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Lübeck Nach Bahn-Panne: Verwirrung um Tunnelpläne
Lokales Lübeck Nach Bahn-Panne: Verwirrung um Tunnelpläne
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19:01 21.10.2017
An dem Bahnübergang in der Ratzeburger Allee kommt es immer wieder zu Störungen, auch der Rettungsdienst kommt dann nicht durch. Quelle: Holger Kröger
St. Jürgen

„Wir sind sehr erleichtert, dass die Bahn uns endlich erhört hat. Die Zustände sind unzumutbar“, sagt Christian Elsner, kaufmännischer Direktor am UKSH. Er berichtet von einem Tunnel für die Autos, der in der Ratzeburger Allee unter den Bahnschienen hindurchführen soll. Und von Gesprächen, Ideen und einem Schreiben, das bereits im Haushaltsausschuss des Bundestags Thema gewesen sein soll. Es klingt wie die Lösung eines Problems, das das UKSH seit Jahrzehnten beschäftigt. Denn die Klinik ist durch die Bahnschienen von der Stadt getrennt. Bei längeren Schließzeiten oder Störungen müssen die Rettungswagen Umwege in Kauf nehmen. Am Mittwoch dann wieder ein Ärgernis: Ein Holz- Transport bleibt auf den Schienen liegen und verursacht eine lange Sperrung.

 Wenn es nach Elsner geht, gehören Wartezeiten für Rettungswagen vor den Schranken aber bald der Vergangenheit an. Alles klingt nach einer einvernehmlichen Lösung. Wenn nicht die Bahn all das zum ersten Mal hören würde. „Es gibt definitiv keine Planung. Wir haben nichts beschlossen und es besteht auch kein Handlungsbedarf“, sagt Bahn-Sprecher Egbert Meyer- Lovis. Grundsätzlich müssten in einem solchen Fall Bahn, Bund und die Stadt als Straßenbaulastträger zusammenarbeiten. Auch die Finanzierung würde von allen gleichermaßen übernommen. Eine solche Zusammenarbeit sei aber bisher nicht in Angriff genommen worden. Und so solle es auch bleiben. In den vergangenen Jahren hatte es zwar häufig technische Störungen gegeben. Aber jetzt liefen die Anlagen laut einer Sprecherin „einwandfrei.“ Zwei Züge fahren stündlich auf der Strecke, die durchschnittliche Schließzeit pro Zug liegt laut Bahn bei drei Minuten.

Die Erfahrungen der Feuerwehr, die den Rettungsdienst leitet, sind anders. „Viel zu oft gibt es lange Wartezeiten, auch wenn keine Störung vorliegt. Im Zweifel geht es um Menschenleben. Es zählt jede Minute“, sagt Matthias Schäfer, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr. Insgesamt 36 Rettungsfahrzeuge von Berufsfeuerwehr, DRK, ASB und den Johannitern sind täglich auf Lübecks Straßen unterwegs. Darunter zwei Notarztwagen, 14 Krankenwagen und 16 Rettungswagen. Während das Marienkrankenhaus und die Sana-Klinik vor den Bahnschranken liegen, ist das UKSH oft nur mit Verzögerung zu erreichen.

„Es bedarf dringend einer Lösung, in welcher Form auch immer. Es kann nicht sein, dass wir teilweise eine Viertelstunde bei der normalen Schließung vor den Bahnschranken stehen“, appelliert Matthias Schäfer. Auch Andreas Voss, Geschäftsführer des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) in Lübeck, ist genervt: „Das geht gar nicht, es muss eine Lösung her, die die Beseitigung des Bahnübergangs beinhaltet.

Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell (SPD) berichtet, dass seine Partei lange eine Lösung gefordert habe. „Nachdem die Bahn die technischen Störungen in den Griff bekommen hat, ist es allerdings in den Hintergrund gerückt“, so Pluschkell. Begrüßen würde man die Lösung auch beim DRK: „Wir befürworten jederlei Verbesserung. Der Zugverkehr behindert die Arbeit “, sagt Pressesprecherin Denise Richter.

Beim UKSH bleibt man vorsichtig optimistisch: „Wir müssen dranbleiben. So ein Vorhaben ist sicher nicht schnell umsetzbar“, sagt Christian Elsner. Gedanken über die Radwegeführung und die Erreichbarkeit der Gewerbebetriebe hat man sich aber schon gemacht. „Eine andere Lösung als den Tunnel gibt es nicht“, so Elsner.

 Von Maike Wegner

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