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Lübeck Neonazis sagen ihren Aufmarsch in Lübeck ab
Lokales Lübeck Neonazis sagen ihren Aufmarsch in Lübeck ab
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23:00 04.02.2013
Von Julia Konerding
„Das ist der Lohn für unsere Mühen und das Engagement in den letzten Jahren.“ Christoph Kleine, Bündnis „Wir können sie stoppen“ Quelle: LN
Lübeck

Nach Angaben der Organisatoren ist der für Karsonnabend geplante Protestzug abgesagt worden. Statt eines „Massenaufmarsches“ solle es künftig landesweite Kampagnen mit Mahnwachen, Kundgebungen und Kranzniederlegungen geben. Der Stadt liegt jedoch noch keine offizielle Bestätigung des Veranstalters vor. „Bei der Versammlungsbehörde ist noch nichts eingegangen“, sagt Innensenator Bernd Möller (Grüne). „Wir brauchen eine schriftliche Abmeldung mit Unterschrift des Anmelders.“

Die Initiatoren erklären auf LN-Anfrage, dass der Brief mit der Abmeldung bereits auf dem Postweg sei und in diesen Tagen bei der Stadt eintreffen werde. Bis die offizielle Absage vorliegt, gehen die Planungen der Stadt aber erst einmal weiter. „Wir versuchen, mit allen Mitteln Klarheit zu gewinnen“, betont der Innensenator, der eine Absage begrüßen würde. „Wir freuen uns, wenn es so kommt“, sagt Möller. Die Stadt hatte zuletzt vor Weihnachten Kontakt mit dem Anmelder des Aufmarsches. In einem Telefongespräch habe er seinerzeit laut Möller den Termin am 30. März bestätigt.

Der Aufzug der Rechten hat seit 2006 jährlich für einen Ausnahmezustand im Bereich rund um den Lübecker Hauptbahnhof gesorgt. Im vergangenen Jahr haben 120 Rechte in der Hansestadt demonstriert, 1800 Polizisten waren im Einsatz. Anlass für den Aufmarsch ist die Bombardierung Lübecks in der Nacht zum 29. März 1942. Zahlreiche Organisationen stellten große Protestveranstaltungen gegen Rechts auf die Beine, an denen sich Tausende Menschen beteiligten.

Das Bündnis „Wir können sie stoppen“ und die Politik reagieren erfreut auf die angekündigte Absage der Neonazi-Demonstration. Christoph Kleine, Sprecher des Bündnisses, wertet den Rückzug der Neonazis als großen Erfolg. „Das ist der Lohn für unsere Mühen und das Engagement in den letzten Jahren“, sagt er. Es sei gelungen, die Rechten an den Rand zu drängen. Auch Wolfgang Baasch begrüßt die Absage: „Es ist sehr erfreulich für Lübeck, dass der braune Spuk vorbei ist“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete. Unerfreulich sei jedoch, dass die Neonazis jetzt auf andere Städte in Schleswig-Holstein ausweichen wollen. „Da kann man nur wachsam sein.“ Wo die Rechtsextremisten künftig auftreten werden, wollen die Organisatoren nicht sagen. „Es werden ganz bewusst noch keine genauen Orte und Termine genannt“, teilten die Initiatoren mit. „Nach dem Versammlungsgesetz reicht eine 48-Stunden-Anmeldungsfrist.“ Lübeck bleibe weiterhin Bestandteil der Kampagne, wenn nicht in diesem Jahr, dann vielleicht im nächsten oder übernächsten Jahr.

Olivia Kempke, Vorsitzende des Vereins „Klopf, Klopf – Lübeck ist weltoffen“, der für den 30. März Aktionen geplant hat, kündigt an, dass eine Absage keinen Einfluss auf das Programm hätte. „Es wird wie geplant umgesetzt“, sagt sie. „Lübeck ist ja nach wie vor weltoffen.“

Julia Konerding

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