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Lübeck Nautischer Verein: Brisante Vorschläge für den Hafen
Lokales Lübeck Nautischer Verein: Brisante Vorschläge für den Hafen
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13:03 14.02.2018
Die Travemündung will der Nautische Verein auf 200 Meter verbreitern. Quelle: Fotos: Jan Dresing, Lutz Roessler (2)
Lübeck

Die Strategiepapiere des Vorstands haben es in sich. Der Verein fordert, dass die Trave verbreitert wird, damit größere Schiffe gegebenenfalls auch im Gegenverkehr durchkommen. Dazu muss die Traveenge am Eingang von Travemünde von 160 auf 200 Meter erweitert werden. Die Wasserstraße würde damit nicht nur ganz dicht an den Passathafen und an den Rosenhof heranrücken. Waterfront-Investor Sven Hollesen könnte sein geplantes Hotel auf der Kohlenhofspitze vergessen.

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Die Erhaltung der sogenannten Zweischiffigkeit der Trave wird seit Jahren von der Hafenwirtschaft angemahnt. Das hat aber die Entscheidungsträger in Verwaltung und Politik nicht interessiert. „Das macht uns ganz große Sorgen“, sagen die Vorstandsmitglieder des Nautischen Vereins, Jürgen Schlichting, Wolfgang Pistol und Susanne Kasimir.

In Russland, Polen, Schweden und Mecklenburg-Vorpommern werden Ostseehäfen massiv ausgebaut. Der 148 Jahre alte Nautische Verein fordert Entscheidungen, die den Hafenstandort Lübeck ebenfalls zukunftssicher machen – und fasst dabei auch heiße Eisen an.

Schon jetzt würden die Schiffe immer größer. „Finnlines verlängert vier Schiffe, die TT-Line eins“, weiß der frühere Trave-Lotse Schlichting. Lübeck dürfe den Hafen nicht zu Gunsten des Tourismus vernachlässigen. „Für die Diskussion um die Kohlenhofspitze ist es noch nicht zu spät“, erklärt Kasimir. Die Fahrrinne der Trave müsste zudem von derzeit 9,50 auf elf bis zwölf Meter vertieft werden – und zwar von der Einfahrt bis zum Lehmannkai I, fordert der Nautische Verein. Grund: Containerschiffe und Bulker haben immer mehr Tiefgang. Bei dieser Maßnahme müsste allerdings geprüft werden, ob eine Ausbaggerung Folgen für den darunterliegenden Herrentunnel hätte. Schlichting: „Man muss aufpassen, dass der Tunnel nicht aufschwimmt, wenn man von der Erdschicht darüber zwei Meter wegnimmt.“

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Um das Kreuzfahrtgeschäft voranzubringen, empfiehlt der Verein zügig umsetzbare Lösungen. Am Nordgate des Skandinavienkais könnte die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) ein Zelt für Kreuzfahrer aufstellen. Außerdem könnte der Ostpreußenkai um 30 auf 230 Meter Länge erweitert werden. Schlichting: „Wir sollten erst einmal etwas tun und nicht immer auf neue Gutachten warten.“

Um den Hafen fit für die Zukunft zu machen, schlägt der Nautische Verein den Ausbau des Breitlings vor Schlutup zu einem „wunderschönen Universalhafen“ vor. Dazu müssten Spundwände gesetzt und der Breitling auf zehn Meter Tiefe ausgebaggert werden. Der Vorstand: „Anschlüsse für Autobahn, Eisenbahn und Binnenschiff sind vorhanden.“ Auch vor einem Ausbau des Skandinavienkais um 300 Meter in Richtung Dummersdorfer Ufer schreckt der Verein nicht zurück.

Die Vorschläge summieren sich auf hohe Millionenbeträge. Finanziert werden müsste die Vertiefung durch den Bund – über den Bundesverkehrswegeplan. Dazu muss die Trave aber erst einmal vom Bund wieder in die höchste Kategorie gestuft werden. Nur dann gibt es Geld für den Ausbau. Die CDU hat das bereits in der Bürgerschaft beantragt. Es sei auch ein Fehler gewesen, dass Lübeck für den Verkehrswegeplan 2030 nichts angemeldet habe – im Gegensatz zu Rostock und Wismar. Außerdem sollte Lübeck nicht genutzte Hafenflächen verkaufen, um Einnahmen zu erzielen. Schließlich setzt der Nautische Verein auf private Hafenbetreiber, „die die Anlagen finanzieren und dafür langfristige Nutzungsrechte erhalten“.

Seine Ideen würde der Nautische Verein, der 364 Mitglieder (Marineoffiziere, Kapitäne, Schiffsingenieure) zählt, gerne mit Experten diskutieren – in einem wiederbelebten Hafenbeirat.

 Von Kai Dordowsky

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