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Lübeck Nach Polizei-Vorstoß: Feuerwehr hätte auch gerne die US-Sirene
Lokales Lübeck Nach Polizei-Vorstoß: Feuerwehr hätte auch gerne die US-Sirene
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09:34 26.06.2013
Feuerwehrsprecher Michael Utech berichtet von Situationen, in denen Autofahrer selbst das laute Martinshorn nicht gehört hätten. Quelle: Fotos: Hellerling
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Lübeck

Mitten im Berufsverkehr bewegt sich kaum etwas. Als der Rettungswagen (RTW) mit Martinshorn und Blaulicht angerauscht kommt, machen zwar einige Platz, doch ganz vorne an der Ampel bleibt ein Auto stur stehen. „Da kannst du den ganzen Tannenbaum anschalten, es hilft nichts“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Utech. Mit „Tannenbaum“ meint er alle blinkenden Lichter und lärmenden Fanfaren, die ein Einsatzfahrzeug hat. Erst andere Autofahrer signalisieren dem Vordermann, Platz zu machen. Wertvolle Sekunden vergehen.

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Feuerwehrsprecher Michael Utech berichtet von Situationen, in denen Autofahrer selbst das laute Martinshorn nicht gehört hätten.

Immer mal wieder kommt es vor, dass die eigentlich auffälligen Fahrzeuge der Feuerwehr und Hilfsorganisationen nicht beachtet werden. Die Polizei soll künftig eine Heul-Sirene nach US-Vorbild bekommen, die sie für Kontrollen zusätzlich zum roten „Anhalten Polizei“-Leuchtschild einsetzen kann. Blaulicht und Martinshorn hätten sich „zum Einleiten des Anhaltevorganges als ungeeignet erwiesen“, heißt es in der Verordnung des Bundesverkehrsministeriums.

Auch Lübecks Retter haben grundsätzlich Interesse daran, ihre Fahrzeuge auffälliger zu machen. „Ein neues oder zusätzliches Signal wäre eine Überlegung wert“, sagt Utech. Über die Jahre hinweg wurden die Fahrzeuge optimiert, um noch besser wahrgenommen zu werden. Inzwischen besitzen alle Autos sogenannte Räumer — Blaulichter im Kühlergrill, die auf Innenspiegel-Höhe leuchten. Utech: „Das hat etwas gebracht.“ Anfangs besaßen RTW bloß elektronische Signalhörner, „aber die wurden bald nicht mehr gehört“. So kamen die deutlich lauteren Presslufthörner hinzu, wie sie große Löschfahrzeuge besitzen — oft werden diese an Kreuzungen eingeschaltet.

Grund für die zunehmende Taubheit der Autofahrer ist die immer bessere Technik. „Die Fahrzeuge sind heutzutage richtig gut schallisoliert“, sagt Utech. „Da hört man selbst bei normaler Radiolautstärke kaum noch etwas von draußen.“ Der monotone und gleichklingende deutsche Tatütata-Sound geht oft im Großstadtlärm und dem einen oder anderen Musikstück unter. Matthias Rehberg von der Johanniter-Unfallhilfe (JUH) kann sich ebenfalls ein zusätzliches Signal vorstellen. „Wenn wir eine Alternative hätten, um Autofahrer aufzurütteln, wäre das durchaus hilfreich“, sagt er.

Michael Utech hat mehrere Ideen, wie sich solch ein Ton anhören könnte. Da wären zum einen die schrillen und extrem unrhythmischen Varianten aus Großbritannien oder den USA. „Oder ein Ton, der das Autoradio stumm schaltet, sofern das technisch möglich ist“, sagt er. Da aber in Deutschland alles reglementiert ist, müsste es eine neue Norm geben. Dass damit das deutsche Martinshorn ausgedient haben könnte, sei durchaus verschmerzbar. „Wir sollten nicht auf Tradition achten, sondern das Beste einsetzen“, sagt Utech. Eine zentrale Koordinierungsstelle könnte dafür der Städtetag sein. Nicht zuletzt sei das Ganze aber auch eine Kostenfrage, der Austausch nur sukzessive möglich.

Innensenator Bernd Möller (Grüne), in dessen Zuständigkeit Lübecks Rettungsdienst und Feuerwehr fallen, ist zurückhaltend. „Wo es Probleme gibt, wird nicht mehr Lärm nützen, sondern umsichtigeres Verhalten der Verkehrsteilnehmer“, sagt er. Ähnlich sieht es Marco König vom Deutschen Berufsverband Rettungsdienst: „Vielmehr weiß kaum ein Autofahrer, wie er sich im Einsatzfall korrekt zu verhalten hat.“ Deshalb appelliert er an Automobilclubs und Fahrschulen, Fahrer besser zu unterrichten. Der ADAC unterstützt zwar den zweiten Polizeiton, das aktuelle Martinshorn hält er aber für ausreichend. Ulf Evert: „Noch mehr Töne sorgen für mehr Verwirrung.“

Peer Hellerling

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