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Lübeck Neue Auflagen für Waterfront: Investor will trotzdem bauen
Lokales Lübeck Neue Auflagen für Waterfront: Investor will trotzdem bauen
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22:54 06.11.2013
Im September stellte der Investor die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs vor. Das Hamburger Büro „eins : eins“ plant den Bereich der Südermole mit dreigeschossigen Häusern und großen Loggien.  Quelle: eins architekten
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Ist der Mann wirklich so gelassen, oder tut er nur nach außen so? Sven Hollesen, Däne und Investor des 200-Millionen-Projekts Priwall-Waterfront, empfindet die neuen Auflagen des neuen Rathausbündnisses sogar als Unterstützung für sein Projekt. Dabei setzen ihm SPD, Grüne und Freie Wähler die Pistole auf die Brust: Hollesen muss Fristen einhalten, ihm droht eine Vertragsstrafe, die Rückabwicklung der Kaufverträge — und er soll Vorschläge der Waterfront-Gegner in sein Vorhaben einarbeiten. „Ich sehe keine Probleme, die nicht lösbar sind“, kommentiert der Däne die neuen Auflagen.

„Nur unter den im Kooperationsvertrag genannten Bedingungen kommt es zu Baurecht“, bestätigt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau den neuen Kurs. Aus seiner Sicht ist Waterfront nicht durchfinanziert.

Reaktionen der anderen Parteien: „Unfug, Stillstand, italienische Verhältnisse“

Außerdem habe Hollesen bisher keinen Betreiber für das geplante Hotel genannt. Lindenau: „Er hühnert seit Jahren herum. Jetzt muss Butter bei die Fische.“ Innerhalb eines Jahres, nachdem die Bürgerschaft einen Bebauungsplan beschlossen hat, soll Hollesen per Bankauskunft nachweisen, dass er das Geld für Waterfront hat. Innerhalb von zwei Jahren muss er mit Bauarbeiten beginnen. Das Rathausbündnis fordert, dass die Verträge zwischen Stadt und Hollesen nachverhandelt werden.

„Ich werde den Vertrag nachverhandeln“, sagt der Investor auf LN-Anfrage. „Ich werde den Zeitplan, den das Bündnis vorschreibt, einhalten.“ Er werde Waterfront auf jeden Fall bauen, „aber ich kann nicht allein bestimmen, wie es aussehen soll“, erklärt Hollesen. Vor sechs Jahren hat er das Gelände von der Stadt gekauft. Ende 2014 soll Baurecht vorliegen — das bestätigt Bausenator Franz-Peter Boden (SPD). 2015 will Hollesen mit Bauarbeiten beginnen — und 2019 soll Waterfront endlich stehen. „Die Verspätungen in dem Projekt liegen nicht in meiner Verantwortung“, spielt der Däne den Ball an die Politiker zurück. Seine bisherigen Aufwendungen für Planungen beziffert er auf 1,5 Millionen Euro.

Auch Bausenator Boden sieht keine Gefahr für das Vorhaben durch die neuen Auflagen. „Es gibt keine unüberwindbaren Hürden.“ Da ist CDU-Fraktionschef Andreas Zander ganz anderer Meinung. „Das neue Rathausbündnis setzt alles daran, Waterfront scheitern zu lassen.“ Die Hansestadt habe dem Investor immer wieder Steine in den Weg gelegt. „Waterfront wird zum Spielball der Politik“, befürchtet FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke. Die Auflagen in der Bündnis-Vereinbarung solle die Grünen ruhigstellen, die das Millionenprojekt ablehnen. Rathcke: „Das wird genauso eine Zeitbombe für die Kooperation wie der Grünstrand in der vergangenen Wahlperiode.“ Unter anderem an der Frage, ob der Grünstrand in Travemünde bebaut wird oder nicht, war die rot-rot-grüne Kooperation im vergangenen Jahr gescheitert.

Die Gegner von Waterfront wittern Morgenluft. Siegbert Bruders, Vorsitzender der Bürgerinitiative BIP: „Wir haben fünf Jahre für eine Änderung des Vertrages gekämpft — und hoffen jetzt, dass sich mittelfristig unser Konzept durchsetzt.“ Die BIP will deutlich weniger Bebauung als Hollesen und wird den Politikern voraussichtlich Anfang Dezember ihr überarbeitetes Alternativkonzept vorstellen.

Bruders: „Die Politiker scheinen sich von Großprojekten zu verabschieden.“

Vollkommen unklar ist derzeit, welche Teile des BIP-Konzepts in Waterfront eingearbeitet werden sollen. Vor drei Jahren hatte die Bürgerschaft die Bauverwaltung mit einem Vergleich beauftragt. Fazit:

Das BIP-Papier tauge nichts. Hollesen spricht dementsprechend auch nur von Anregungen.

Kai Dordowsky

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