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Lübeck Neuer Anlauf für einen Zukunftspakt Hafen
Lokales Lübeck Neuer Anlauf für einen Zukunftspakt Hafen
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11:56 26.01.2017
LHG-Chef Prof. Sebastian Jürgens (M.) will, dass Lübecks Hafen vom schlechten Image wegkommt. Konkrete Zahlen über den Abbau von Arbeitsplätzen wollte er LN-Redakteurin Josephine von Zastrow und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) nicht nennen. Quelle: Lutz Roeßler
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Großkunden, die abgewandert sind. Ein insolventer Hafenbetriebsverein. Sinkende Umschlagszahlen. Tiefrote Zahlen in der Bilanz. Um den größten Hafenbetreiber, die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), ist es nicht gut bestellt. Einziger Ausweg: Alle Beteiligten, die Gesellschafter Stadt und Rreef, die Gewerkschaften, Betriebsräte und das Land, wollen sich an einen Tisch setzen, um gemeinsam die Probleme zu lösen. Das ist die Botschaft des HanseTalks gestern Abend im Europäischen Hansemuseum.

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Im Hansemuseum wurde über die Zukunft von Lübecks Hafen diskutiert.

Der vor einem Jahr geplatzte Zukunftspakt Hafen erfährt eine Wiedervorlage. „Wir brauchen eine Lösung noch in diesem Jahr“, forderte der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Marco Lütz vom Vorstand der Lübecker Spediteure hat es noch eiliger: „Die Lösung muss im ersten Halbjahr kommen. Die verbliebenen Kunden der LHG brauchen ein Signal, wohin es geht.“ Minister Meyer will nicht nur warme Worte beisteuern. Auf hartnäckiges Nachfragen der LN-Redakteurin Josephine von Zastrow versprach der Minister: „Eine SPD-geführte Landesregierung könnte durchaus in der nächsten Legislaturperiode mindestens zehn Millionen Euro in den Lübecker Hafen investieren.“ Geld, das längst an der Trave investiert werden könnte. Aber, so Meyer: „Aus Lübeck liegen keine Förderanträge vor.“

Lesen Sie den Verlauf der Podiumsdiskussion in unserem Live-Ticker nach.

LHG-Chef Prof. Sebastian Jürgens, der mannhaft gegen das schlechte Image des Hafens kämpft, nannte die Gründe. „Wir haben Investitionsbedarf, aber wir müssen dafür auch den finanziellen Eigenanteil stemmen.“ Jürgens verwahrte sich dagegen, dass Lübeck ein „Streik-Hafen“ sei. Es gebe strukturelle Probleme. Die wurden auch benannt. In den Konkurrenzhäfen Kiel und Rostock würden geringere Löhne gezahlt, sagte Thomas Mendrzik von der Verdi-Bundesfachgruppe Häfen: „Lübeck ist nicht zu teuer, die anderen sind zu billig.“ Mendrzik regte eine „Angleichung der Tarifbedingungen“ an – so wie bei den Häfen an der Nordsee.

„Alle müssen Zugeständnisse machen“, forderte Jürgens, und sagte weiter: „Wir haben zu viele Leute.“ Bundesfachgruppenvorsitzender Mendrzik verlangte dafür sozialverträgliche Lösungen. Auch der Verzicht auf tarifliche Leistungen scheint nicht mehr ausgeschlossen. Laut Mendrzik beuge sich die Tarifkommission der LHG gerade über die Bücher des Unternehmens. „Die Lage ist nicht gut“, sagte der Verdi-Mann, er zeigte sich überzeugt, dass die Beschäftigten Abstriche machen werden. „Aber dabei geht es nicht um den großen Absenkungs-Tarifvertrag“, betonte er.

Einer, der nicht auf dem Podium saß, geriet in den Fokus des Publikums. Der private Partner der LHG, Rreef, verhindere konsequent alle Investitionen jenseits von 250000 Euro, kritisierte HBV-Mitarbeiter Stefan Müller. Papierkunden wie Iggesund und SCA seien nicht wegen der Unruhe gegangen, sondern weil Rreef ihnen keine Halle in Schlutup bauen wollte, sagte Lüder Möller, bekannter Montagsdemonstrant. Auch Minister Meyer sieht die Rolle des privaten Anteilseigners kritisch: „Die Bereitschaft von Rreef, Geld in den Hafen zu investieren, ist gering.“

Das Kreuzfahrtgeschäft, das in Kiel und Rostock boomt, wird Lübeck nicht rausreißen. Am Skandinavienkai werde es keinen Anleger für große Urlaubspötte geben, stellte LHG-Chef Jürgens klar. Was die Stadt damit verpasst, machte Kreuzfahrt-Experte Jobst Schlennstedt deutlich: „Tui und Aida wären sofort hier, wenn Lübeck etwas anbieten würde.“

 Kai Dordowsky

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