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Lübeck Neue Staus, keine Lösungen
Lokales Lübeck Neue Staus, keine Lösungen
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23:02 12.10.2017
Im Berufsverkehr geht rund um den Mühlentorteller oft nichts mehr. Hier stehen die Autos in der Ratzeburger Allee. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Goetsch
Lübeck

Christian Schmidt von der Interessengemeinschaft Große Burgstraße bestätigt, dass der Verkehr am Burgtor vor allem morgens stillsteht. „Ab etwa 7.30 bis 9 Uhr staut es sich bis zum Burgfeld“, sagt der Sprecher. Grund ist, dass die Straße An der Untertrave seit Ende August in Richtung Drehbrücke gesperrt ist. Doch nicht nur die Ausweichstrecken über Große Burgstraße oder Eric-Warburg-Brücke sind überlastet. Auch weiträumiges Umfahren über Hüxtertorallee und Mühlentorteller ist nicht ratsam.

Die Staus in Lübeck gehen den Autofahrern auf die Nerven. Auch IHK und Lübeck Management klagen. Denn zunehmend stockt es auch rund um und in der Innenstadt. Die Stadt erklärt die Situation mit engen Zeitfenstern, schlechter Witterung und verschiedenen Zuständigkeiten.

Rüdiger Schacht von der IHK zu Lübeck betont, dass die Staus in der Innenstadt zugenommen haben. Laut stellvertretendem Hauptgeschäftsführer gibt es von Seiten der Wirtschaft zwar prinzipielle Zustimmung zu notwendigen Bauarbeiten und Investitionen in marode Bauwerke und Wege. Doch „wenn Baustellen nun aber scheinbar unkoordiniert und örtlich konzentriert zusammentreffen“, schwinde diese Akzeptanz. „Die Stimmung bei Unternehmen, Beschäftigten und Kunden ist jedenfalls zunehmend angespannt.“

Besonders problematisch sei, dass „keine Korridore für leistungsfähige Umfahrungen eingerichtet und dann auch konsequent von Baustellen freigehalten werden“, betont Schacht. So verliere jedes Unternehmen im Stau täglich Geld. „Wir fragen uns, ob dies durch Politik und Verwaltung ausreichend registriert wird.“

Laut Schacht könnte sich die Baustelle Possehlbrücke „zu einem Desaster“ entwickeln. Problematisch seien in diesem Zusammenhang die bevorstehenden Sanierungsarbeiten im Zuge von St.-Jürgen-Ring/Wallbrechtstraße. „Hier könnte es zu einer Verschärfung der Staus im Gebiet Berliner Platz/Wakenitzbrücke kommen.“

Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements, sieht diverse Hürden angesichts der Staus in Lübeck. „Wir sind kurz vor der Weihnachtsstadt des Nordens – und es geht schon bei der Anfahrt nach Lübeck los.“ Wer erst auf den Autobahnen und in Genin nicht weiterkomme, und dann noch rund um die Altstadt im Stau stehe, überlege sich gut, ob er Lübeck besuche. „Der wirtschaftliche Schaden ist nicht von der Hand zu weisen – und zwar für alle. Für die Stadt, Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden sowie für die Bürger.“

Grundsätzlich ist das Lübeck Management überzeugt, dass Investitionen in die verkehrliche Infrastruktur extrem wichtig und überfällig sind. „Wir sind aber auch davon überzeugt, dass es Stellschrauben gibt, an denen noch gedreht werden kann und muss, um bestimmte Prozesse zu optimieren.“

Die Stadt teilt mit, dass die gegenwärtigen Baumaßnahmen nicht allein der Hansestadt Lübeck unterliegen. „Sie fallen in unterschiedliche Zuständigkeiten“, teilt Valessa Glisovic vom Presseamt mit und nennt den Landesbetrieb für Verkehr (A 20, A 1), die Entsorgungsbetriebe oder die Stadtwerke (bei Leitungsarbeiten). Grundsätzlich würden alle Maßnahmen untereinander abgestimmt. „Dennoch kommt es insbesondere im Spätsommer zu gleichzeitigen Maßnahmen, die dann in ihrer Summe auch zu Verkehrsbeeinträchtigungen führen.“

Da Straßenbauarbeiten nur in der frostfreien Zeit möglich sind, sei „das Zeitfenster eng begrenzt“. Hinzu komme in diesem Jahr, dass sich aufgrund der schlechten Witterung Baustellen verzögert haben, so dass es „jetzt in Einzelfällen zu nicht vorhersehbaren Überschneidungen“ komme. Gleichzeitig betont Glisovic die Notwendigkeit der Arbeiten. „Bei weiterem Aufschub läuft die Stadt nicht nur Gefahr, Finanzmittel zu verlieren und die Straßeninstandsetzung zu gefährden, sondern auch, dass Straßen in ihrer Nutzung eingeschränkt werden müssten.“ Das würde wieder zur Mehrbelastung anderer Straßen führen, so die Sprecherin.

 Von Cosima Künzel

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