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Nach zehn Jahren: Propst Mecklenfeld verlässt Lübeck

Lübeck Nach zehn Jahren: Propst Mecklenfeld verlässt Lübeck

Der Katholik stand für gelebte Ökumene – Jetzt wechselt er nach Hamburg – Gedenken an die vier Märtyrer als starkes Zeichen.

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Herz Jesu an der Parade ist die römisch-katholische Hauptkirche Lübecks. Hier hat Franz Mecklenfeld als Pfarrer und Propst gewirkt. FOTO: W. MAXWITAT

Lübeck. Haben Sie Ihre Umzugskisten schon gepackt?

Propst Franz Mecklenfeld: Ich bin gerade dabei, weil ich heute aus meiner Wohnung ausziehen und nach zehn Jahren Lübeck gen Hamburg verlassen werde.

Aber Sie werden sicherlich als Gast wiederkommen . . .

Mecklenfeld: Auf jeden Fall. Allerdings nicht in der nächsten Zeit, um vor allem der Gemeinde die Orientierung auf den neuen Pfarrer, also Propst Christoph Giering, zu erleichtern.

Dafür, dass die katholischen Christen im Vergleich zu den Protestanten in der Hansestadt stark in der Minderheit sind, sind Sie in der öffentlichen Wahrnehmung sehr präsent – Märtyrergedenken, katholische Schule, um nur zwei Beispiele zu nennen . . .

Mecklenfeld: Eine Anmerkung, über die ich mich natürlich freue. Als ich im Jahre 2006 hierher kam, habe ich aber schon eine sehr hohe Dynamik in der Gemeinde vorfinden können, auch dank meines Vorgängers Helmut Siepenkort. So war zum Beispiel die Seligsprechung der Lübecker Märtyrer, die dann im Sommer 2011 öffentlich auf der Parade gefeiert werden konnte, schon in der Vorbereitung.

Was hat sich denn in der Dekade Ihres Schaffens alles verändert?

Mecklenfeld: Eine Menge. Die Seligsprechung war natürlich ein großer Einschnitt; dazu kommt die Sanierung unserer Herz-Jesu-Kirche sowie die Errichtung der Märtyrergedenkstätte. Und die katholische Schule ist jetzt schon im fünften Jahr aktiv. Wenn man im Hinterkopf hat, dass mit Herz Jesu in Schleswig-Holstein erst vor rund 125 Jahren das erste katholische Gotteshaus erbaut wurde, ist wirklich schon eine Menge passiert.

Beim Gedenken an die Lübecker Märtyrer war es in Ihrer Gemeinde von Anfang an selbstverständlich, den evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink mit einzubeziehen. Ökumene ist für Sie also eine Selbstverständlichkeit, oder?

Mecklenfeld: Sie ist gewachsen und wohl beispielhaft. Wenn ich an die Verehrung der Lübecker Märtyrer denke, an unsere gemeinsame Karfreitags-Prozession, an der regelmäßig Hunderte Christen teilnehmen, an die gemeinsamen Veranstaltungen mit St. Marien und dem Dom und weitere Formate. Darüber bin ich sehr dankbar. Auch an die gemeinsame Initiative der Kirchen namens „Klopf, Klopf“

gegen Rechtsradikale möchte ich gern erinnern. Die Seligsprechung war auch die erste mit einem ökumenischen Akzent.

Was werden Sie vermissen, wenn Sie Anfang Januar Ihr neues Amt in Hamburg antreten werden?

Mecklenfeld: Die ökumenischen Inhalte sowie das Märtyrer-Andenken nehme ich natürlich mit. Ich werde sie niemals vergessen können, weil sie einfach stark sind und mich geprägt haben. Lübeck werde ich aber wohl schon vermissen, als schöne, abwechslungsreiche, sympathische und Wohlfühl-Stadt. Das ist nun meine sechste Versetzung, so dass ich Wechsel gewohnt bin. Bevor ich mein neues Amt antrete, werde ich mich für einige Wochen in eine Zeit der Besinnung und auch Erholung zurückziehen.

Die christlichen Kirchen haben mit vielen Kirchenaustritten zu tun. Wie hat sich Ihre Gemeinde entwickelt?

Mecklenfeld: Unsere Mitgliederzahl hat sich besonders in den letzten beiden Jahren durch den Flüchtlingszuzug wieder stabilisiert, so dass die Zahl sogar im Vergleich zu 2006 ein wenig gestiegen ist. Das, was mir stets ein Anliegen war und ist, Jesus Christus zu verkündigen und damit die Gegenwart Gottes in der Welt zu verdeutlichen, erreicht trotzdem manche Menschen nicht.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach? Mecklenfeld: Ob die Fragen nach Gott nicht gestellt werden oder wir die Sprache nicht kennen, die Botschaft zu vermitteln – das lass’ ich mal offen. Es ist aber auch so, dass es eine große Sehnsucht gibt. Das habe ich in unzähligen Gesprächen festgestellt. Viele Menschen, die nach der Tiefe ihres Lebens fragen, können im Glauben wieder Zuversicht finden.

Trotzdem muss die Kirche einen Sparkurs fahren, was sich in dem Konzept des „Pastoralen Raumes“ widerspiegelt. Ihren Gemeindemitgliedern wird einiges zugemutet – neue Priester und weniger Gottesdienste beispielsweise. Können Sie die Verunsicherung verstehen?

Mecklenfeld: Ja. Ich möchte trotzdem solche notwendigen Veränderungsprozesse nicht gleich negativ beschrieben sehen. Ich weiß, dass es manche Menschen ängstigt. Hier wird zwar die Großpfarrei „Zu den Lübecker Märtyrern“ entstehen, aber die Zahl der Kirchen wird beibehalten. Eins steht fest: Die christliche Botschaft ist einfach hervorragend; die Kirche wird trotz aller Veränderungsprozesse also nicht untergehen.

Interview: Michael Hollinde

Neue Pfarrei

Im Februar 2006 hat Franz Mecklenfeld in Lübeck die Nachfolge von Helmut Siepenkort angetreten. Der gebürtige Bersenbrücker (Niedersachsen) studierte Theologie in Frankfurt am Main und wurde 1980 zum Priester geweiht. Ab dem 2. Februar 2017 wird er die Pfarrei St. Elisabeth in Hamburg leiten. Hintergrund des Personalwechsels auf Geheiß von Hamburgs Erzbischof Stefan Heße ist eine Strukturreform. So entsteht aus den sechs katholischen Pfarrämtern in Lübeck die neue Großpfarrei „Zu den Lübecker Märtyrern“, die zukünftig Christoph Giering führen wird.

LN

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