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Lübeck Kräftiger Anstieg bei kleinen Wohnungen
Lokales Lübeck Kräftiger Anstieg bei kleinen Wohnungen
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16:52 30.10.2018
Rund 117 000 Wohnungen gibt es in Lübeck – hier ein Blick in die Percevalstraße. Der Mietspiegel gilt nicht für Eigentums- und Sozialwohnungen. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

In den vergangenen beiden Jahren sind frei finanzierte Wohnungen in der Hansestadt um durchschnittlich 39 Cent oder 6,3 Prozent pro Quadratmeter teurer geworden. Lübeck liege damit im Schnitt vieler Städte, sagt Thorsten Hühn vom Hamburger Institut F + B, das den Mietspiegel 2018 erstellt hat. „Das ist eine normale Erhöhung“, erklärt Hühn. „Der Wohnungsmarkt ist angespannt“, bestätigt Wirtschafts- und Sozialsenator Sven Schindler (SPD), „aber ich weigere mich, von einer Wohnungskrise zu sprechen.“

Aus Sicht des Mietervereins setzt sich der „Mietenanstieg in erhöhtem Tempo“ fort. Geschäftsführer Thomas Klempau: „In den vergangenen sechs Jahren sind die durchschnittlichen Mieten um 15,9 Prozent und damit doppelt so stark angestiegen wie in den sechs Jahren davor.“ Im Jahr 2012 seien für eine 60 Quadratmeter große Wohnung noch 345 Euro kalt bezahlt worden, 2018 seien es bereits 400 Euro gewesen. „Große Sorge bereitet uns der überdurchschnittliche Mietenanstieg bei kleinen Wohnungen von bis zu zehn Prozent innerhalb der beiden vergangenen Jahre“, sagt Klempau, „vielen Mietern fällt es schwer, die stetig steigenden Belastungen zu tragen.“ Und kleine Wohnungen seien begehrt, fast 80 Prozent aller Haushalte bestehen aus ein bis zwei Personen.

Thorsten Hühn vom Hamburger Forschungsinstitut F + B hat den Mietspiegel zusammen mit seinen Mitarbeitern erstellt. Quelle: Lutz Roessler

Der neue Mietspiegel gebe einen „repräsentativen Überblick über die zur Zeit am Markt tatsächlich gezahlten Mieten im nicht preisgebundenen Wohnungsbestand“, sagen Stadt, Institut, Wohnungswirtschaft und Mieterverein. „Er ist eine wichtige Orientierungshilfe und verlässliche Grundlage“, bestätigt Torsten Kärlin von der Grundstücksgesellschaft „Trave“. Der Mietspiegel führe zu einer „Versachlichung der Diskussion“ über den Lübecker Wohnungsmarkt, ist Sascha Sebastian Färber vom Eigentümerverband Haus & Grund überzeugt.

25 Jahre Lübecker Mietspiegel

Seit 1993 wird in Lübeck alle zwei Jahre ein Mietspiegel herausgegeben. Das Zahlenwerk macht Angaben über die ortsüblichen Vergleichsmieten. „Die Heranziehung von Vergleichsobjekten oder die Erstellung von Wertgutachten kann weitestgehend entfallen“, sagt der Mieterverein. Der Mietspiegel 2018 wurde von der Bürgerschaft beschlossen und ist damit gültig. Die Broschüre kann für drei Euro im Verwaltungszentrum Mühlentor, in Stadtteilbüros, beim Mieterverein und bei Haus & Grund gekauft werden. Außerdem kann er im Internet heruntergeladen werden.

Die Daten für 2018 bauen auf die Erhebung von 2016 auf und wurden aufwendig aktualisiert. 12 000 Mieter und 1750 Vermieter wurden angeschrieben. Daten aus 1940 Interviews flossen in das Zahlenwerk ein. Der Mietspiegel benennt die Vergleichsmieten in 28 verschiedenen Tabellen für mittlere Wohnlagen. „Die höchsten Mieten werden in Neubauten ab dem Jahr 2002 und für modernisierte Altbauwohnungen auf der Altstadtinsel bezahlt“, sagt Thorsten Hühn vom Institut F + B. So kommt eine Neubauwohnung mit 85 und mehr Quadratmetern in guten Wohnlagen auf 9,70 Euro je Quadratmeter. Eine modernisierte Altbauwohnung in guter Lage ist für 10,21 Euro pro Quadratmeter in der Spitze zu haben.

Thomas Klempau vom Mieterverein Lübeck sieht die Mietenentwicklung kleiner Wohnungen mit Sorge. Quelle: Lutz Roessler

Der Mietspiegel soll gerichtliche Auseinandersetzungen im Fall von Mieterhöhungen vermeiden. Das gelingt zusehends. „Bei insgesamt 79 Prozent der bestehenden Mietverhältnisse wurde die Mietänderung mit dem Mietspiegel begründet“, sagt Mietenforscher Hühn. 2016, beim letzten Mietspiegel, waren es 65 Prozent. Auch für den Bereich Soziale Sicherung der Stadt bietet das Zahlenwerk eine wichtige Orientierung. Nach dem Mietspiegel werden die Unterkunftskosten ermittelt, die die Stadt an Bezieher von Hartz IV und Sozialhilfe überweist. Die sogenannten Mietobergrenzen sind Gegenstand politischer Debatten, Politiker fordern eine Erhöhung. Sozialsenator Sven Schindler (SPD) versichert: „Diese Mietobergrenzen werden angepasst.“

Kai Dordowsky

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