Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Neues Buddenbrookhaus muss alte Fassade behalten
Lokales Lübeck Neues Buddenbrookhaus muss alte Fassade behalten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:12 28.09.2016
Die Fassade des linken Hauses muss ab dem ersten Stock erhalten bleiben. Dort wird das Buddenbrookhaus (rechtes Haus) erweitert. Die Durchfahrt wird schmaler. Quelle: Maxwitat
Anzeige
Lübeck

Empfindlicher Dämpfer: Das neue Buddenbrookhaus kann nicht komplett neu gebaut werden. Denn die Fassade der Mengstraße 6 darf nicht verändert werden – jedenfalls ab dem ersten Stockwerk. Das hat die Denkmalpflege entschieden. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) stützt diese Haltung: „Es gibt keine fachlichen Gründe für die Aufhebung des Denkmalschutzes.“ Er hatte im Sommer ein Gutachten dazu in Auftrag gegeben. Angedacht war ein Umzug der Fassade – an ihren Ursprungsort. Denn sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Resten eines Hauses gebaut, das ein paar Straßen weiter in der Fischstraße 19 stand. Doch die Denkmalpflege lehnt ab.

Der Hintergrund: Das Buddenbrookhaus wird runderneuert und vergrößert. Die Ausstellung wächst von 1000 auf dann gute 2000 Quadratmeter. Dazu wird das jetzige Buddenbrookhaus in der Mengstraße 4 zum großen Teil umgebaut. Das Nachbarhaus mit der Nummer sechs hat die Stadt 2011 mit Bundesgeld gekauft. Dort soll das Museum erweitert werden. Die Idee: Das Haus wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Doch mit der Entscheidung der Denkmalpflege ist dieser Plan jetzt gestorben. Zwar wird das Gebäude an der Mengstraße 6 abgerissen – aber die Fassade bleibt bestehen – ab dem ersten Stock.

Sie muss jetzt vor einen Neubau gehängt werden. Diese Variante war auch schon im Gespräch, doch die Macher des neuen Buddenbrookhauses hatten auf einen kompletten Neubau gehofft.

Betrübnis bei der Kulturstiftung. „Ich bin nicht glücklich über die Entscheidung“, gibt Hans Wißkirchen, Chef der Lübecker Museen, zu. Er sei weiterhin der Meinung, dass ein kompletter Neubau das bessere Konzept wäre. „Denn das neue Museum muss sich auch am Markt behaupten“, macht Wißkirchen klar. „Wir sind enttäuscht“, sagt auch Gabriela Schröder, kaufmännische Leiterin der Museen.

Schließlich sollte sich das umgestaltete Haus durch eine besondere Finesse auszeichnen: Bereits die Fassaden der beiden Häuser sollten den Weg der Familie Mann verdeutlichen – von einer Lübecker Familie zur Weltfamilie. So wird die Lübecker Zeit in der Mengstraße 4 gezeigt – mit der historischen, lübschen Fassade. Die Weltfamilie Mann in der Mengstraße 6 – eben in einem Neubau mit moderner Fassade. Das war das favorisierte Modell von Wißkirchen. Denn das neue Konzept der Ausstellung sollte schon nach außen sichtbar werden und sofort ins Auge fallen. Daraus wird nun nichts. Und nun gibt es noch ein Problem: Die Etagen der beiden Häuser haben unterschiedliche Höhen. Daher müssen Übergänge von einem zum anderen Gebäude diesen Höhenunterschied überwinden.

„Jetzt haben die Architekten einen eingeschränkten Gestaltungsspielraum“, sagt Wißkirchen. Er hoffe, dass sich dennoch renommierte Büros an dem Wettbewerb beteiligen. Der wird Ende des Jahres ausgeschrieben. Einer für die Architektur, einer für die Gestaltung. Aktuell überlegen Wißkirchen und Schröder, wie das Verfahren laufen soll. Denn die Gestaltung der Ausstellung und die Architektur des Hauses an der Mengstraße 6 müssen zusammenpassen. Im November wollen sie dazu einen Vorschlag präsentieren. Bis dahin soll auch die touristische Machbarkeitsstudie vorliegen, die die Bedeutung des Buddenbrookhauses belegt. Die brauchen die Museen-Chefs, um Geld vom Land zu erhalten. Sie rechnen mit bis zu acht Millionen Euro Zuschuss. Den Rest müssen Wißkirchen und Schröder einsammeln. Die Stadt zahlt nichts dazu. Baustart soll 2018 sein. 2020 könnte das neue Museum eröffnet werden.

Enttäuscht ist auch Hennig Stabe (CDU), Vorsitzender des Kulturausschusses. „Ein Neubau hätte die Idee der Ausstellung super verbunden.“ Doch er sagt auch: „Wir hätten einen Präzedenzfall geschaffen.“ Wenn die Stadt bei ihren Gebäuden den Denkmalschutz missachte, dann könne man schwer mit Bürgern diskutieren, die oft auch auf Ausnahmen bei ihren Altstadthäusern drängen. Stabe befürchtet aber Mehrkosten: „Billiger wird der Erhalt der Fassade nicht.“

Viele Experten arbeiten an der Ausstellung mit

Im November soll das Drehbuch für das neue Buddenbrookhaus fertig sein. Die Ausstellung zeigt die Familie Mann bis ins 21. Jahrhundert. Bisher weniger beachtete Familienzweige werden präsentiert und neue Exponate gezeigt. Die Konzeption liegt in Händen von Museen-Chef Hans Wißkirchen und Museumsleiterin Birte Lipinski. Sie lassen sich von einem Gremium beraten. Darin sind unter anderem vertreten das Thomas-Mann-Archiv, die Thomas-Mann-Gesellschaft, Golo-Mann- Gesellschaft, Heinrich-Mann-Gesellschaft, eine Erika-Mann-Biografin sowie ein Klaus-Mann-Biograf.

 Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige