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21:10 23.04.2018
Ankunft in Singapur: Weltradlerin Luisa kann sich und ihrem Fahrrad „Anton“ eine Erholungspause gönnen.
Auckland/Lübeck

Sprungbereit sitze ich in meinem schwarzen Ledersattel, beobachte misstrauisch meine Umgebung, nehme jedes Geräusch, jede Bewegung wahr. Nachdem ich mich von Andries und Bas verabschiedet habe, fühle ich mich schwerfällig, schutzlos, traurig.

Die Lübecker Weltradlerin Luisa Rische ist heute unterwegs von Singapur nach Neuseeland. Sie berichtet sowohl von den Strapazen der Welt-Radreise, als auch von den offenen Menschen, denen sie begegnet sowie von den vielen anderen wunderbaren Augenblicken, die sie auf der Tour mit ihrem Fahrrad „Anton“ erlebt.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Allein zu reisen, bedeutet wieder, für alles selbst verantwortlich zu sein, sich allein allen Gefahren zu stellen, allein zu überleben. Blitze zucken in der Ferne, Donner hallt im Echo der Berge wider. Bevor die Wolken ihre Schleusen öffnen, schlage ich mein Zelt irgendwo im Gebirge zwischen Kuala Lumpur und Titi auf. Ich vermisse Bas.

Der zweite Tag, die zweite Nacht. Ich lasse das Gefühl der Einsamkeit in den Bergen Malaysias zurück. Am dritten Tag fahre ich nach Malakka. Es ist ein sonniger Tag. Beim Frühstück starren mich alle an. Ein Malaysier fragt mich nach einem Selfie, anschließend steckt er mir zehn Ringgit zu. Das sind immerhin zwei Mahlzeiten in Malaysia. Nach einem Budget zu leben, treibt mich manchmal immer noch in den Wahnsinn, doch mittlerweile habe ich die nötige Selbstdisziplin.

Auch das Mittagessen muss ich nicht selbst zahlen. Allein, als Frau, mit dem Fahrrad: Ich ziehe alle Blicke auf mich. Lau setzt sich zu mir, fragt mich aus, lädt mich ein, ich folge ihm zu seinem Haus. Der Malaysier ist Landschaftsarchitekt, zeigt mir seinen Garten, seine Räder und schneidet mir Durian auf. Als ich die tropische Frucht zum ersten Mal im Mund habe, wird mir klar, warum sie auch Kotzfrucht genannt wird.

Malakka. Welterbe und Küstenstadt. Charmant, verspielt, überlaufen. Ich habe Glück, es ist Markttag. Ich kaufe Geschenke für Freunde, malaiische Speisen für mich, laufe durch die Kolonialstadt bei Nacht. Eine portugiesische Festung, ein holländisches Rathaus, eine britische Kirche, ein chinesisches Viertel, malaiische Geschichte.

Am nächsten Tag geht es weiter. Ich radle von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, trete, bis ich nicht mehr sitzen kann. Als ich in Singapur ankomme, bin ich so müde, dass ich für die letzten 20 Kilometer bis zum Hostel drei Stunden und fünf Pausen brauche.

Das Tree in Lodge ist die Anlaufstelle für Radreisende in Singapur. Hostelchef SK ist selbst Fahrradfahrer, hilft, wo er kann, und hält stets Kartons bereit, weil Fahrradläden bis zu zehn Dollar für die Pappen verlangen, mit denen Räder verschickt werden können. SK vermittelt mir auch einen kostenfreien Transport zum Flughafen, denn Hostelgast und Radreisender Amund aus Norwegen lässt sich am gleichen Abend mit einem Taxi zum Flughafen bringen. Er nimmt mich mit.

Weil Neuseeland keinen ausländischen Dreck ins eigene Land lässt, verbringe ich meinen einzigen Tag in Singapur damit, Fahrrad und Ausrüstung zu putzen. Nach einer Dusche rücke ich „Anton“ mit der Zahnbürste auf die Pelle, dann geht es in die Box und schließlich auf die Waage. Ich bin einigermaßen schockiert. Ich war sicher, dass ich nicht mehr als 30 Kilogramm dabei hätte. Insgesamt komme ich aber auf ein Gewicht von 60 Kilogramm, das Rad wiegt 17 Kilogramm. Beim Einchecken verwickle ich die Mitarbeiter in ein Gespräch über Reisen und Radeln, damit die zwei erst gar nicht auf die Idee kommen, mich auf das Übergewicht anzusprechen.

Ich habe zwar schon im Vorfeld 15 Kilogramm dazugebucht, doch mein aufzugebendes Gepäck bringt immer noch zwei Kilogramm zu viel auf die Waage. Mein Handgepäck wiegt das doppelte des erlaubten Gewichts. Ich lächle charmant und komme problemlos durch alle Kontrollen. Ab ins Flugzeug. Ab nach Sydney. Weiter nach Auckland.

Am Flughafen in Auckland warte ich vergeblich auf mein Gepäck. Das soll mit dem Flieger sieben Stunden später aus Sydney kommen, danach muss es noch durch den Zoll. Die Fluggesellschaft legt mir deshalb nahe, das Gepäck an eine Adresse in Neuseeland schicken zu lassen, dann drücken sie mir einen Beutel mit Schlafanzug, Zahnbürste, Deo, Rasierer und Kamm in die Hand. Dem Zoll muss ich anschließend noch aufzählen, was ihn erwartet, wenn er meine Taschen und den Karton öffnet.

Neuseeland. Ich kann kaum schlucken, so aufgeregt bin ich, als ich in die warme Sommerluft Aucklands trete, obwohl „Anton“ in den Fängen Fremder steckt. Der Grund für meine Aufregung ist Dana, die mit ihrer Freundin Franzi zwei Tage zuvor in Auckland gelandet ist und mich jetzt mit einem Reisemobil erwartet.

Mit Dana habe ich zusammen gearbeitet, sie hat drei Monate bei mir gewohnt, hat mir Fahrstunden gegeben; wir haben uns täglich Sushi bestellt, preisgekrönten Gin getrunken und uns beim Wakeboarden blamiert; wir haben bis zum Umfallen gearbeitet und als ich tatsächlich umfiel, hat sie mich in die Notaufnahme gefahren. Als ich Dana nach einem Jahr wieder in die Arme nehme, schießen mir die Tränen in die Augen.

LN

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