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Lübeck Neuer Vorschlag: Im Schritttempo durch die Altstadt
Lokales Lübeck Neuer Vorschlag: Im Schritttempo durch die Altstadt
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20:55 31.05.2016

Die Verkehrsberuhigung der Altstadt war bei einem Rundgang unter dem Titel „Ortswechsel II“ das alles beherrschende Thema. 80 Bürger versammelten sich in und vor drei leerstehenden Ladengeschäften in der Königstraße und der Großen Burgstraße und erlebten hautnah, wie laut die Altstadtstraßen sind. Studenten, Wissenschaftler, Bürger und Politiker waren sich einig, dass irgendetwas passieren muss. Den radikalsten Vorschlag lieferte der Architekt Jörn Simonsen: „Autos und Busse sollten in der Altstadt nur noch sieben Kilometer pro Stunde fahren. Die Königstraße könnte um 1,50 Meter schmaler werden, dann sinkt auch das Verkehrstempo.“

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Debatte unter freiem Himmel vor einem Laden in der Königstraße: 80 Bürger erfahren hautnah, wie viel Verkehr hier fließt.

Simonsen, Vorstandsmitglied des Architekturforums, warnte vor langen Debatten über eine Verkehrsberuhigung. „Lübeck muss es einfach mal machen“, riet der Architekt und empfahl weiterhin, Breite Straße und Große Burgstraße zu Einbahnstraßen zu machen, um den Koberg aufzuwerten. Diese Einbahnstraßenregelung werde während des Umbaus des Kobergs ja auch eingeführt. Das Argument, dass Rentner, Behinderte und Schüler bei einer Verkehrsberuhigung weitere Wege in die Altstadt auf sich nehmen müssten, ließ Simonsen nicht gelten. Beim Hansekultur-Festival seien Straßen gesperrt gewesen und wären Busse umgelenkt worden. Der Architekt: „Alte, Kinder und Rollstuhlfahrer waren trotzdem bei dem Festival.“

„Einzelhändler sagen, der Verkehr stört“, bestätigte Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements. „Lübeck würde es gut zu Gesicht stehen, den Verkehr zu reduzieren“, erklärte Dirk Gerdes, Chef des Koordinierungsbüros Wirtschaft in Lübeck (KWL), das die Parkplätze bewirtschaftet. Vor radikalen Lösungen warnte Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses: „Man muss den Verkehr nicht komplett rausziehen, damit könnten wir großen Schaden anrichten.“ Wenn keine Kunden mehr kämen, könnten kleinere Geschäfte zusammenbrechen. Die Hansestadt habe mit der Umgestaltung von Rippenstraßen, Klingenberg und Schrangen bereits bewiesen, dass mehr Aufenthaltsqualität in die Innenstadt gebracht werde.

Studenten und Dozenten der Fachhochschule Lübeck stellten bei ihren Forschungen und Befragungen fest, dass der Verkehr und der Verkehrslärm das entscheidende Manko für die Weiterentwicklung der Altstadt sind. „Besonders negativ ist der Verkehrslärm durch die Busse aufgefallen“, sagte die Lehrbeauftragte Janine Tuechsen. Sie riet, den Fahrradverkehr weiter zu fördern und autofreie Sonnabende einzuführen, die es vor vielen Jahren schon gegeben habe. Moritz Friedrich, der im achten Semester Städtebau und Ortsplanung studiert, baute zusammen mit Kommilitonen ein Wohnzimmer vor einem leerstehenden Ladenlokal auf. „Wir müssen die Außenräume bespielen, damit sich etwas ändert“, schwebte den Studenten ein bisschen mediterranes Flair in der Altstadt vor. Damit kleine Geschäfte sich Tische und Stühle vor der Eingangstür leisten können, schlägt die Fraktion Freie Wähler & Die Linke vor, „die ersten vier Quadratmeter von der städtischen Sondernutzungsgebühr zu befreien“, erklärt Fraktionschef Bruno Böhm.

Beim Ortswechsel geht es nämlich nicht ausschließlich um Verkehr. Die Macher suchen nach Ideen, wie leerstehende Geschäfte in der Altstadt vermieden werden, indem die Geschäfte zwischendurch anders genutzt werden. Eine Studentengruppe um Robert Tischer, der im fünften Semester Architektur studiert, hat junge Familien befragt. „Die hetzen immer so durch die Stadt“, sagt Tischer. Grund: Eltern können ihre quengelnden Sprösslinge nicht in einer Kinderbetreuung abgeben, wie sie in großen Einkaufszentren längst Standard sind. Tischer und seine Kommilitonen bauten in einem leerstehenden Ladenlokal in der Königstraße eine Kinderbetreuung auf. Der Architekturstudent: „Die Innenstadt funktioniert nicht anders als ein großes Einkaufszentrum.“ Die GAL-Politikerin Katja Mentz regt an, eine Kinderbetreuung in der unteren Etage der Königpassage einzurichten. Mentz: „Dort war mal ein Spielzeuggeschäft, eine große Rutsche ist noch vorhanden – und die Königpassage würde davon profitieren.“

Die Initiative

Das Projekt „Ortswechsel“ ist eine Gemeinschaftsinitiative zur „Perspektive Innenstadt“ vom Lübeck Management, der Fachhochschule Lübeck, der Stadtverwaltung und dem Wissenschaftsmanagement. „Wir wollen herausfinden, was in der Innenstadt passiert“, sagt Prof. Frank Schwartze von der Fachhochschule. „Wir wollen Leerständen nicht tatenlos zuschauen“, erklärt Olivia Kempke vom Lübeck Management. „Wir erhoffen uns Impulse und Anregungen für neue Nutzungen von Geschäften“, sagt Klaus Schröder, Leiter der Stadtplanung. 15 Architekturstudenten sind zwei Wochen lang mit Fragebögen durch die Innenstadt gezogen und haben an Haustüren geklopft. Für drei Leerstände in der Königstraße und in der Großen Burgstraße haben sie alternative Nutzungen entwickelt.

 Kai Dordowsky

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