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Lübeck Neues Bordell — Politiker drücken sich vor Entscheidung
Lokales Lübeck Neues Bordell — Politiker drücken sich vor Entscheidung
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08:44 17.09.2013
Vorerst wird es kein neues Bordell an der Osterweide in St. Jürgen geben. Quelle: dpa

Sie wollten sich nicht so richtig entscheiden — und zu einem Bordell an der Osterweide in St. Jürgen weder ja noch nein sagen. Der Kompromiss: Der Bauantrag des Lübecker Unternehmers wird ein Jahr lang aufgeschoben — und in dieser Zeit soll geprüft werden, ob ein Freudenhaus das nahe gelegene Wirth-Center stört oder nicht. Am Ende steht dann ein neuer Bebauungsplan für das Areal, der derzeitige lässt ein Bordell zu. Der Beschluss des Bauausschusses fiel gestern Abend um 20 Uhr — nach anderthalbstündiger Debatte.

Die Haltung der Verwaltung ist klar: Sie will das Bordell in St. Jürgen dort nicht. Aus ihrer Sicht passt ein Sauna- und Nachtclub nicht in diese Gegend. „Das Stadtteilzentrum Wirth-Center soll doch aufgewertet werden“, ärgert sich SPD-Bausenator Franz-Peter Boden. Ihm ist wichtig: Ein solches Etablissement „würde einer positiven Entwicklung im Wege stehen“. Stadtplaner Karsten Schröder ergänzt: „Dort ist eine Frauen-Fitness-Schule in der Nähe, ob das so konfliktfrei ist?“

Die CDU ist anderer Ansicht. „Ich kann die Haltung nicht ganz nachvollziehen. Das Gewerbe eines Unternehmers ist in Gefahr“, sagt Dirk Freitag (CDU). Auch Pirat Detlef Stolzenberg gibt zu bedenken: „Das ist ein Eingriff ins bestehende Baurecht.“ Aus der St.-Jürgen-Runde habe er erfahren, dass „die Anwohner mit einem Bordell an dieser Stelle leben könnten“. Eher als mit dem Freudenhaus an der Elswigstraße, so Stolzenberg. Dabei geht es um halb legale Bordelle in Wohngebieten, die nicht offiziell als Freudenhaus laufen.

„Was macht denn die Stadt gegen diese Bordelle im Wohngebiet?, will Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, wissen. „Wäre es nicht sinnvoll, eins im Gewerbegebiet hinzustellen?“ Der Standort an der Osterweide sei sehr versteckt und kaum einsehbar. Lötsch: „Wenn nicht dort, wo dann?“

Boden ist anderer Ansicht: „Wenn wir an dieser Stelle ein Bordell zulassen, werden deshalb an anderer Stelle nicht weniger eröffnen. Mit diesem Märchen muss ich aufräumen.“ Aber Stolzenberg drängt: „Es besteht die Notwendigkeit, ein Konzept für die Standorte von Bordellen zu erstellen.“  

jvz

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