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Lübeck Neue Verkehrsregeln verwirren Radler
Lokales Lübeck Neue Verkehrsregeln verwirren Radler
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12:50 31.10.2017
Neue Markierungen in der Luisenstraße: Hier können die Radfahrer entscheiden, welchen Weg sie nehmen. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Dabei sollte eigentlich alles sicherer werden. Doch offenbar haben sich noch nicht alle daran gewöhnt, dass in der Dorfstraße die Vorfahrt geändert wurde. Immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen. Denn wo bisher die Rad- und Autofahrer auf der Fahrradstraße vorfahrtsberechtigt waren, gilt jetzt rechts vor links. „Die Änderung ist notwendig geworden, um die verkehrsrechtliche Integration der Fahrradstraße in die bestehende Tempo-30-Zone sicherzustellen“, sagt die stellvertretende Stadtsprecherin Valessa Glisovic.

Alles neu in der Dorfstraße: Seit Kurzem gilt für Autos und Radler eine Rechts-vor-links-Regelung in der Fahrradstraße.

In Sorge um die Schulkinder

Betroffen sind vor allem die Kreuzungen Kalkbrennerstraße/Röntgenstraße und Dorfstraße/ Billrothstraße. Auf die geänderte Regelung wird zwar hingewiesen, aber: „Die Fahrradstraßen-Schilder, die bisher in den Querstraßen direkt vor der Einmündung standen, stehen jetzt in der Dorfstraße direkt hinter den Einmündungen. Wer die Dorfstraße quert, weiß also nicht, dass er eine Fahrradstraße quert“, moniert Anwohner Volker Koß. Seine Sorge gilt insbesondere den Kindern aus dem Hochschulstadtteil, „die sich so gegen 7.45 Uhr vor der geschlossenen Eisenbahn-Schranke sammeln und dann im Pulk durch die Dorfstraße zur Gemeinschaftsschule St. Jürgen fahren.“ Die Stadt ist dagegen optimistisch, dass die Unfälle mit der neuen Regelung reduziert werden können. „Mit der nun vorhandenen Beschilderung ist der Verkehrsversuch in der Dorfstraße abgeschlossen. Die Fahrradstraße ist nun dauerhaft angeordnet“, sagt Valessa Glisovic.

Doch neben einiger Sorge bringt die neue Beschilderung die Anwohner auch zum Schmunzeln: Stadtauswärts fahrend steht ein Rechts-vor-links-Schild in der Dorfstraße. An dieser Stelle ist rechts nur die Einfahrt in die Röntgenstraße – und die ist eine Einbahnstraße. „Das Schild in Fahrtrichtung Süden ist in der Tat nicht erforderlich“, bestätigt Glisovic.

Verwirrende Markierungen in der Luisenstraße

Noch verwirrender dürften die neuen Markierungen in der Luisenstraße sein. Auch hier soll die Sicherheit verstärkt werden. Doch derzeit ist das Gegenteil der Fall. Die Zeichen und Markierungen verwirren manchen Radfahrer so sehr, dass er anhalten muss, um sie zu verstehen. „Unser Fahrradbeauftragter hat sich das Verkehrsverhalten direkt nach Abschluss der Arbeiten längere Zeit angesehen.

Naturgemäß mussten sich einzelne Verkehrsteilnehmer erst einmal neu orientieren – das dürfte sich mittlerweile größtenteils gelegt haben“, sagt Valessa Glisovic. Denn wer beispielsweise von der Luisenstraße nach links abbiegen will oder geradeaus in die Eschenburgstraße möchte, der kann einen rot markierten Radweg nutzen. Die Radler können den neuen Weg nutzen, müssen es aber nicht. Denn auch der normale Radweg ist weiterhin befahrbar. Dazu gibt es eine Aufstellfläche für die Radfahrer. Sie liegt hinter der Haltelinie für die Autos, die nach links abbiegen wollen. Die Radfahrer sollen also die wartenden Autos überholen und sich vor ihnen aufstellen. Auch das traut sich nicht jeder zu. Zumindest die Anwohner freut offenbar die Neuregelung. „Aus der Bevölkerung haben wir mehrere Dankesschreiben für die neue Radverkehrsführung erhalten“, sagt die stellvertretende Stadtsprecherin.

Im Bogen über die Bahnschienen

Altbekannt ist dagegen ein Problem in der Posener Straße. Die Bahnschienen verlaufen dort quer über den Radweg. Die Stadt weist mit einem Hinweisschild darauf hin, dass Radfahrer dort einen Bogen fahren müssen. Doch viele sehen das zu spät und stürzen. Ernst Unger fährt die Strecke mehrfach die Woche. „Das ist mehr als unglücklich gelöst“, sagt der 58-Jährige. „Gerade ältere Menschen bekommen das viel zu spät mit. Und im Grunde müsste man einen Bogen fahren und kommt dabei fast auf die Straße, wenn man nicht in den Schienen hängenbleiben will.“ Auch der Lübecker ist dort schon einmal gestürzt. „Bei mir ging es glimpflich aus, aber das kann ja auch schlimmer enden.“ Allein im Jahr 2016 kam es zwischen Mai und September zu sieben Unfällen. Drei Personen wurden schwer verletzt, vier leicht. „Aufgrund der Unfallhäufung wurde bereits Ende September 2016 vom Fahrradbeauftragten der Hansestadt Lübeck der Markierungs- und Beschilderungsplan in das Anhörverfahren gegeben“, erklärt Polizeisprecher Stefan Muhtz.

Ernst Unger (58) ist selbst schon an den Schienen in der Posener Straße gestürzt.

Doch ob die neuen Schilder reichen, um Unfälle zu vermeiden, bleibt abzuwarten. Zumindest in diesem Sommer gab es keine schwereren Vorfälle. Ernst Unger wünscht sich dennoch eine frühere und auffälligere Beschilderung. „Außerdem könnte man vielleicht Gummierungen in die Schienen setzen, die von schweren Lasten runtergedrückt werden aber von Radfahrern eben nicht“, schlägt Unger vor. Die Stadt bleibt entspannt: „Hier queren die Bahngleise den Radweg in sehr spitzem Winkel. Die Beschilderung und die Rotmarkierung soll rechtzeitig auf diese Gefahrenstelle hinweisen“, sagt Valessa Glisovic. Zum Vorschlag der Gummierung äußerte die Stadt sich nicht.

 Von Maike Wegner

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