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Lübeck Neuer Bausenator: Nach der Castingshow wird jetzt verhandelt
Lokales Lübeck Neuer Bausenator: Nach der Castingshow wird jetzt verhandelt
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21:13 17.01.2017
„Es war eine grauenvolle Show.Bruno Böhm, Freie Wähler
Lübeck

Zwei Tage, neun Kandidaten: Das war die Casting-Show im XL-Format für den Lübecker Bausenator. Das Ergebnis: Es gab keinen Bewerber, der alle Politiker überzeugt hat. Aber: Es sind drei Kandidaten im Gespräch, mit denen sich einige der sieben Fraktionen anfreunden können. Jetzt versuchen die Fraktionschefs, hinter den Kulissen Mehrheiten zu organisieren. Wer den Job bekommt, entscheiden die Politiker am 26. Januar in der Bürgerschaft. Die Spielregel für die Senatoren-Wahl ist simpel: Wer die meisten Stimmen hat, bekommt den Job.

„Es gab eine sehr sachliche Ebene.Jan Lindenau, SPD
„Bin überrascht, wie gut es gelaufen ist. Thorsten Fürter, Grüne

Amtsinhaber Franz-Peter Boden (SPD) tritt nicht mehr an. Der 65-Jährige geht am 30. April in den Ruhestand. Er hat das Baudezernat 14 Jahre geleitet.

Die Senatoren-Castingshow hatte Premiere in Lübeck. Denn neben den Politikern waren auch Fachleute zu diesem halb-öffentlichen Event eingeladen. Trotz großer Kritik im Vorfeld sind die meisten angetan von der Veranstaltung. „Es gab eine sehr sachliche Ebene“, berichtet SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. „Unterm Strich war es eine gute Veranstaltung“, sagt auch Christopher Lötsch (CDU). Seine Partei stand der Castingshow besonders skeptisch gegenüber. „Ich bin überrascht, wie gut es gelaufen ist“, sagt Thorsten Fürter (Grüne). Er habe vor allem die lübschen Fachleute als Gewinn wahrgenommen.

Einer von ihnen war Ingo Siegmund vom Architekturform. Der sagt ebenfalls: „Es war eine gut gemachte Veranstaltung.“ Allein Bruno Böhm (Freie Wähler) meint: „Es war grauenvoll.“ Er sei mit der Veranstaltung „nicht so zufrieden“. Auch ein Bewerber war sauer über das Verfahren. Klaus Schavan aus Aachen beschwerte sich in einem Brief an Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) über diese „Castingshow in Fließband-Manier“. Und zog seine Bewerbung zurück, nachdem die Achener Zeitung berichtet hatte, dass er nach Lübeck wolle.

Nach der Show kommen jetzt drei Bewerber in die engere Wahl: ein CDU-Mann, ein SPD-Mann und eine parteilose Frau. Das ist der derzeitige Stand – der sich aber täglich ändern kann. So hat Martin Lambert (CDU) einen guten Eindruck hinterlassen. Der 55-Jährige ist Diplom-Volkswirt und arbeitet derzeit in Berlin. Er wurde für das Bezirksamt Reinickendorf vor gut fünf Jahren zum Stadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt, Ordnung und Gewerbe gewählt. Davor war Lambert zwei Jahre lang als Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Bauen zuständig. Für ihn spricht seine Erfahrung, gegen ihn, dass er wenig mit Bauen zu tun hatte.

Der SPD-Mann heißt Christian Mews. Ihn hatten die Sozialdemokraten bereits vorab zu sich eingeladen – und entschieden sich, den 41-Jährigen in die Castingshow zu schicken. Mews arbeitet derzeit in der Verwaltung des Landtags Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin und ist Referatsleiter für Sonderaufgaben in Bauangelegenheiten. Der Regierungsbaumeister hatte sich auch in Rostock im Herbst 2015 für den Job des Baudezernenten beworben. Für ihn spricht seine Expertise, gegen ihn, dass er recht jung ist – und ihm einige Politiker nicht zutrauen, sich gegen die alten Haudegen aus dem lübschen Bauamt durchzusetzen.

Die Dritte im Bunde in der engeren Auswahl ist Joanna Glogau. Die 45-Jährige ist Architektin, arbeitet beim Gebäudemanagement Schleswig-Holstein in Kiel und leitet den Bereich Bundesbau. Sie ist Lübeckerin und wurde von fünf Fraktionen für die Vorstellung vorgeschlagen. Ihre Vorteile: Sie ist parteilos und hat viel Erfahrung mit Behörden. Ihr Nachteil: In Sachen Stadtplanung hat sie bislang kaum etwas vorzuweisen.

Josephine von Zastrow

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