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Lübeck Neue Müllabfuhr: Lübecker wollen Express-Termine
Lokales Lübeck Neue Müllabfuhr: Lübecker wollen Express-Termine
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16:18 13.09.2016
„Die Betroffenen sollten das Recht haben, ihre Meinung zu äußern.“ Senator Ludger Hinsen (CDU) Quelle: Maxwitat

Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) wollen den Service ihrer Müllabfuhr deutlich verbessern. Die Geschäftsführung hat den Politikern einen Neun-Punkte-Katalog vorgelegt – von der Einführung zusätzlicher Biotonnen über eine Bündelsammlung von Altpapier in der Altstadt bis hin zum Bau von Unterflurcontainern. Die Politiker müssen eine neue Satzung absegnen – aber was wollen eigentlich die Bürger? Die wurden erstmals per Online-Umfrage um ihre Meinung gebeten. Und wer kein Internet hat, dem wurde der Fragebogen als Druckversion zugesandt. 425 Bürger haben teilgenommen, darunter 324 Eigentümer von Immobilien und 101 Mieter. 173 Lübecker haben die Gelegenheit genutzt, Kommentare zu den einzelnen Serviceangeboten abzugeben. Innen- und Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU), der die Idee zu dieser Befragung hatte: „Abfälle fallen in jedem Haushalt an, da sollten die Betroffenen auch das Recht haben, ihre Meinung zu äußern.“

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Die Entsorgungsbetriebe legen die Ergebnisse einer Online-Befragung vor – 425 Bürger beteiligen sich – Zusätzliche Biotonnen sind wider Erwarten kein Renner.

„Das war schon längst überfällig“, hat ein Betroffener geschrieben. Er meint die Einführung von Express-Terminen für Sperrmüll und Elektrogroßgeräte gegen eine zusätzliche Gebühr. „Gute Idee“, notierte ein anderer Bürger, „die kostenlosen Termine zwei Mal im Jahr müssen allerdings bleiben.“ Sollen sie auch. Die EBL wollen einen Standard einführen, der in anderen Großstädten normal ist.

Müllmänner kommen auf Bestellung innerhalb weniger Tage ins Haus und holen Sperrmüll und Elektrogroßgeräte ab. Die Höhe der Extragebühr steht noch nicht fest. 76,4 Prozent der Befragten sind dafür – so viel Zustimmung erhielt kein anderer der neun Punkte.

Hohe Zustimmung (74,8 Prozent) erfuhr auch die Optimierung der Schadstoffsammlung. Das Schadstoffmobil soll künftig in allen zehn Stadtteilen (bisher fünf Standorte) mindestens zwei Mal im Jahr vorfahren. Außerdem wollen die EBL ein neues Servicemobil einsetzen, an dem Bürger Sperrmüll beantragen, Abfallsäcke kaufen und gelbe Säcke holen können. Für die Optimierung der Wertstoffhöfe stimmten 71,1 Prozent. Auf den Wertstoffhöfen werden einheitliche Öffnungszeiten eingeführt – an sechs Tagen in der Woche. Außerdem wollen die EBL die Kofferraumgebühr abschaffen. Bisher zahlen Anlieferer fünf Euro je Kubikmeter. Spartenleiter Manfred Rehberg: „Man kann niemandem mehr erklären, warum er dafür zahlen soll, dass er seinen Müll abliefert.“

Überwiegend kritisch sehen die Befragten den Bau von Unterflurcontainern. 41,4 Prozent stimmten dafür. Das System könnte die Kosten sprengen, lauteten die Kommentare: „Wozu neuer, kostspieliger Schnickschnack, wenn es das Bisherige tut.“ Noch weniger Ja-Stimmen (40,8 Prozent) erhielt die Idee, in der Altstadt eine Bündelsammlung für Papier und Pappe einzuführen. Gewerbebetrieben auf der Altstadtinsel soll die Entsorgung von Altpapier und Kartonagen erleichtert werden. Zwei bis drei Mal pro Woche sollen abends die Bündel abgeholt werden. Das erledigen derzeit zum Teil private Firmen, „aber das ist nicht durchgängig organisiert“, sagt EBL- Chef Jan-Dirk Verwey. Kommentare der Bürger: „Das bringt noch mehr Dreck.“ Oder: „Das verunstaltet dann regelmäßig unsere schöne Altstadt.“

Ausgerechnet ein Serviceangebot, das den EBL besonders wichtig ist, wird am deutlichsten abgelehnt. 40,8 Prozent der Befragten wollen keine zusätzlichen Biotonnen gegen Gebühr, 47,6 Prozent sprachen sich dafür aus. Vor dem Start der Online-Umfrage war sich EBL-Chef Verwey sicher: „Das ist ein großes Thema, in den letzten Jahren hatten wir viele Anträge auf zusätzliche Gefäße.“ In ihren Kommentaren fordern die Bürger, dass zusätzliches Biomüll-Volumen kostenlos sein müsse. Zumal die Bürger wissen, dass die EBL mit mehr Bioabfall mehr Biogas und somit Strom produzieren und verkaufen können. „Da kommt der Verdacht auf, die EBL wollen doppelt verdienen“, schrieb ein Bürger. Ein anderer fand: „Die Biotonne reicht aus. Was dort nicht mehr passt, kann in die Restmülltonne.“ Bei solchen Kommentaren zucken die EBL- Chefs zusammen. 16000 Tonnen Biomüll sind derzeit jährlich in den Restmülltonnen enthalten. Diese Menge wollen die Entsorger abschöpfen und zu Geld machen.

Ein Massengeschäft

120 000 Tonnen stehen bei den Bürgern und Betrieben der Hansestadt. In 48000 Gefäßen wird Restmüll eingesammelt, in 35 000 Behältern Bioabfall und in 33 000 Tonnen Papiermüll.

Die Ergebnisse der Online-Umfrage stehen detailliert auf der Internetseite der Entsorgungsbetriebe www.entsorgung.luebeck.de.

Die neue Müllabfuhr soll am 1. Januar loslegen. Zuvor entscheiden die Politiker über die Satzung.

 Kai Dordowsky

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