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Lübeck Neuer Ärger mit der alten Brücke
Lokales Lübeck Neuer Ärger mit der alten Brücke
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08:27 26.10.2016
Damit die Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts den Schaden finden können, muss die Brücke hochgefahren werden.
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Innenstadt

Um kurz vor 11 Uhr stellt sich ein Polizist in die Rechtsabbiegerspur der Kanalstraße. Auf der anderen Seite der Hubbrücke leiten seine Kollegen die stadteinwärts fahrenden Autos auf die Brückenstraße um. Die Hubbrücke fährt nach oben. Die Schlosser des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts steigen über eine Treppe hinab unter die Brücke. Sie sind einem Defekt in der Verriegelung auf der Spur, die die Straßenbrücke in ihrer Position halten soll. Einige Stunden später zeichnet sich ab: Die Arbeiten werden etliche Tage in Anspruch nehmen. So lange bleibt die Brücke gesperrt.

Wieder einmal muss die Hubbrücke für mehrere Tage gesperrt werden. Eine 116 Jahre alte Verriegelung hat sich aus dem Fundament gelöst.

Dem Brückenmeister war beim Hoch- und Herunterfahren der Brücke aufgefallen, dass etwas nicht stimmte. Als Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) gestern früh – wie jeden Morgen – die Brücke warteten und kontrollierten, wurden sie am stadtauswärts gelegenen Ende fündig. „Am Morgen hat sich ein Verriegelungszylinder aus dem Fundament gelöst“, erklärt Klaus Thiel, der verantwortliche Kontrolleur. Das WSA entschied sofort: Die Brücke muss gesperrt werden. Wenn man nichts unternähme, könne die Brücke schlimmstenfalls absacken, sagt Dirk Lansmann, beim WSA zuständig für den Unterhaltungsbetrieb.

Wenn die Brücke sich hebt, wird ein eisernes Schild am Stahlträger sichtbar: „C. HOPPE BERLIN 1900“ steht darauf. „Die alte Lady ist 116 Jahre alt“, ruft ein Arbeiter.

So alt wie die Brücke ist auch die defekte Verriegelung. „Das ist wie beim Menschen: Je älter er wird, desto mehr knackt es“, sagt Lansmann. Erst im September war die Brücke wegen eines Schadens in der Antriebstechnik fünf Tage lang gesperrt. 2009 musste sie drei Mal repariert werden: Erst war es ein Getriebeschaden, dann ein kaputtes Lager, dann ein Leck in der Hydraulik.

Aus dem WSA war gestern Nachmittag zu erfahren, dass die Verriegelung wohl nicht komplett erneuert werden müsse. Man werde die Verankerung freistemmen und den Verriegelungsblock festsetzen. Ein Ersatzteil müsse bestellt, aber nicht extra angefertigt werden. Sobald der Beton getrocknet sei, könne die Brücke wieder in Betrieb genommen werden. Wie lange es genau dauern werde, könne man noch nicht sagen, aber es gehe um Tage, nicht Wochen.

Im Hansemuseum, das der Hubbrücke direkt gegenüber liegt, macht man sich wegen des Ausfalls keine Sorgen. Die Sprecherin Ursula Fröhlingsdorf sagt: „Das macht sich nicht bemerkbar, weil unsere Gäste zum größten Teil aus der Altstadt herspaziert kommen.“ Weniger gelassen ist Aynur Yildirim, Inhaberin der „pizza factory“, eines Lieferdienstes an der Untertrave. Die Sperrung im September habe sich spürbar ausgewirkt, klagt sie: „Wir haben später geliefert und dadurch Kunden verloren.“ Ihr macht schon die Possehlbrücke genug zu schaffen: „Egal, welche Brücke gesperrt ist: Bei uns ist dann Chaos.“

Auch Matthias Clemens von Schellwitz, Geschäftsführer des Auktionshauses Die Eiche an der Untertrave, macht aus seinem Unmut kein Hehl. „Wir haben viele Kunden, die mit dem Auto kommen, natürlich“, sagt er. „Die sind verärgert, dass sie einen Umweg fahren sollen.“ Der Zustand der Verkehrswege in Lübeck sei „ein Unding“. „Ich komme aus Hamburg, und ich komme mir vor wie in den 50er-Jahren, wenn ich mir den Zustand der Straßen und Brücken in Lübeck angucke.“

Das WSA wollte schon vor vier Jahren eine neue Brücke bauen. Denkmalpfleger fordern aber eine Sanierung mit Erhalt der alten Technik. Das WSA hat im August dazu eine Machbarkeitsstudie ausgeschrieben. Bis auf Weiteres ist die Brücke hochgefahren und ruht auf zwei Stützspindeln. Der Verkehr wird über Brückenweg, Falkenstraße, Hüxterdamm und Kanalstraße umgeleitet.

Schwere Technik

245 Tonnen wiegt die Straßen-Hubbrücke, die über den Klughafen am nordwestlichen Ende der Kanaltrave führt. Sie wird für Schiffe um 3,20 Meter angehoben. Zum Ensemble gehören außerdem eine nicht mehr genutzte Eisenbahn-Hubbrücke und eine unbewegliche Fußgängerbrücke mit Treppen.

Zuständig für die 1900 eingeweihte Hubbrücke ist nicht die Stadt, sondern das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), eine Behörde des Bundes.

 Hanno Kabel

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