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Lübeck Neuer Streit um Kita-Schließzeiten
Lokales Lübeck Neuer Streit um Kita-Schließzeiten
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21:41 14.06.2018
Drei Wochen sind einige Kitas in den Sommerferien geschlossen. Das ärgert die Elterninitiativen. Quelle: Fotos: Dpa, Künzel, D. Silz
Lübeck

Im Bürgermeister-Wahlkampf war das ein großes Thema: Lübecks Kitas haben 225 Öffnungstage. Elterninitiativen forderten 235, sammelten Unterschriften, überzeugten die Politiker. Im November beschloss die Bürgerschaft, dass die Kitas zehn Tage mehr im Jahr geöffnet haben. Im August werden nach Angaben der Verwaltung zunächst 17 von über 100 Einrichtungen damit starten. Ab 2019 sollen die anderen Kitas folgen. Die Stadt muss 1,9 Millionen Euro zusätzlich aufbringen.

Kitas sollen im Jahr zehn Tage weniger schließen und statt 225 Tage künftig 235 Tage öffnen. Das haben Elterninitiativen erstritten, das hat die Bürgerschaft beschlossen. Doch die städtischen Kitas sollen im Sommer weiterhin drei Wochen dicht sein – das empört die Eltern.

„Die städtischen Kitas setzen den Beschluss flächendeckend im kommenden Jahr um“, bestätigt Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos). In größeren Einrichtungen würden die Gruppen versetzt schließen, kleinere Kitas drei Wochen im Sommer komplett. Weiher: „Dabei sind die Kitas angehalten, sich bei der Festlegung der Schließzeiten nach der nächstgelegenen Grundschule zu richten.“ Dadurch solle vermieden werden, „dass Eltern, die Kinder sowohl in der Kindertagesstätte als auch in der Grundschule haben, sich auf verschiedene Schließzeiten einstellen müssen“, erklärt die Senatorin.

Auf einer Informationsveranstaltung mit rund 60 Elternvertretern und Kita-Leitungen reagierten die Eltern nach Angaben der „Elterninitiative für Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ aufgebracht. Denn gerade die drei Wochen in den Sommerferien würden vielen Familien Schwierigkeiten bereiten, erklärt Jenny Scharfe, Gründerin der Initiative. Auch die Kreiselternvertretung hat wieder und wieder dafür gekämpft, dass die Kitas nicht drei Wochen in den Sommerferien dichtmachen.

Im Hintergrund schwelt ein grundsätzlicher Konflikt. Große Kita-Anbieter wie Kinderwege und die Verwaltung behaupten, dass die überwiegende Mehrzahl der Familien keine Probleme hat. Eine Umfrage der Stadt unter Kita-Eltern vom vergangenen Herbst zeigte, dass 75 Prozent mit den Einrichtungen zufrieden sind. Ein massenhaftes Problem mit zu langen und uneinheitlichen Schließzeiten gebe es nicht, erklärt Joachim Karschny, Chef von Kinderwege: „Die Situation mit den Öffnungszeiten verläuft in unseren Einrichtungen entspannt.“ Bei den Kitas, die 225 statt 235 Öffnungstage anbieten, gebe es nur vereinzelte Wünsche nach Erweiterung.

Auch die bisher fehlende Abstimmung zwischen Kitas und Betreuten Grundschulen mache offenbar weitaus weniger Familien zu schaffen, als von den Elterninitiativen stets verlautbart worden sei.

Kinderwege bietet Familien, die Kinder in verschiedenen Einrichtungen haben, individuelle Lösungen an. Aber das Angebot werde kaum angenommen, sagt Karschny. Seit der Veröffentlichung im Frühjahr hätten sich lediglich fünf Familien an Kinderwege gewandt. Karschny: „Wir Träger erleben immer wieder Nachfragen von Eltern, die dann die konkreten Angebote nicht annehmen.“ Genau die gleiche Erfahrung würden die städtischen Kitas machen, erklärt Bildungssenatorin Weiher. Seit Jahren biete die Stadt eine Notfallbetreuung an, die von Familien weitgehend ignoriert würde.

War die ganze, aufgeregte Debatte um mehr Öffnungstage also viel Lärm um nichts? Das weisen die Elterninitiativen empört von sich. Jenny Scharfe: „Dass Schließtage nicht einheitlich geregelt sind, ist ein Problem von allen Familien, die mehr als ein Kind in der Betreuung haben.“ Mehr als 1100 Unterschriften hatte die Initiative gesammelt. Scharfe: „Das Thema ist relevant.“ Besagte Kita-Umfrage der Stadt hat auch ergeben, dass über 30 Prozent Probleme mit den Öffnungszeiten haben. Christian Weise, Vorsitzender der Kreiselternvertretung, kritisiert, „dass Joachim Karschny die aus seiner Sicht mangelnde Inanspruchnahme seines Angebotes benutzt, um den Bedarf nach arbeitnehmerfreundlichen Betreuungszeiten grundsätzlich in Frage zu stellen. Ich halte das für unhaltbar.“

Tatsächlich gebe es mehrere Gründe, warum die Familien das Kinderwege-Angebot links liegen lassen. Weise: „Es ist eben nur eine immer noch recht unpraktikable und zudem noch kostenintensive Notlösung.“ Auch Jenny Scharfe moniert die zusätzlichen Kosten von 65 Euro pro Woche, „die zu den hohen monatlichen Kitagebühren hinzukommen“. Karschnys Angebot sei wieder nur eine Art Notbetreuung, sagt die dreifache Mutter. Und vor allem sei das Angebot überhaupt nicht richtig kommuniziert worden. Scharfe: „Die einzige Info stand in den LN.“

Diesen Hinweis nimmt Kinderwege auf. „Wir werden über das Schulamt eine Information zum Aushang an alle Schulen geben“, erklärt Karschny. Die Kosten von 65 Euro in der Woche bezeichnet er als moderat, schließlich seien neben der Ganztagsbetreuung und Verpflegung auch Eintrittspreise für Schwimmen, Kino oder Fahrtkosten enthalten. Dass Kinder Probleme mit einer fremden Umgebung in einer anderen Kita hätten, sei pädagogisch nicht zu belegen, erklärt Karschny: „Das Kindersitter-Hopping – alleine zu Hause, zu den Großeltern, zur Tante, zur Nachbarin – erscheint für Kinder und Familien oft aufwendiger als eine feste Perspektive mit anderen Kindern über drei Wochen in einer neuen Gruppe.“

 Von Kai Dordowsky

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