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Lübeck Güterbahnhof wird Wohnviertel - 90 Millionen Euro Investitionen
Lokales Lübeck Güterbahnhof wird Wohnviertel - 90 Millionen Euro Investitionen
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08:12 26.08.2018
Die Wohnkompanie Nord will das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs bebauen (v.l.): Holger Römer, Ralph Müller, Nadine Müller, Daniela Langenhagen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Es ist der verblasste Charme eines vergangenen Jahrhunderts: Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs steht eine lange Halle, ein riesiger Lokschuppen, die alte Kantine und ein denkmalgeschützter Wasserturm. Überall wuchern Büsche, aus jeder Ritze sprießt das Unkraut. Dennoch: „Die Lage ist faszinierend“, sagt Ralph Müller, geschäftsführende Gesellschafter der Wohnkompanie Nord. Das Areal liegt direkt am Lübecker Bahnhof - und ist dennoch nicht weit von der Stadt entfernt.

 

So soll es aussehen: Das ist der städtebaulicher Entwurf für das Areal des Lübecker Güterbahnhofs. Quelle: Jochen Wenzel

Ein „Wohnviertel für alle“ soll aus dem Areal werden. Etwa 750 Menschen werden dort einmal leben. Der Plan: Das schmal geschnittene Grundstück wird längst in drei Zonen aufgeteilt. In Richtung Schützenstraße werden die Wohnhäuser gebaut. Dann folgt ein Park - und in Richtung der Bahnschienen erstrecken sich die alten Gebäude wie die Güterhalle.

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Das Wohnviertel: Geplant sind 280 Häuser und Wohnungen – mit einer Bruttogeschossfläche von 34 500 Quadratmetern. Von den Unterkünften sind geplant ein Drittel als Eigentum, ein Drittel zur Miete und ein Drittel Sozialwohnungen. Diese lang geschnittene Wohn-Zone ist in vier Felder unterteilt. In Richtung Bahnhof entstehen Stadthäuser mit zwei Geschossen plus Staffelgeschoss. Dann folgen Mietshäuser mit drei und vier Geschossen jeweils plus Staffelgeschoss. Sie sind in L- und U-Form angeordnet, sodass sie weitere Stadthäuser umschließen. Unter drei der vier Felder sind Tiefgaragen geplant. Die Zufahrt erfolgt über Töpferweg und Hansering. Zudem wird es Stellplätze in der alten Güterhalle geben. Dadurch fahren keine Autos durch das neue Wohnviertel.

Der Park: Er erstreckt sich zwischen den neuen Wohnhäusern und der alten Güterhalle - und geht bis zum Wasserturm. Er misst 28 000 Quadratmeter und wird verschiedene Höhen haben, sowie Spielplätze sowie einen Ballspielplatz. „Er wird eine große Bedeutung haben“, sagt Nadine Müller, die das Projekt der Wohnkompanie Nord leitet. Die Stadt zahlt 1,3 Millionen Euro für die Neugestaltung – und erhält dafür den Park als öffentliche Fläche. So steht es im Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans. Nadine Müller: „In dem Stadtteil fehlt es an Grün.“

Ein kleiner Rundgang über das 7,8 Hektar große Grundstück.

Die alten Gebäude: Die Güterhalle bleibt erhalten. Dieser Schuppen erstreckt sich über 400 Meter - parallel zu den Bahnschienen. Er hat 6800 Quadratmeter und ist derzeit in viele kleine Parzellen aufgeteilt und vermietet. Den Mietern wurde zum Ende des Jahres gekündigt. „Wir müssen jetzt in die Gebäude rein“, sagt Nadine Müller. Denn: Die Güterhalle soll saniert werden. Geplant ist, dass dort eine Kindertagesstätte einzieht und eventuell eine Schule. Zudem könnten dort Büros, ein Kiosk entstehen. In einem Teil der Halle werden die Stellplätze für die Stadthäuser nahe der Meierbrücke eingerichtet.

Geplant sind ein Hotel und Studentenwohnungen

An dem Endpunkt der Güterhalle in Richtung Meierbrücke soll ein Neubau errichtet werden – sechs Stockwerke hoch. Er soll über die Brücke hinausragen. Dort ist ein Hotel vorgesehen. „Es soll sichtbar sein“, sagt Ralph Müller. Und: Es soll ein markanter Punkt am Eingang des Viertels werden. Der Gegenpol dazu soll sich am anderen ende der Güterhalle wiederfinden. Dort ist die ehemalige Kantine. Sie wird allerdings abgerissen. „Sie ist zu marode“, sagt Ralph Müller. Aber: Erhalten werden sollen aber Elemente des Gebäudes, die sich dann in einen Neubau einfügen.

Abgerissen werden ebenfalls die alten Lokschuppen. Die sind derzeit ebenfalls noch vermietet. Gekündigt wurde den Mietern ebenfalls zum Ende des Jahres. Dort ist ein Neubau mit Studentenwohnungen geplant. Das Gebäude hat vier bis fünf Stockwerke, ist leicht gebogen und erinnert an einen Kamm. Während eine schmale Rückwand den Lärm der Bahnschienen fernhält, ragen fünf breite Zacken in den Park hinein. Direkt daneben steht der denkmalgeschützte Wasserturm. Was genau daraus werden soll, ist noch unklar. Nadine Müller: „Wer eine gute Idee hat - immer gerne.“

Zech Group

Die Zech Group steht hinter der Wohnkompanie Nord. Die Gruppe wurde 1909 gegründet, hat ihren Hauptsitz in Bremen. Die Zech Group hat etliche mittelständische Firmen aufgekauft. Daher sieht sie sich selbst auch als mittelständisches Unternehmen. Die Gruppe hat weltweit 10 500 Mitarbeiter. Dazu gehören sechs Sparten – von Bauen über Boden-Sanierung und Projektentwicklung bis zu Hotels. Kurz: Die Wirtschaftskette des Bauens. Zudem gibt es eine Zech-Stiftung, zu der zwei operative Firmen zählen. Die Bilanzsumme betrug 1,168 Millionen Euro für 2017. Die Eigenkapitalquote lag bei 42,7 Prozent.

In Lübeck ist die Zech Group vertreten mit zwei Atlantic Hotels – in der Altstadt und in Travemünde. Das erste lübsche Bauprojekt der Wohnkompagnie Nord befindet sich in der Wallstraße 47 bis 51. Dort entstehen aktuell Eigentumswohnungen der Luxusklasse.

Aus dem Areal des Güterbahnhofs sollte schon einmal ein Wohnviertel werden. Die Pläne hatte die Immobilienfirma Aurelis entwickelt, eine frühere Tochter der Deutschen Bahn. Das war 2016. Doch die Sache kam nicht voran. Außerdem waren Aurelis und die Stadt uneins - beim Thema Park. Aurelis wollte dafür 1,3 Millionen Euro von der Stadt. Die Politiker protestierten vehement. Beschlossen haben sie es dennoch am 18. Juli 2016. Dann kaufte die Wohnkompanie Nord das Areal der Aurelis ab. Auch Ralph Müller sagt: „Wir gehen davon aus, dass die Stadt sich am Park beteiligt.“

Josephine von Zastrow

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