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Nach der Schule in die Lehre — und nicht in die Warteschleife

Lübeck Nach der Schule in die Lehre — und nicht in die Warteschleife

Zu viele Jugendliche landen im Übergangssystem — Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) fordert Hansestadt zu Gegenmaßnahmen auf — Grüne beantragen Jugendberufsagentur.

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Die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) — hier bei einem Besuch der Kalandschule im vergangenen Oktober — will von der Grundschule bis zum Übergang in die Berufsschule bessere Unterstützungsangebote entwickeln.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Ausbildungsvorbereitendes Jahr (AVJ), Berufseingangsklassen (BEK), Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) und Berufsvorbereitende Maßnahmen (BVM) — an den Berufsschulen haben sich diverse schulische Angebote für Jugendliche etabliert, die nicht ausbildungsreif sind oder keinen Abschluss haben. „Wir haben ein großes Problem beim Übergang von der Schule in den Beruf“, stellte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) jetzt auf der 10. Armutskonferenz in Lübeck fest. „Wir haben viele Maßnahmen, aber dabei den Überblick verloren.“ Ernst will das sogenannte Übergangssystem jetzt durchforsten. „Wir müssen den Reparaturbetrieb reduzieren“, erklärte die Ministerin. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft sollten mehr Jugendliche in betriebliche Ausbildungen gebracht werden.

Die SPD-Politikerin weiß auch schon, wie das geht. „Wir haben nach Hamburg geguckt und die Jugendberufsagentur als eine Anlaufstelle für die Jugendlichen entdeckt“, berichtete Ernst. Hamburg habe diese Agenturen, in denen Jobcenter, Schulen, Arbeitsagenturen, Berufsschulen und Jugendhilfe zusammenarbeiten, früh und vorbildlich eingerichtet. Das Konzept, dass sich alle Fachleute gemeinsam um die Jugendlichen kümmern, bis sie im Beruf stehen, habe sich bewährt. Nach Angaben der Politikerin habe Hamburg den Anteil von Schulabgängern, die direkt nach der Schule eine Lehre ansteuern, in nur zwei Jahren von 25 auf 39 Prozent erhöht. Ernst: „Das können wir nicht ignorieren.“ Das Land habe deshalb beschlossen, ebenfalls diesen Weg zu gehen. Sechs Kommunen haben sich für Modelle zur Verfügung gestellt — aber Lübeck nicht.

„Ich werbe dafür, dass auch Lübeck diesen Weg geht“, sagte Ernst. Die Armutskonferenz, ein Zusammenschluss aus Sozialverbänden, DGB, Frauenbüro und Jobcenter, schließt sich dieser Forderung an. Die Grünen werden in der Bürgerschaft Ende Februar einen entsprechenden Antrag stellen. Bis Ende September soll die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit Jobcenter, Arbeitsagentur, Kammern, Wirtschaftsverbänden und Berufsschulen ein Konzept zur Schaffung einer Jugendberufsagentur vorlegen. „Wir müssen erreichen, dass kein Jugendlicher beim Übergang in den Beruf verloren geht“, begründet Bürgerschaftsmitglied Michelle Akyurt (Grüne) den Vorstoß. „Die Idee der Jugendberufsagentur ist hervorragend“, erklärt Jörn Krüger, Leiter der Emil-Possehl-Schule, mit 3700 Jugendlichen die größte Lübecker Berufsschule. Diese Agentur sorge dafür, dass alle Jugendlichen, die die allgemeinbildende Schule verlassen, erfasst und dann bei Bedarf persönlich betreut würden.

Aber nicht nur am Ende der Schulzeit lauern Gefahren. „Schnittstellen sind gefährlich, sie können Brüche in den Bildungsbiografien nach sich ziehen“, sagte die Ministerin auf der Armutskonferenz.

Noch immer würden Bildungsabschluss und Einkommen der Eltern eine zu große Rolle beim Bildungserfolg der Kinder spielen. Die Einführung des zweigliedrigen Schulsystems, die Abschaffung der Übergangsempfehlung am Ende der Grundschulzeit und die Einrichtung weiterer Oberstufen an Gemeinschaftsschulen führe zu mehr Bildungsgerechtigkeit, sagte Ministerin Ernst.

Die Praktiker in den Unterrichtsräumen sehen andere Hürden für Bildungsgerechtigkeit. Uwe Schneider, Leiter der Berend- Schröder-Schule: „Hausaufgaben benachteiligen arme Kinder, weil sie in zu kleinen Wohnungen keinen eigenen Arbeitsplatz haben und die Eltern ihnen nicht helfen können.“ Manfred Nommensen, ehemaliger Leiter der Julius-Leber-Schule, beklagt die mangelnde Wertschätzung von Bildung durch manche Eltern und Schüler. Nommensen: „Das ist in vielen Staaten anders. Da streben Kinder und Eltern nach guter Bildung.“ Jörg Rosenberger, Leiter der Grundschule am Koggenweg, wünscht sich zwei Lehrer gleichzeitig in den Klassen, mehr Vertretungskräfte und mehr Räume für die Nachmittagsbetreuung. Dem schloss sich die Armutskonferenz an. „Kitas und Schulen in sozialen Brennpunkten brauchen eine bessere personelle und räumliche Ausstattung“, heißt es im Forderungskatalog an Land und Stadt.

In Zahlen

170 Jugendliche verlassen jedes Jahr in Lübeck eine allgemeinbildende Schule ohne Abschluss.

Von 20 Prozent der Schüler , die die allgemeinbildende Schule verlassen, ist der weitere berufliche Verlauf unbekannt.

40 Prozent der Bewerber um eine Ausbildungsstelle gelten als Risikogruppe — sie haben keine Lehrstelle gefunden, sind in Fördermaßnahmen gelandet, oder ihr Verbleib ist unbekannt.

29 Prozent der Lübecker haben keinen Schulabschluss.

18 Prozent der Schüler der allgemeinbildenden Schulen haben zum Ende ihrer Schulzeit keine Vorstellungen davon, welcher Beruf es wird.

Kai Dordowsky

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