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Lübeck Neue Glocken: Der Sound der nächsten Jahrhunderte
Lokales Lübeck Neue Glocken: Der Sound der nächsten Jahrhunderte
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16:52 04.02.2019
Jürgen Schwarck von der Firma Iversen und Dimier wird die Glocken im Norderturm einbauen. Er hat schon die Sanierung des Mariengeläuts 2005 begleitet. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Sie kommen mit einem Siebeneinhalbtonner aus Hamburg, auf zwei Paletten, die beiden gusseisernen Neuzugänge mit sehr hoher Symbolkraft. „Suchet der Stadt bestes“ steht als Bibelvers auf der einen, die Zeile „Die Gastfreundschaft vergesst nicht“ steht auf der anderen.

„Das sind unsere beiden neuen Glocken, die Ratsglocke und die Glocke der Gastfreundschaft“, erklärt Marienpastor Robert Pfeifer, „sie zeigen einerseits unsere Verbundenheit als Rats- und Bürgerkirche mit der Stadt an; andererseits tragen sie den europäischen Gedanken und die Weltoffenheit als akustische Botschaft nach draußen.“

Beide werden in den nächsten Wochen in den Norderturm gehievt, um dort das große Geläut mit derzeit sieben auf dann neun Glocken anwachsen zu lassen.

93-jähriger Mäzen spendete für die Glocken der Marienkirche

„Es wird sehr viel schöner klingen, insbesondere voller, wenn sie zum Gottesdienst rufen“, verspricht der Vorsitzende des St.-Marien-Bauvereins, Theologe Volker Schulze. Es sei auch eine gewisse Freude dabei, dass Marien dann über das größte Geläut in der Nordkirche verfüge, merkt der frühere Marienpastor an, der vor nunmehr knapp elf Jahren in den Ruhestand gegangen ist.

Möglich gemacht hat die Erweiterung eine großzügige Spende von Mäzen Prof. Hans-Heinrich Otte. Der mittlerweile 93-jährige Unternehmer wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein Garant für die Zukunft der Marienkirche. Ein Vierteljahrhundert war er selbst Vorsitzender des Bauvereins der Kirche.

Dritte Glocke wird folgen

Die Glocke der Gastfreundschaft – für sie wird Bischöfin Kirsten Fehrs die Patenschaft übernehmen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Sicherlich haben wir gerade das große Projekt der Türme-Sanierung und dort auch einen hohen Finanzbedarf“, sagt Christian Rosehr, Vorsitzender des Kirchengemeinderates. „Aber wenn einem Spender ein anderes konkretes Projekt am Herzen liegt, können wir als Gemeinde das Geld natürlich nicht umleiten.“

Vor allem schwebe die Idee mit der Glocken-Ergänzung schon seit einigen Jahren im Raum herum. So wird bald als weiteres Einzelvorhaben eines Sponsors auch noch eine dritte Glocke die Hansestadt und St. Marien erreichen.

Glockenspiel stammt eigentlich aus Danzig

„Die wird allerdings im Vergleich zu ihren 600 und 800 Kilogramm schweren Schwestern ein richtiges Schwergewicht sein“, kündigt Rosehr an. Mit einem Gewicht von zweieinhalb Tonnen soll sie das aus bisher 36 Exemplaren bestehende Glockenspiel ergänzen. „Dann wird es sauberer klingen und einen besseren Grundton haben; außerdem wird es so wieder vollständig sein, da die größte Glocke bis heute fehlt“, so Schulze.

Das Glockenspiel stammt ursprünglich aus der Kirche St. Katharinen in Danzig. Es wurde 1953 wiederhergestellt und in den Süderturm eingebaut. Das alte Glockenspiel im Dachreiter wurde in der Bombennacht zum Palmsonntag 1942 zerstört.

Ratsglocke“ könnte Sitzungen einläuten

Aber erst mal sollen Rats- und Gastfreundschaftsglocke willkommen geheißen werden. Monteur Jürgen Schwarck und Spediteur Patrick Habbel haben sie entsprechend im Westwerk, in der Bergenfahrer-Kapelle, zwischengeparkt. Denn für Mittwoch ist dort für 15 Uhr eine öffentliche Andacht „zum Glocken einholen“ geplant.

Richtig feierlich soll es dann aber im Sonntagsgottesdienst zu Palmarum am 14. April werden, wenn die Glockenweihe ansteht. Die Patenschaft für die Ratsglocke übernimmt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), der sich mit der Idee trägt, zukünftig die Sitzungen der Bürgerschaft durch das Läuten der Ratsglocke einberufen zu lassen. Und Bischöfin Kirsten Fehrs möchte als Patin für die Glocke der Gastfreundschaft fungieren.

„Es ist auf jeden Fall ein sehr bewegender Moment“, sagt Pastor Robert Pfeifer und schaut nach oben, „wenn man sich vorstellt, dass diese Glocken die nächsten Jahrhunderte dort hängen werden. Schließlich hingen bis Palmarum die Glocken, die jetzt kaputt sind, vorher 473 Jahre in den Türmen.“

Michael Hollinde

Hier wird eine Glocke des Glockenspiels abtransportiert:

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