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Lübeck Neubau im Schneckentempo: Arbeit an Possehlbrücke stockt
Lokales Lübeck Neubau im Schneckentempo: Arbeit an Possehlbrücke stockt
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20:16 16.07.2016
Eine halbe Brücke, ein großer Bohrer – und ganz viel Baustelle: Aber die Arbeiten an der Possehlbrücke kommen nicht voran. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Es ist das obligatorische Schild: Betreten der Baustelle verboten. Schwarze Buchstaben auf gelbem Untergrund. Zynische Zungen behaupten, das gelte auch für die Bauarbeiter. Denn die Arbeiten an der Possehlbrücke kommen einfach nicht voran. Ursprünglich sollten die Lübecker bereits einen Teil der neuen Brücke sehen können. Doch Pustekuchen. Nur die Hälfte der alten Querung überspannt den Kanal. Die Hänge links und rechts sind frei von Gestrüpp – und großzügig umzäunt. Von der neuen Brücke keine Spur.

Sportler der angrenzenden Klubs beobachten keinen Baufortschritt – Stadt gibt keine Auskunft zum Zeitplan und zu gestiegenen Kosten.

„So richtig voran geht es nicht“, sagt Heinz Rußmann. Man sehe zwar ab und zu Aktivitäten auf der Baustelle. „Aber viel weiter geht es nicht“, stimmt Norbert Paul zu. Die beiden 73-Jährigen rudern zwei mal die Woche mit ihren beiden Kumpels um die Altstadt und haben die Baustelle im Blick. Gerade steigen sie in ihren Vierer am Lübecker Ruder-Klub. Die Baustelle an der Possehlbrücke ist verwaist. Es ist 11 Uhr am Freitag. Nur der riesige, rote Bohrer ragt hinter dem Zaun in die Höhe. Vor ein paar Wochen wurde er dort aufgerichtet. Jetzt steht der Bohrer still und starr. Sein Wochenende beginnt früh.

Ärgerlich für die Ruderer: Wenn doch mal Lastwagen zur Baustelle fahren, gibt es für die Sportler kein Durchkommen. Parkplätze sind Fehlanzeige. Sie nehmen es mit Gelassenheit, hoffen aber, dass die Querung irgendwann einmal fertig wird. Dasselbe Thema beschäftigt die Leute vom Lübecker Motorboot-Club auf der anderen Seite der Possehlbrücke. „Ich verstehe nicht, warum das so lange dauert“, fragt sich John Dyir. Der gebürtige Schotte kommt alle zwei Monate nach Lübeck und hofft jedes Mal darauf, dass es die Baustelle nicht mehr gibt. „Ich denke immer: Jetzt muss doch alles fertig sein“, sagt der 56-Jährige. Ist es aber nicht. „Sehr unbefriedigend“, meint er. So sieht es auch Kurt Koplin. „Wir müssen immer außen herumfahren“, ärgert sich der 77-Jährige. Er hat seine Laube im Kleingartengelände Lachswehr. „Ab und zu hört man mal, dass da irgendwas gerammt wird.“ Aber das sei es dann auch schon gewesen.

So wenig unter und an der Possehlbrücke los ist, so viel passiert dafür darauf. Denn über die Querung rollt der Verkehr stadteinwärts, Auto an Auto. Wer allerdings in die andere Richtung will – stadtauswärts –, der fährt einen riesigen Umweg. Und das seit mehr als einem Jahr. Ende März 2015 wurde die Possehlbrücke das erste Mal bis Ende September gesperrt. Dann gab es vier Wochen freie Fahrt für freie Bürger. Seit Ende Oktober ist sie wieder dicht – und die Lübecker stehen seitdem im Stau.

Allerdings weniger auf der Brücke, als viel mehr auf den Ausweichstrecken. Durch die Wallstraße schieben sich die Autos, rund um den sowieso schon überfüllten Lindenteller ballt sich der Verkehr.

Wenn irgendwo eine Fahrbahn gesperrt wird – wie zuletzt auf der Bahnhofsbrücke –, geht nichts mehr. Die Possehlbrücke ist einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, betroffen von der Baustelle sind täglich 32500 Wagen. Die 3200 Radfahrer am Tag dürfen in beiden Richtungen über die Querung direkt neben den Fußgängern schieben – meist wird aber gefahren.

Und die Stadt? Im Bauausschuss vor zwei Wochen hieß es: Alles in Ordnung. An der bereits im März verkündeten Verzögerung von zehn Wochen habe sich nichts geändert. Ende 2017 soll der Neubau fertig sein. Unbenommen, die Baustelle Possehlbrücke ist kompliziert: Eine halbe Brücke abreißen, die andere Hälfte neu bauen – und dasselbe dann noch einmal; das Ganze auf wackligem Untergrund tief im Kanal. Letzter Kostenstand: 12,8 Millionen plus x. Wie viele Millionen Euro Steuergelder dieses x beträgt, wollte die Stadt bisher nicht sagen. Eine Anfrage der LN vom 7. Juli hat die Bauverwaltung bislang nicht beantwortet. Nächste Woche will man Auskunft geben.

 Josephine von Zastrow

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