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Lübeck Nahverkehr für Nachtschwärmer
Lokales Lübeck Nahverkehr für Nachtschwärmer
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21:32 09.02.2018
Dr. Carolin Höhnke, Leiterin der Verkehrsplanung beim Stadtverkehr, hält das iPad, mit dem Kunde, Leitstelle und die Fahrerin Mirja Louven die Route verfolgen können. Geschäftsführer Andreas Ortz hat sich die App schon heruntergeladen. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

„Wir wollen den Abend- und Nachtverkehr besser organisieren“, erklärt Stadtverkehr-Geschäftsführer Andreas Ortz. „Und die Digitalisierung bietet uns die Chance, ein Pilotprojekt zu starten und die Technik auszuprobieren.“ Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Pluschkell: „Das neue Angebot richtet sich an eine „Zielgruppe, die mit der modernen Technik umgehen kann.“ Vor allem Studenten hat das Unternehmen im Blick, aber auch Arbeitnehmer, die an den Wochenenden ganz früh zu Schichten fahren.

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In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar starten der Stadtverkehr und das Berliner Jungunternehmen Clever-Shuttle ein zwölfmonatiges Pilotprojekt. Zwischen 1 und 5 Uhr an den Wochenenden können Nachtschwärmer sich von Haustür zu Haustür fahren lassen – mit Elektroautos.

Der Stadtverkehr setzt für die nächtlichen Fahrten, die über eine kostenlose App gebucht werden können, fünf Elektro- und Hybrid- Pkw ein. Insgesamt 20 Fahrerinnen und Fahrer stehen in einem Pool zur Verfügung. Für die Probephase von zwölf Monaten hat sich der Stadtverkehr ein Betriebsgebiet ausgesucht, das von der Lohmühle über die gesamte Innenstadt bis zum Hochschulstadtteil reicht. Die Elektro- und Hybridautos fahren nicht auf festen Routen, steuern auch keine Haltestellen an. Sie fahren direkt zum Kunden und bringen ihn von Tür zu Tür. Sollte der neue Service gut angenommen werden, denkt der Stadtverkehr über eine räumliche Ausweitung des Angebots nach.

Die Software stellt ein vier Jahre altes Unternehmen aus Berlin zur Verfügung. Clever-Shuttle hat den Service bereits in Berlin, Hamburg, München und Leipzig im Programm. In diesen Städten betreibt Clever-Shuttle allerdings auch die Fahrzeuge selbst. In der Bundeshauptstadt beschäftigt das Unternehmen 200 Fahrer. Monatlich würden in den genannten Metropolen rund 50000 Fahrgäste befördert, sagt Geschäftsführer Bruno Ginnuth. Mit der Zusammenarbeit mit dem Stadtverkehr betritt Clever-Shuttle, das nach eigenen Angaben Marktführer beim „Ride-Sharing-Dienst“ ist, Neuland. Denn in Lübeck stellt das Berliner Unternehmen die Software, während der Stadtverkehr die Fahrer und Fahrzeuge vorhält.

Stadtverkehr und Clever-Shuttle haben einen Nutzungsvertrag abgeschlossen, die Genehmigungsbehörde hat für den Pilotversuch grünes Licht gegeben und die Konzession erteilt. „Es ist toll, dass der Stadtverkehr da so vorangeht“, lobt Ginnuth. Denn sein Unternehmen würde sich lieber auf die App-Entwicklung konzentrieren, als Fahrdienste selber zu organisieren. Ginnuth: „Ich bin gespannt, wie die Lübecker das Angebot annehmen.“ Der Geschäftsführer ist überzeugt, dass diese Form der Personenbeförderung in einigen Jahren aus der „urbanen Mobilität“ nicht mehr wegzudenken sei. Ginnuth hofft, weitere Stadtverkehre für das Modell zu begeistern. Eine Konkurrenz zu Taxis sieht der Berliner Unternehmer nicht. Ginnuth: „Unsere Kunden sind nicht die typischen Taxi-Kunden.“

Der Stadtverkehr hat eine ganze Serie von modernen Serviceangeboten gestartet. Bereits im vergangenen Jahr begann das Pilotprojekt „Hop on“ mit den Priwallfähren. Fahrgäste konnten sich eine kostenlose App auf ihr Smartphone laden und sich anmelden. Vor Fahrtantritt wurde die App aktiviert und dann das Smartphone mit Boardingpass dem Fährmitarbeiter gezeigt. Dabei gab es aber technische Schwierigkeiten. Im Sommer dieses Jahres wird ein neuer Versuch gestartet. Im Januar wurde eine App für Sehbehinderte und Blinde gestartet, die aber alle Fahrgäste nutzen können. „Als modernes Verkehrsunternehmen richten wir unseren Blick konsequent in die Zukunft“, sagt Geschäftsführer Andreas Ortz, der „stolz auf die Projekte ist“. Aufsichtsratsvorsitzender Pluschkell findet es bemerkenswert, dass Lübeck mit „Lümo“ in einer Liga mit Berlin, München und Hamburg spielt.

So geht das mit der App

Die „Lümo“ App kann im Apple Store oder bei Google Play heruntergeladen werden. Der Kunde hinterlässt seine Kreditkartendaten. Dann kann er nachts an den Wochenenden ein Fahrzeug per App bestellen und bezahlen. Ein Algorithmus stellt die schnellsten Touren zusammen. Bis zu drei Personen nimmt ein „Lümo“ mit. Per App erfährt der Fahrgast, wo er einsteigen kann und wann „Lümo“

vorfährt. Er zahlt den Grundpreis von 2,60 Euro und einen Euro pro Kilometer. Bei Besitz von Monats- oder Semestertickets wird es billiger.

 Kai Dordowsky

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