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Lübeck Naturzentrum: Neue Idee für Lübecks Tierpark
Lokales Lübeck Naturzentrum: Neue Idee für Lübecks Tierpark
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22:31 17.08.2016
Vor zehn Jahren liefen Tierschützer Sturm gegen die Haltung im Zoo. Jetzt sind von den Käfigen nur Ruinen übrig. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Neues Naturzentrum statt alter Tierpark. Das ist die Idee der Kreisjägerschaft Lübeck. Denn das zweieinhalb Hektar große Tierpark-Areal in Israelsdorf ist verwaist – und mittlerweile verwahrlost. Gebäude verfallen, es gibt dort wilde Feten, und auch Wildschweine tummeln sich auf dem Gelände. Seit fast sechs Jahren passiert auf dem Gelände des ehemaligen Tierparks gar nichts. Ende Oktober 2010 wurde der privat betriebene Zoo dichtgemacht – auf Betreiben der damaligen Rathaus-Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken. Jetzt gibt es einen neuen Vorstoß der Kreisjägerschaft.

Die Idee: Ein Umweltbildungszentrum oder ein Naturzentrum soll auf dem Areal entstehen. „Wir wollen, dass die Natur dort erlebbar wird“, sagt Christoph Benett, Sprecher der Kreisjägerschaft. Er kann sich eine Zusammenarbeit mit Natur- und Umweltverbänden vorstellen. „Wir wollen die Natur so erhalten, wie sie ist.“ Die Jäger würden dort gern einen Lehrpfad einrichten, der durch das Areal führt.

Eine Idee ist, das Gebäude am Eingang zu erhalten, damit dort Veranstaltungen organisiert werden können. Benett wohnt in Israelsdorf und sagt: „Da kommen einem schon die Tränen, wenn man das verfallene Gelände so sieht.“

Klar ist, dass das verwahrloste Areal zunächst aufgeräumt werden müsste. Die 350 Lübecker Jäger wären bereit, mit anzupacken – und auch Geld zu investieren. Denn der Abriss der Gebäude würde nach Schätzungen der Stadt 80000 bis 100000 Euro kosten. „Wir wollen das Konzept aber mit dem Stadtwald abstimmen“, macht Benett klar. Anfang September ist ein Gespräch mit Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) und dem Stadtwald-Chef Knut Sturm anberaumt. Denn das Areal zählt zum städtischen Wald. „Grundsätzlich finde ich die Idee gut“, sagt Sturm. Er begrüße es, wenn sich Gruppen um den Wald kümmern. Aber: „Das Areal ist Vogelschutzgebiet.“ Er bezweifelt, dass darauf viel machbar ist. Aktuell plant Sturm mit seinen Leuten drei Walderlebnispfade – aber an anderer Stelle. Sie sollen durch das Lauerholz führen, Kinder und Jugendliche mit spannenden Geschichten durch den Wald leiten. Ende des Jahres ist das Konzept fertig. Im Frühjahr 2017 könnte der erste Pfad eingeweiht werden. Starten sollen die Wege Am Rittbrook, am Wesloer Holzhof und am Tierpark.

Sturm: „Da kann sich die Kreisjägerschaft gern einschalten.“

Bei den großen Parteien stößt die Idee eines Naturzentrums auf dem Tierpark-Areal indes auf Zustimmung. „Ich bin ganz angetan von der Idee“, gibt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau zu. Er kann sich sogar vorstellen, das Grundstück für eine symbolische Pacht zu vergeben. „Es ist eine gute Sache, die Natur für Kinder erlebbar zu machen“, sagt Lindenau. In der Nähe findet der jährliche Walderlebnistag des Stadtwaldes statt – daher würde sich das Areal anbieten. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Hauke Wegner (CDU). Zudem gebe es eine Grundschule um die Ecke, und nach Karlshof würden immer mehr Familien ziehen. „Aber es sollten auch Erwachsene angesprochen werden“, meint Wegner. Außerdem: „Das könnte endlich zur Beseitigung der Ruinen auf dem Gelände führen.“ Da stimmt Lindenau zu: „Dadurch würde der verwahrloste Zustand des Geländes beendet werden.“

Hingegen sehen die Grünen das Vorhaben skeptisch. „Ich halte das für schwierig“, sagt Silke Mählenhoff. Die Naturschutzverbände hätten oft ganz andere Interessen als die Kreisträgerschaft. Die Jäger würden bereits ein Lehrrevier in Moorgarten betreuen. „Da brauchen sie nicht noch ein weiteres.“

Josephine von Zastrow

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