätzten Anabolika in Schleswig-Holstein kursiert, könne aber kaum gesagt werden. 2011 stellten Zollfahnder in einer Kieler Wohnung fast 70 000 Anabolika- Tabletten und 1300 Ampullen sicher. 2012 wurde in Barsbüttel ein illegales Labor in Barsbüttel (Kreis Stormarn) ausgehoben, das über Jahre hinweg die Bodybuilding-Szene mit Anabolika versorgte. 4000 Ampullen im Schwarzmarktwert von rund 1000 Euro pro Stück wurden beschlagnahmt.

Sorgen bereitet dem LKA aber nicht nur der konspirative Handel in der Fitness-Szene, sondern vor allem das Internet-Geschäft mit Anabolika, Testosteron , Clenbuterol und Co. „Diese Präparate lassen sich heutzutage sehr leicht über das Internet beziehen, vor allem aus Fernost.“ Viele Konsumenten wüssten dabei nicht einmal, dass allein der Besitz von nicht zugelassenen Medikamenten mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden könne, der Verkauf an Minderjährige sogar mit bis zu zehn Jahren Haft.

Doch besonders für männliche Jugendliche und junge Erwachsene ist der schnelle Muskelaufbau eine große Verlockung. „Es scheint sich um ein Problem der Wahrnehmung und Identifikation mit dem eigenen Körperbild zu handeln“, hat der Mediziner Carsten Boos festgestellt, der früher an der Uni Lübeck und heute in St. Gallen über Doping im Fitnessbereich forscht. Für ein besseres Aussehen wollten die Konsumenten deshalb Körper- und Muskelmasse aufbauen, aber gleichzeitig auch etwas für ihre Gesundheit tun, erklärt der Arzt. „Was angesichts des Risikopotentials der eingenommen Substanzen natürlich paradox ist“, sagt Boos. Impotenz, Akne, hohe Aggressivität, Haarausfall, Lebertumore und irreparable Kreislaufschäden seien nur einige der zahlreichen Nebenwirkungen.

Doping gibt es aber nicht nur beim Body-Building, es wird wegen der leichten Verfügbarkeit der Präparate auch im Breitensport immer mehr ein Thema. „Für einige ist es leider verlockend, durch Medikamente die Leistungsfähigkeit zu steigern“, sagt Thomas Behr, Geschäftsführer beim Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV). Ans Licht komme so etwas kaum, da es im Amateursport nahezu keine Dopingkontrollen gebe. Zwar bemühe sich der LSV durch Aufklärung und Ehrenverpflichtungen für die Trainer dagegen zu arbeiten. „Um dem Problem wirklich zu begegnen, müsste aber sehr viel mehr Geld für Kontrollen bereit gestellt werden als bisher“, fordert Behr.

Oliver Vogt

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