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Lübeck Neuer Streit um die Nördliche Wallhalbinsel
Lokales Lübeck Neuer Streit um die Nördliche Wallhalbinsel
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21:10 12.10.2016
Immer noch ungewiss: Die Zukunft der Wallhalbinsel. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Es geht nicht voran: Jetzt gibt es wieder Ärger um die Nördliche Wallhalbinsel. Diesmal will die Hansestadt der Bürgerinitiative nicht alle Flächen auf dem 70000 Quadratmeter große Areal direkt vor der Altstadt überlassen. Die beiden wertvollsten Grundstücke möchte die Stadt an andere Investoren verkaufen. Dabei hat die Bürgerschaft im Februar beschlossen, das Konzept der Projektgruppe Initiative Hafenschuppen (PIH) zu verwirklichen. Das besagt: Die PIH erhält die Hafenschuppen und entwickelt die Nördliche Wallhalbinsel als Ganzes. Aber: Die Stadt hält nichts von diesen Plänen. Im aktuellen Streit zwischen Stadt und PIH geht es um den Anhandgabevertrag über die Flächen für die Investoren-Gruppe der Initiative. Das war Thema im Hauptausschuss.

„Dabei geht es doch um prägnante Grundstücke“, kritisiert Hauke Wegner (CDU) die Stadt. Diese Flächen brauche die Initiative, um ihr Gesamtkonzept zu verwirklichen. Der Streitpunkt: zwei Filetgrundstücke auf der Nördlichen Wallhalbinsel. Nummer eins liegt direkt neben den Media Docks. Dort will die Initiative ein Hotel mit Blick auf die Altstadt bauen lassen. „Dieses Hotelprojekt ist doch mit dem Parkhaus verknüpft“, argumentiert Wegner. Das soll auf der Fläche neben Schuppen A errichtet werden. Fläche Nummer zwei ist die des Strandsalons an der Spitze der Halbinsel. Der soll dort bleiben und dort ein Restaurant bauen dürfen.

Wegner: „Man hat den Eindruck, dass die Stadt in den Prozess Schwierigkeiten einbaut.“ Dadurch würde das Projekt der Initiative weiter verzögert. Er macht klar: „Die Bürgerschaft hat explizit beschlossen, die Pläne der Initiative zu verwirklichen.“ Das sieht Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) anders. „Das ist eine Frage der Interpretation des Beschlusses.“ Der Initiative ginge es vorrangig darum, die Hafenschuppen zu erhalten und „nicht um die freien Flächen, die man noch bebauen kann“. Vehementer Widerspruch kommt von Ragnar Lüttke (Linke): „Da gibt es keinen Interpretationsspielraum.“ Er müsse das wissen, denn er gehöre zu den Autoren des Beschlusses. „Ich will nicht, dass Sie meine Worte interpretieren, Herr Boden.“ Lüttke stellt klar: „Das Herausnehmen einzelner Flächen war nicht Teil unseres Beschlusses.“

Selbst die SPD kann der Auffassung der Stadt nichts abgewinnen. Dabei ist die Fraktion Gegner des Konzeptes der Initiative. Fraktionschef Jan Lindenau macht klar: „Da gibt es keinen Interpretationsspielraum.“ Er vermutet: „Es geht bei den Verhandlungen wohl eher darum, wer welche Kosten trägt.“ Boden stimmt zu: „Es handelt sich um unterschiedliche Grundstückspreise.“

Außerdem seien die Verhandlungen noch nicht beendet. „Das ist ein neuer Aspekt“, sagt hingegen Detlev Holst, Sprecher der Initiative. Unterschiedliche Preise seien bisher kein Thema gewesen.

Der Hintergrund: Die Investoren-Gruppe der Initiative hat der Stadt Ende 2015 ein Kaufangebot gemacht. Sie will drei Millionen Euro bezahlen und die Kosten der Erschließung übernehmen. Die Stadt würde unterm Strich einen Gewinn von 900000 Euro machen. Die Initiative will die Schuppen A, B, C, D sowie F für 1,1 Millionen Euro kaufen und ausbauen – zu Eventstätten, als Proberäume und für Vereine. Auch kleine Geschäfte, Kunsthandwerk und maritime Läden sollen darin untergebracht werden. Zudem sind 50 bis 60 Wohnungen geplant. Darüber hinaus will die Investoren-Gruppe drei weitere Flächen erwerben und bietet dafür 1,84 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um die beiden Grundstücke am Eingang zur Wallhalbinsel. Dort soll neben den Media Docks eben ein Hotel errichtet werden, neben Schuppen A ein Parkhaus. Fläche Nummer drei ist an der Spitze der Wallhalbinsel, dort ist der Strandsalon zuhause. Diese Fläche will die Investoren- Gruppe entweder pachten oder mieten.

Angesichts des neuen Streits wollen die Politiker notfalls einen weiteren Beschluss fassen – sollte die Stadt das Konzept nicht realisieren.

 Josephine von Zastrow

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