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Nach Türkei-Einsatz: „Patriots“ sind wieder in der Heimat

Travemünde Nach Türkei-Einsatz: „Patriots“ sind wieder in der Heimat

Mission endet ohne abgegebenen Schuss — Erleichterung über sichere Rückkehr.

Aneinandergereiht messen die 172 Fahrzeuge und die 149 Materialcontainer der Bundeswehr mehr als zwei Kilometer.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Travemünde. Einer nach dem anderen rollen die olivgrünen Lastwagen von Bord der „Britannia Seaways“ in die eisige Kälte auf dem Travemünder Skandinavienkai. Noch vor dem Morgengrauen hat das Ro-Ro-Frachtschiff, das am 27. Dezember den türkischen Hafen Iskenderun verlassen hat, in Lübeck angelegt. Der offizielle Schlusspunkt eines belastenden Auslandseinsatzes der Bundeswehr, der fast auf den Tag genau vor drei Jahren an selber Stelle begonnen hatte.

Mit jeder Menge schwerem Bundeswehr-Gerät an Bord ist das Frachtschiff "Britannia Seaways" heute Morgen in Travemünde eingelaufen.

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Oberst Wolfgang Rasquin, stellvertretender Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1, sieht vom Kai aus zu, wie die Soldaten die insgesamt 172 Lkw in langen Kolonnen auf dem Hafengelände aufreihen. Der 57-Jährige, der selbst fünf Monate lang den „Patriot“-Einsatz in der Türkei leitete, ist heute nur Zaungast. Das „Ausparken“ des teuren Militärgeräts übernehmen vor allem die Kollegen des Bundeswehr-Logistikzentrums. Für den Oberst bedeutet der heutige Tag aber eine Erleichterung. „Sowohl Menschen als auch Gerät haben den Einsatz unversehrt überstanden“, sagt Rasquin zufrieden. „Und das ist eigentlich das Allerwichtigste.“

Lebensgefahr hat für die Einsätzkräfte des Flugabwehrraketengeschwaders, die sich selbst lieber „Flaraks“ nennen, auch nicht direkt bestanden. Die türkische Stadt Kahramanmaras, die im Rahmen der Nato-Operation „Active Fence“ vor möglichen Raketenangriffen des Assad-Regimes in Syrien geschützt werden sollte, sei nicht angegriffen worden. Während des drei Jahre dauernden Einsatzes an der türkisch-syrischen Grenze mussten die Deutschen keinen einzigen Schuss abfeuern.

Rasquin räumt daher ein, dass weniger ein militärischer als vielmehr ein politischer Zweck mit dem Einsatz verfolgt wurde. Vor allem sei es darum gegangen, die Solidarität zu einem Bündnispartner deutlich zu machen. Gleichwohl sei man in der türkischen Gazi-Kaserne, wo permanent bis zu 450 Männer und Frauen der Bundeswehr stationiert waren, weit entfernt von einem Übungsszenario gewesen.

„Auf dem Radarschirm konnten wir die syrischen Raketen genau verfolgen, die in Aleppo oder in Homs niedergingen. Das war schon ein merkwürdiges Gefühl, zu wissen: Das ist jetzt keine Simulation, sondern da ist wirklich Metall in der Luft, das Menschen tötet“, erinnert sich der Oberst. 15 bis 20 solcher Abschüsse am Tag habe man noch zu Beginn des Einsatzes im Frühjahr 2013 gezählt.

In Kahramanmaras stationiert war auch Hauptfeldwebel Heiner Rebschläger von der Flugabwehrraketengruppe 21 in Sanitz, Mecklenburg-Vorpommern. Der 31-jährige Logistiker ist heute noch einmal schwer im Stress, denn er und seine Kollegen müssen nun Sorge tragen, die Transportfahrzeuge, Abschussrampen und Radarwagen wieder heil in ihre Stützpunkte zu befördern. Drei Tage wird es dauern, bis alle Fahrzeuge und Materialcontainer, die aneinandergereiht rund zwei Kilometer messen, wieder in Husum, Sanitz und Bad Sülze angekommen sind. Langeweile sei aber auch in der Türkei nie aufgekommen, betont Rebschläger. „Jeder hatte sein straffes Programm und seine Aufgaben“, sagt der Soldat, der für sich ein positives Fazit zieht. „Es war eindrucksvoll, wie reibungslos die Zusammenarbeit mit den Türken geklappt hat“, erzählt der 31-Jährige. Auf militärischer Ebene sei da vieles sehr gut zusammengewachsen.

Rebschläger selbst war innerhalb des vierten von neun Kontingenten für vier Monate in der Türkei stationiert. „Es gab aber auch Soldaten, die es insgesamt auf eine Dienstzeit von 360 Tagen gebracht haben“, sagt Oberst Rasquin. Der Personalabbau bei der Bundeswehr habe sich bei diesem Einsatz deutlich bemerkbar gemacht. „Wir haben gemerkt, dass die Personaldecke doch sehr dünn wurde und wir an unsere Grenzen gekommen sind. Insofern, ja, bin ich froh, dass es jetzt vorbei ist.“

Den Jahreswechsel konnten die meisten Soldaten zu Hause feiern. Ein Großteil von ihnen wurden bereits Ende November nach Hause geflogen. Der letzte „Flarak“-Soldat machte am 30. Dezember in der Gazi-Kaserne das Licht aus.

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Oliver Vogt

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